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Gelesen 2015

Gute Dinge sollte man auf jeden Fall fortführen. Im vergangenen Jahr starte ich – inspiriert von Blogger und Autor Maximilian Buddenbohm – einen sich permanent aktualisierenden Artikel, der sich mit den von mir gelesenen Büchern beschäftigt. Einerseits, um LeserInnen des Blogs vielleicht die eine oder andere Anregung zu bieten; andererseits, um die eigene Lektüre noch einmal zu reflektieren und den Weg der eigenen Interessen nachzuzeichnen. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die ÜbersetzerInnen. Ohne sie wäre mancher Lesegenuss nämlich gar keiner…

Zwölf Stühle – Ilfa Ilf, Jewgeni Petrow (Übersetzung)

Ostap Bender muss man einfach mögen. Der Tunichtgut und Scharlatan zieht durch die weiten Russlands und führt als Münchhausen des 21. Jahrhundert seine Mitmenschen an der Nase herum. Das ist aber niemals reiner Selbstzweck, sondern purer Überlebensinstinkt. Schließlich wird wie in „Das goldene Kalb oder die Jagd nach der Million“ begehrenswerten Objekten nachgejagt. Einer von zwölf in alle Himmelsrichtungen zerstreuten Stühle birgt einen verlockenden Juwelenschatz unter seinem Futter. Der von Ilf/Petrow so unnachahmlich skizzierte Bender sprüht geradezu vor Energie und ist sich für keine Schelmerei zu schade, etwas wenn er in einem Wolgastädtchen den lokalen Schachclub um einige Rubel erleichtert, indem er sich als Schachgroßmeister ausgibt und den Mitgliedern die Version eines Turniers beschreibt, die in ihrem Umfang frappierend an Olympia und Fußballweltmeisterschaften erinnert. Auch wenn er es also faustdick hinter den Ohren hat, ich habe das Schlitzohr einfach gern; nicht zuletzt wegen solcher Sätze: „Ostap flog die silberne Straße dahin und stieß sich leicht wie ein Engel von der sündhaften Erde ab.“

Apex (The Nexus Trilogy Book 3) – Ramez Naam (Original)

Wer Teil 1 und 2 mochte, wird auch am Ende der Nexus-Saga voll auf seine Kosten kommen. Naam drückt weiter aufs Tempo und kurze, actiongeladene Kapitel wechseln stetig die Perspektive zwischen den Protagonisten. Da bleiben ganz am Ende Ermüdungserscheinungen nicht aus, aber „Apex“ überzeugt letztlich durch eine detailreiche Beschreibung der Zukunft, auf die unsere Gesellschaft gerade zusteuert: “All that’s required for evil to triumph is that good men do nothing,” heißt es beispielsweise. Mich würde es nicht wundern, wenn Nexus bald als monumentale TV-Serie für Begeisterung rund um den Globus sorgen wird. Am Ende belohnt Naam die Leser noch mit seinen wissenschaftlichen Anmerkungen. Auch wenn er selbst nicht daran glaubt, dass sich bis 2040 Gehirne in großen Zahl zusammenschalten oder synchronisieren lassen, gibt es bereits Forscher, die emsig an der Umsetzung arbeiten. „Nexus“ hat mir so über die reine spannend Lektüre hinaus ein spannendes wissenschaftliches Feld ausgebreitet, welches ich weiter aufmerksam beobachten werde.

 

The Book of Strange New Things – Michael Faber (Original) 

Der Geistliche Peter begibt sich auf die Reise seines Lebens und fliegt auf einen fernen, bewohnten Planeten, um den Einheimischen das Wort der Bibel näher zu bringen. Zwar lässt Faber das Tempo meist nur dahinplätschern, doch das eigentliche Thema verdichtet sich in dem Satz: „Lange her und weit weg – vielleicht ist das doch ein- und dasselbe“. Während Peter in der fremden Welt in seiner Rolle als Missionar aufgeht, wird die seiner zurückgelassenen und mittlerweile schwangeren Frau Bea erst durch Tragödien auf fernen Kontinenten, dann durch Katastrophen vor der eigenen Haustür, immer feindlicher. Dem Autor gelingt es, den schleichenden Prozess einer sich durch Distanz und unterschiedliche Erfahrungen rapide veränderten Liebe zusammen mit der Frage, was eigentlich Menschsein ausmacht, zu verhandeln.

