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The next big thing

Die Medienkollegen sind schier unersättlich. Kaum wurde ein Trend entdeckt und massentauglich gemacht, entbrennt die Suche nach dem nächsten großen Ding. Diesmal in der Verlosung: Foursquare und Check-In.

Hinter Foursquare verbirgt sich ein junges Startup aus New York, welches geographische Informationen seiner Nutzer sammelt, aufbereitet und in schicken Paketen wieder verfügbar macht: Betritt jemand einen bestimmten Ort, beispielsweise einen angesagten Club oder eine Sehenswürdigkeit, kann sich der Nutzer online bei Foursquare anmelden und Informationen, Tipps und Hintergründe über den Ort hinterlassen oder abrufen (Check-In). Firmengründer Dennis Crowley preist diese die neue Form der Informationsaufbereitung in der FAZ als Quantensprung in der Nutzung des sozialen Raums:

„Check-in ist nicht das Ende unseres Plans. Check-in bedeutet nur zu wissen, wo sich jemand aufhält. Die richtige Magie: Wenn man weiß wo jemand ist, ihm dann die beste Information zu geben, die er gerade braucht. Über seine Freunde, über Dinge, die sich in der Nähe abspielen.“

Selbstverständlich sollen die Daten auch konvertierbar sein, so dass sie bei Facebook und Twitter genutzt werden können. Ebenfalls in der Verlosung ist das Apple-Konkurrenzmodell der „Air Tags„.

In der Tat birgt die Check-In-Anwendung viele interessante Möglichkeiten. Neuankömmlinge in einer Stadt können sich, nur mit dem Smartphone bewaffnet, auf die Pirsch durch ihren Stadtteil machen und Restaurants, Clubs und Handwerker entdecken. Angeblich nutzen bereits Mütter das Angebot, um sich mit anderen Erziehungsberechtigten an angesagten Spielplätzen zu verabreden. Wer will, kann die Foursquare-Anwendung sogar in den Dauer-Modus schalten und immer mitteilen, was er wann wo macht. Foursquare will den besonders aktiven Nutzern, die viele Informationen beisteuern (vulgo: über sich preisgeben) mit Insider-Informationen über die gerade besuchte Lokalität belohnen. Marketing-Strategen reiben sich ob der durch Check-In immer genauer bestimmbaren Zielgruppen schon die Hände…

Nicht nur Veteranen des Anti-Volkszählungsbegehrens der 80er dürften angesichts dieser Überwachungsmöglichkeiten die Haare zu Berge stehen. Auch die ostdeutsche Staatssicherheit hätte sicherlich liebend gern über Foursquare und Check-In verfügt, um seine ausreisewilligen Bürger zu überwachen. Crowley weiß um die Schattenseiten und beschwichtigt sogleich:

„Mit einem Check-in zeige ich, dass ich meinen Standort mitteilen möchte. Dienste wie Google Latitude gehen davon aus, dass der Nutzer seinen Standort permanent mitteilen möchte. Das ist bei den meisten Menschen nicht der Fall.”

Für den Medienlotsen überwiegen nach Abwägung aller Argumente (Cool v Stasi 3.0) klar die Vorteile. Kleine Geschäfte und Shops können ohne billige Außenwerbung mittels Foursquare auf sich aufmerksam machen oder den Erstbesucher mit besonderen Angeboten bedenken. Darunter muss nicht zwangsläufig die Kommunikation leiden, denn Check-In wird auch nur ein weiteres Werkzeug wie Telefon, Brief oder Mail sein. Panikmache ist hier – wie bei allen anderen Angeboten – fehl am Platz, denn clevere User schalten ihre sozialen Profile sowieso nur für Freunde und Bekannte frei, nicht aber für die Hinzens und Kunzens des weltweiten Web. Das vollständige Potenzial der Anwendung wird sich aufgrund der derzeitigen Unternehmensgröße von Foursquare allerdings erst in den nächsten zehn bis 24 Monaten voll entfalten.

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