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Wie die Medien Google Street View dämonisieren

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Vergangene Woche kündigte Suchmaschinengigant Google an, bis Ende des Jahres die 20 größten deutsche Städte in sein Street-View-Angebot aufzunehmen. Hinter dem Dienst verbergen sich fotografierte Straßenansichten, die dem Betrachter einen nahezu dreidimensionalen Eindruck von der Umgebung verschaffen und je nach Qualität der Fotos Auskunft über den Zustand der Nachbarschaft u.ä. geben. Auf Druck von deutschen Datenschutzbeauftragten sicherte Google zu, Hausbesitzern Widerspruchsmöglichkeiten vor Veröffentlichung im Internet einzuräumen. Dennoch treibt das Thema darüberhinaus im Sommerloch wunderliche Blüten, meint der Medienlotse.

Medien auf Desinformationskurs
In der derzeitigen medialen Berichterstattung sind die Argumentationen gehörig durcheinander geraten. Die Springer-Postille mit den vier großen Buchstaben lässt beispielsweise Menschen (und B-Promis) zu Wort kommen, die doch tatsächlich glauben, dass Google mit Street View nun eine Art Live-Cam auf ihr Haus richtet. So sagt Juliane Winterberg (19), Sozialfachangestellte aus Gerstungen: „Ich sonne mich oft im Bikini auf der Terrasse. Durch Google finden Spanner doch sofort mein Wohnhaus.“ Vermutlich hat sich die freizügige Juliane bereits in einigen Internetforen mit voller Adresse angemeldet, doch hängt die mediale Aufregung sicherlich auch damit zusammen, dass Presse und Co. in Deutschland schon längst nicht mehr ihrem Informationsauftrag ankommen und lieber auf den bösen großen Bruder Google einschlagen. Sicherlich nur deshalb, weil Google bei G-Mail die Mails auf weit entfernten Servern speichert, obwohl User sie löschen (tun GMX, Web.de und diverse Hochschulen in Deutschland auch), Google durch Cookies mehr über mein Surfverhalten herausfinden will (Warum Microsoft mit Bing wohl eine Suchmaschine betreibt?) oder das Unternehmen lizenzfreie Bücher einscannt (von meinem Buch Willi Daume und die Entwicklung des Sports in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1970 wird es eh keine zweite Auflage geben, also bin ich dankbar für jede Art von Aufmerksamkeit, die vielleicht dazu führt).

Gebäude haben keine Privatsphäre
Das mediale Trommelfeuer führt in Kombination mit dem typisch fehlgeleiteten deutschen Obrigkeitsdenken dazu, das breite Teile auch der politischen Klasse glauben, Gebäude hätten eine Recht auf Privatsphäre. Vermutlich liegt der irrige Gedanke vor, das was für die Bewohner gilt, automatisch auf Wohnungen und Häuser zu übertragen ist. Zwar haben deutsche Gerichte vorallem in den 90er Jahren viele Urteile gegen Boulevardmedien zum Schutz der Persönlichkeit gefällt, doch verhält sich Google nicht schlimmer als ein normaler Papparazzi. Es bleibt also abzuwarten, ob der Dorfteich in Kleinkleckersdorf genauso viele Suchanfragen erhält, wie beispielsweise die Reeperbahn in Hamburg. Für die Anwohner dürfte es es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, wenn mit Street View eine weitere Ansicht ihrer Nachbarschaft ins Netz gestellt wird. Die hat immerhin den Vorteil, das Kennzeichen und Gesichter automatisch verfremdet werden. Die Kegelklub-Horden aus Wanne-Eickel nehmen bei ihren filmischen Versuchen vom Besuch in einer großen Stadt aber keine Rücksicht auf Anwohner oder Persönlichkeitsrechte, sondern ballern die Machwerke unzensiert rüber zu YouTube. Und wer vor Street View Angst hat, sollte sich einmal mit Sightwalk beschäftigen. Die vier Rentner aus Niederkassel, die sich mit vollem Namen vor ihrem Haus von der Zeitung als Street-View-Gegner ablichten ließen, sind also noch einmal davon gekommen, denn Sightwalk konzentriert sich auf deutsche Metropolen…

Wofür Street View stattdessen gut sein kann
Dabei sind vorallem die Möglichkeiten zur touristischen Nutzung von Street View enorm. Ferienregionen könnten eigene Rundkurse hochladen und so auf Highlights, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten hinweisen. Marathonläufer möchten vor einem Wettbewerb gerne die Strecke erkunden und Radwandertouristen wissen, wie breit der Weg an der Elbe ist…

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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