 

Purity – Jonathan Franzen (Original)

Franzen ist ein meisterhafter Geschichtenerzähler, auch wenn ihm bei „Purity“ am Ende ein wenig die Puste ausgeht und er sich in seinem Mantra, das Internet der bösen Seite der Macht zuzuordnen, zu sehr ergibt. Dabei sind Geheimnisse das eigentliche Thema des Romans. Da wäre etwa Purity, die einen verheirateten Mann liebt. Oder ihre Mutter, die den Namen ihres Vaters um keinen Preis der Welt nennen möchte. Oder der Whistleblower Andreas, der in der DDR aufwächst und es sich als Funktionärssohn im kirchlichen Umfeld gemütlich macht, ehe der Mauerfall auch seine Welt ins Wanken bringt. Sprachlich elegant wie eh und je verliert Franzen in seiner komplexen Handlung niemals den Faden und spielt gekonnt mit den verschiedenen Zeitebenen und Personen. Auch wenn ich persönlich seinen Aphorismus „Das Internet bedeutet Tod“ nicht teile, habe ich die Lektüre als herausragenden Beitrag zur aktuellen Technik- und Gesellschaftsdebatte empfunden.

 

Schloß Gripsholm – Gesammelte Werke Kurt Tucholsky (Original)

Auch wenn der Sommer zeitweise ordentlich verregnet war, „Schloß Gripsholm“ ist genau die richtige Lektüre für die warme Jahreszeit. Tucholsky ist ein wunderbarer Erzähler, wenn es etwa heißt: „Die langen Stunden, in denen nichts geschah; nur der Wind fächelte über meinen Körper – die Sonne beschien mich … Die langen Stunden, in denen der verschleierte Blick ins Wasser sah, die Blätter zischelten, und der See plitschte ans Ufer; leere Stunden, in denen sich Energie, Verstand, Kraft und Gesundheit aus dem Reservoir des Nichts, aus jenem geheimnisvollen Lager ergänzten, das eines Tages leer sein wird. »Ja«, wird dann der Lagermeister sagen, »nun haben wir gar nichts mehr…« Und dann werde ich mich wohl hinlegen müssen.“ Gerade, da diese Welt in unserer modernen Zeit untergegangen zu sein scheint, lohnt die Lektüre von der Sommerreise eines Liebespaares (?) hinauf nach Schweden immer wieder.

 

Crux – Ramez Naam (Original)

Normalerweise bin ich kein Fan von Trilogien, aber dieser zweite Teil der „Nexus“-Saga von Ramez Naam ist völlig anders als sonstige Lückenfüller. Wieder geht es mit Kade, dem Co-Autor der bewusstseinserweiternden Cerebral-Droge Nexus, der es Usern ermöglicht, in die Gedanken der anderen einzutauchen, in wilder Hatz um die halbe Welt. In kurzen, immer wieder äußerst actiongeladenen Kapiteln schneidet der Autor seine Zukunftsvision aus dem Jahr 2040 mit unserer Gegenwart zusammen. Nexus könnte demnach auch ein Synonym für unser heutiges Internet sein: umkämpft, missbraucht, erhellend, begeisternd. Die Trilogie streift dabei auch immer wieder technologisch-philosophische Fragestellungen, wenn es etwa um Transhumanoide geht, die den 1.0-Menschen schon sehr bald entweder gütig oder bösartig gegenüberstehen könnten. Ganz ohne Zweifel verortet Naam die Lösung auf diese und andere Fragen in Asien – einem Ort, der der Zukunft zugewandt ist und nicht wie das alte Europa die Vergangenheit anbetet.

