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Facebook: The storm is over

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Fast, so könnte man meinen, sei Facebook zu einer Art Fetisch für Kommentatoren und Medienschaffende geworden. Was wurde nicht alles geschrieben und kritisiert, als das weltgrößte soziale Netzwerk in den vergangenen Wochen bekannt gab, die Privatsphäreeinstellungen erneut zu modifizieren und mit dem Programm OpenGraph das gesamte Netz zu einer Art Vorfeld deklarieren zu wollen. Doch die Aufregung könnte schneller vorbei sein als gedacht, denn sie führt geradewegs zum Ziel, meint der Medienlotse.

1. Fetisch Zuckerberg
Kaum verwunderlich ist, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf die Medien eine große Faszination ausübt. Wer hätte nicht gerne ebenfalls in jungen Jahren eine Multimilliarden-Dollar-Idee gehabt, die zudem das Zeug hat, die Gesellschaft von Grund auf zu erneuern. Immer wieder wird betont, dass der Harvard-Student von herkömmlichen Vorstellungen über Privatsphäre nichts hält. Manche Berichte rücken Zuckerberg in die Ecke eines Gurus, der nicht – wie von ihm behauptet – mit Facebook den sozialen Wandel nachvollzieht, sondern ihn stattdessen sogar als Motor vorantreibe. Der mediale Druck wird auf den Facebook-Chef noch weiter zunehmen, denn im Sommer erscheint in den USA eine nicht autorisierte Biografie über Zuckeberg, die bereits mit Justin Timberlake verfilmt wird. Auch werden immer wieder Stimmen laut, dass Facebook endlich ernst machen solle und sich der Chef in einem Blogpost an die verunsicherte Gemeinde wendet.
Tendenz: Zuckerberg wird sich vermutlich nicht äußern und den Dreck an sich vorüberschwimmen lassen.

2. Fetisch Privatsphäre
Die Argumente sind wirkmächtig: Kann ein Unternehmen, welches mehr als 170 verschiedene Optionen zur Einstellung der Privatsphäre bietet, es wirklich ernst meinen mit dem Datenschutz? Ist es wirklich nötig, die Datenschutzregeln in knapp 6.000 Wörtern zu erläutern, wohingegen die US-Verfassung nur knapp 4.500 umfasst? Auch gibt es immer wieder schicke Grafiken, die die Erosion der privaten Daten innerhalb des Netzwerkes verdeutlichen. Waren zu Beginn im Jahre 2005 nur eine Handvoll Daten öffentlich, d.h. für das gesamte Internet per Voreinstellungen (Default) zu sehen, sind es jetzt nahezu alle die Person betreffenden Angaben: Name, Wohnort, Hobbies. Nach Presseberichten soll es aber auch innerhalb der Firma bereits Diskussionen um das Konzept der Privatsphäre geben.
Tendenz: Die Regeln werden vereinfacht, die Einstellungsmöglichkeiten gebündelt.

3. Fetisch Internet
Leider ist das Internet für viele Journalisten immer noch ein Raum, den sie weder betreten haben noch betreten wollen. Dann ist es nicht weiter verwunderlich, dass in regelmäßigen Abständen immer mal wieder Traktate herauskommen, wie sie zuletzt der Herausgeber Konstantin Neven DuMont in der Frankfurter Rundschau verfasst hat:

„Dass autoritäre Staaten aufgrund der Digitalisierung prosperierenden Demokratien weichen würden, hat sich noch nicht wirklich bestätigt. Oppositionelle Kräfte können oftmals einfacher überführt werden. Außerdem nutzen die Regierungen dieser Länder das Netz effektiv für ihre eigene Propaganda“

, schreibt er. Ja, auch mit Automobilen können Banküberfälle geplant oder die kranke Oma zum Muttertag besucht werden… Fast ist hier ein wenig Verbitterung herauszuhören, dass das Internet nicht auf die Auguren (Verleger, Medienschaffende) der Offline-Welt hören will, sondern stattdessen nach eigenen Regeln funktioniert.
Tendenz: Die Online-Proteste gegen Facebook haben genau das Maß und die Intensität, die im Umfeld von Zuckerberg zum Umdenken führen. Da es sich hierbei um Kommunikation handelt, ist das Ergebnis noch offen, doch die Diskussion über Datenschutz und Privatsphäre hat bereits viele User sensibilisiert und somit die Medienkompetenz erhöht.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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