 

Auerhaus – Bov Berg (Original)

Von der Kritik hochgelobt („wie ein gutes Musikstück“), erzielte der Roman mit fortschreitender Lektüre bei mir  immer mehr Dissonanzen. Das mag einerseits daran liegen, dass ich eigentlich nur Generationenporträts mag, die exakt meiner eigenen Biographie entsprechen und andererseits, dass mir der Erzähler, der sich selbst als „Hühnerknecht Höppner“ betitelt, arg schluffig vorkommt. Ewig hängt er am Rockzipfel des depressiven Frieder, der sich vergeblich umzubringen versuchte oder lässt sich von der unabhängigen Vera an der Nase herumführen. Die Zeit der Schüler-WG bleibt leider auch nur sehr skizzenhaft und vermutlich verfügte der Autor neben den Zettelnachrichten aus dem Auerhaus, die Höppner auf seiner Flucht vor der Bundeswehr nach Berlin (gähn) irgendwann zwischen den Umzugskisten findet, nur noch über wenige Erinnerungen an eine einst als glorreich verklärte Zeit. So mäandert das Buch letztlich zwischen Regieanweisungen (er sagt, sie sagt) und zusammenhanglosen, kaum ausgeleuchteten Charakteren und Episoden.

 

CANTONA: When the Seagull Flew – John Ludden (Original)

Manchmal braucht es auch in meiner Leseliste Bücher, die keinem besonderen Anspruch frönen – außer vielleicht zu unterhalten oder zu amüsieren. Genau das ist hier der Fall, denn Autor John Ludden vermischt gekonnt Fakten und Fiktion. Bei seiner Zeitreise ins Jahr 1995 und darüber hinaus dreht sich alles um Manchester United und seinen wichtigsten Spieler, Eric Cantona, den Coach Alex Ferguson als wichtigsten und letzten Baustein auf das Ende der Jagd nach 26 titellosen Jahren beschreibt. Dreh-und Angelpunkt der Erzählung ist der Ausraster des Franzosen bei einem Auswärtsspiel in London, als er einen rassistischen Pöbler mit einem Kung-Fu-Kick niederstreckte. Als Schüler und Anhänger des „Königs aus Marseille“ verfolgte ich die folgenden Geschehnisse – Sperre, Gerichtsverhandlung, Gefängnisstrafe, Abwanderungsgedanken – über Monate gebannt. Ganz ähnlich erging es mir noch mal bei der Lektüre – wobei der Trip in die Vergangenheit wohl nur für MUFC- und Cantona-Fans wohl so richtig wohlig werden dürfte.

 

Drohnenland – Tom Hillenbrand (Original)

Eigentlich lese ich ja keine Krimis und bei der Positionierung dieses Buches durch den Verlag ist so einiges schief gelaufen. Erst als ich auf Twitter erfuhr, das Hillenbrand seine Story in der (nahen?) Zukunft angesiedelt hat, in der selbstfahrende Autos, intelligente Fahnungscomputer und Drohnen die Szenerie beherrschen, war mein Interesse geweckt. Kommissar Aart Westerhuizen muss den Mord an einen EU-Parlamentarier aufklären und darf sich dabei modernster Fahndungsmethoden bedienen – so steigt er beispielsweise durch neuronale Manipulation in den Mirrorspace, und kann dank der vielfältig vorhandenen Daten live aber, unsichtbar Observierungen durchführen. Anders als bei „The Circle“ ist die Technik hier nicht alldurchdringend, sondern bleibt größtenteils den Sicherheitsbehörden vorenthalten, währen der Rest sich mit Medienfolien und billigen Specs (Glasses) aus Asien herumschlagen muss. Deshalb und auch wegen der oftmals testosterongesteuerten Erzählweise (natürlich schleppt der Beamte seine Assistentin am Ende im 007-Style an den Strand) gelingt Hillenbrand zwar ein unterhaltsamer Kriminalroman mit faszinierenden technologischen Einschüben, aber leider nicht (noch) mehr.

Fette Ernte – Ross Thomas (Übersetzung)

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch gekommen bin. Uh, Kapitalismuskritik aus den vorherigen Jahrzehnten – da könnte man vielleicht was lernen. Eigentlich soll es um Lebensmittelspekulation gehen, aber das was Vielschreiber Thomas dort erzählt, ist ein wahrer Klacks zur Gegenwart: Die Mafia unterwandert das Landwirtschaftsministerium, um mit geheimen Daten (auf Papier!) den Weizenkurs zu manipulieren. Während der Beginn noch recht spannend (Morde! Verschwörungen!) ist, plätschert die Handlung in der Folge nur noch dahin und reißt auch sprachlich (Übersetzung von Jochen Stremmel) überhaupt nicht mehr vom Hocker.

 

Sycamore Row – John Grisham (Original)

Ja, alle paar Monate feieren die 90er ein fröhliches Revival, wenn ich wieder ein Werk von John Grisham rezensiere. Diesmal führt uns der Meister des Justiz-Thrillers in den tiefen Süden zurück zu Anwalt Jake Brigance (bekannt aus „Time to kill“), der sich diesmal mit einem komplizierten Testament und den allseits bekannten Rassenressentiments auseinandersetzen darf. Das alles ist wieder grundsolide geschrieben, ohne jedoch die große Spannung wie noch vor 20 Jahren zu erzeugen. Was mir jedoch immer wieder bei Grisham gefällt: Der Autor stellt sich nicht schlauer als seine Leser, man ist permanent auf Augenhöhe und mitten im Geschehen.

 

Wassermusik – T.C. Boyle (Übersetzung)

Manchmal bin ich ja auch ein wenig dämlich, merkte ich doch erst nach knapp zwei Dritteln der Lektüre, dass Mungo Park, versessen darauf, den Verlauf des Nigers zu erkunden, keine geniale Erfindung von Boyle, sondern eine historische Figur ist. Bis dahin vergnügte ich mich an der launigen Übersetzung von Dirk van Gunsteren, die den Entdecker ein wenig clownhaft durch die Geschichte – die übrigens nicht mit Reminiszenzen an die griechische Mythologie geizt – stolpern ließ. Während Mungo sich nach der ersten erfolgreichen Expedition zum Star (und Bessesenen) wandelt, fesselt Boyle mit der Geschichte von Stehaufmännchen Ned Rise, der es vom Londoner Hafenschlamm an den Galgen und schließlich zusammen mit Park nach Afrika schafft. Insgesamt ein oftmals sehr launiger Lesegenuss, nur das zu häufig und holzschnittartig auftretende Titelmotiv stört da noch ein wenig.

 

The Interestings – Meg Wolitzer (Original)

Gemeinhin tue ich mich immer etwas schwer mit Porträts von Menschen, die fernab meiner Generation oder Lebenssituation agieren. Fünf junge Menschen lernen sich Ende der 60er in einem Sommercamp kennen und durchschreiten – nachdem sie sich selbstironisch „Die Interessanten“ getauft haben, gemeinsam die kommenden Jahrzehnte. Das mag schon reichlich konstruiert klingen, zudem werden die privilegierte Ash und der talentierte Comiczeichner Ethan ein Paar. Heimliche Heldin der Autorin ist jedoch Ahs’s beste Freundin Jules, die über das Camp in die spannende New Yorker Welt hineinkommt. Wolitzer schafft es jedoch abseits dieser Fokussierungen und Hilfskonstruktionen, ein kenntnisreiches und mitunter auch spannendes Bild vom Älterwerden, mitgeschleppten Geheimnissen und nötigen Kompromissen zu zeichnen.

 

The Son – Philipp Meyer (Original)

Wer einen klassischen Westernroman erwartet dürfte nach der Lektüre enttäuscht sein. Zwar schildert Meyer beispielsweise einen Indianerangriff derart drastisch und plastisch, dass ich mich sofort an die gruselig-spannenden Stellen der Hörspielkassetten (bsp. die Menschenfresser bei 80 Tage um die Welt) erinnerte, die ich als Kind gehört habe. Aber der Roman ist vielmehr eine Familiengeschichte: Eli, furchtloser Draufgänger und Lebenskünstler wird zum Colonel; sein Sohn Peter hadert mit der martialischen Texas-Kultur und findet keinen Zugang zu Tochter Jeannie, die schließlich das über Generationen aufgebaute Vieh- und Ölimperium verwalten darf. Insofern folgt Meyer hier der klassischen Generationenfolge (Aufbau – Stagnation – Verlust), wie sie bsp. von den Buddenbohms bekannt ist. Lange habe ich mich jedoch gefragt, was der Titel mit der Handlung zu tun hat – das ist jedoch genau der Clou der Handlung…

 

Aberland – Getraud Klemm (Original)

Abseits aller Diskussionen um die Frauenquote, wirft dieses famose Büchlein von Getraut Klemm einen erschreckend realen und bisweilen mit extrem schwarzen Humor gepaarten Blick in den Maschinenraum der Reproduktion und zeigt, an welchen Stellen sich Frauen falsch entscheiden: Franziska, 35, ist mit der Erziehung des kleinen Manuels schon gehörig herausgefordert und will eigentlich dringend ihre Dissertation zu Ende schreiben, lässt sich aber dennoch von ihrem in Haushaltsdingen arg unbedarften Ehemann zu einem zweiten Kind überreden. Ihre Mutter Elisabeth, 58, langweilt sich mittlerweile in ihrem gutbürgerlichen Leben und tagtäumt von Affären, Abenteuern und Scheidung, nachdem sie jahrelang am Herd gestanden und ihrem Mann unzählige Affären verziehen hat. Über das Lesen hinaus hat „Aberland“ das Potenzial, zum Gesprächsstoff in vielen Beziehungen zu werden: Wie lange wollen wir eigentlich noch das klassische Rollenmodell fahren?

 

Russische Reise – John Steinbeck (Übersetzung)

Reiseberichte, die mit „Wir“ beginnen, sind schon per se sehr unterhaltsam. Der Pulitzer-Preisträger macht sich zusammen mit Fotograf Robert Capa im Auftrag der Herald Tribune 1947 auf den Weg in die Sowjetunion. Das ungleiche Paar will das Leben der einfachen Bürger ergründen und zeichnen in ihren ersten Zeilen ein derart kritisches Medien- und Nachrichtenbild, dass es auch aus unserer Zeit stammen könnte. Von Moskau werden zwei längere Reisen in die Ukraine und nach Georgien unternommen. Während erstere von den Kriegsfolgen und -verbrechen der Deutschen immer noch gezeichnet ist, blieb Georgien davon verschont. Steinbeck führt die Leser im hohen Tempo durch die „Russische Reise“ – und kommt dabei leider aus dem Takt. An der Übersetzung von Susanne Urban liegt es mit Sicherheit nicht, doch wirken die vielen Eindrücke von Kolchosen-, Fabrik- und Ballettbesuchen am Ende nur noch aneinandergereiht. Stark ist das Buch jedoch dann, wenn es die Friedensliebe und Zukunftshoffnung der Sowjetbürger zeichnet.  Auch heute wieder eine äußerst aktuelle Frage, wie ich meine.

 

Anna Karenina – Leo Tolstoi (Übersetzung)
Irgendwie haben es mir die Ehebrecherinnen aus dem 19. Jahrhundert angetan – erst Madame Bovary, nun Anna Karenina (da fehlt eigentlich nur noch Effi Briest). Wie gut, dass Tolstoi neben der Hauptfigur – die ihren deutlich älteren und pflichtbewussten, aber langweiligen Ehemann für den Sunnyboy Graf Wronski verlässt – viele weitere Figuren in sein von Rosemarie Tietze hervorragend übersetzen Klassiker einbaut. So wie Anna ihre Existenz und Familie zerstört, baut Kostja Lewin – ein leicht täppischer und romantischer Grundbesitzer – ebensolche auf: übrigens mit Kitty, der Wronski vorher den Kopf verdreht hatte… Tolstoi/Tietze sind Meister darin, die Handlung wie zu einem Sog werden zu lassen, sodass der Leser gleichsam in die verschiedenen Personen hineintaucht. Ebenfalls besonders gelungen sind die Naturbeschreibungen, die – nach meinen bisherigen Leseerfahrungen – ihresgleichen suchen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Von John Steinbeck ist auch noch „Die Straße der Ölsardinen“ (am besten im englischen Original „Cannery Row“) sehr zu empfehlen. Der Roman spielt in der nordkalifornischen Küstenstadt Monterey und beschreibt sehr wortgewaltig, einfühlsam aber auch pointiert das Leben seiner 3 Protagonisten in den 1920er und 1930er Jahren.

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    • Vielen Dank für die Anregung. In Monterey habe ich tatsächlich schon mal ein paar Stunden verbracht.

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