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Braucht’s eigentlich Projektleiter?

Es passt sich geradezu hervorragend, dass ich gerade einen Job als Projektleiter beende und das „ProjektMagazin“ zum Jahresausklang unter dem Titel „Projektleiter 2030 – längst abgeschafft oder Schaltzentrale der digitalen (Projekt-)Welt?“ zu einer spannenden Blogparade aufruft. Der Medienlotse teilt seine Sicht auf die Zukunft der Projektarbeit.

Der klassische Weg
Egal ob in Agenturen, Konzernen oder Behörden: ProjektleiterInnen sind der Dreh- und Angelpunkt für finanziell, organisatorisch oder kreativ aufwändige, lang angelegte Vorhaben mit großer Strahlkraft nach innen und außen. Oftmals verkommt ihre tägliche Arbeit aber zu einem nervenaufreibenden Troubleshooting (Die Website klemmt! Der Eventtruck steckt im Stau! Und wann wird die Facebook-Datenanalyse fertig?) und die Beteiligten werden – vor allem von Führungskräften alten Schlags – als „Mädchen für alles“ benutzt oder von den KollegInnen – je nach Standing – als mehr oder minder armes Borstentier bemitleidet.

Wo es derzeit hakt
Bei der Digitalisierung leben viele von der Hand im Mund. Ist der Projektleiter beispielsweise extern eingekauft, bringt er oder sie eigene Mittel (Hardware, Software, Lizenzen) mit, die – je nach Gusto der Rechtsabteilung oder Skills der IT-Kollegen – auch eingesetzt werden können. Wenn diese technische Aufrüstung aber beim Projektgeber keine Entsprechung in Zusammenarbeit, Führung und Struktur findet, verpuffen die durch neue Tools, Kollaborationen und agiles Denken gewonnenen Effizienzsteigerungen wieder innerhalb kürzester Zeit. Das führt auf beiden Seiten schnell zu Frustrationen und kann potenziell die erfolgreiche Realisierung des Projektes gefährden, wenn beispielsweise ein Wechsel auf der Projektleiter-Position erforderlich wird. Die Auftraggeber lernen dadurch: Nix. Und die Digitalisierung findet anderswo statt.

Wie es 2030 sein müsste
Als selbständiger Digitalberater werde ich immer wieder gebeten, meine Arbeit in bestehenden Strukturen auszuführen. In den kommenden 13 Jahren lernen immer mehr Firmen und Auftraggeber, externe Ressourcen zeitweise in ihrer Organisation aufzunehmen und völlig selbstverständlich beste Arbeitsbedingungen (IT-Onboarding, Teilen von wichtigen Dokumenten, Transparenz im Projektalltag) vorzuhalten, um bestmögliche Arbeitsergebnisse zu erzielen. Zwar können Unternehmen und Behörden dafür auch auf intern ausgebildete Kräfte setzen, deren Skills durch die stetig verändernden Anforderungen der gesellschaftlich relevanten Stakeholder aber potenziell schnell entwertet werden können. Zusätzlich müssen ProjektleiterInnen in die Lage versetzt werden, auf eine Art von Business Forecast/Intelligence zurückgreifen zu können, um zusätzliche Ressourcen zu identifizieren oder ebenso frühzeitig mögliche Herausforderungen zu erkennen.

Projekte leiten + Digitalisierung: Der Winner?
Damit sich dieses Szenario auch nur ansatzweise realisieren lässt, muss ein nahezu kompletter Wandel in der Führungskultur vollzogen werden. Projektleiter könnten so in Zukunft auf interne und externe Auftraggeber treffen, die ihnen (smart) alle nötigen Ressourcen für die Realisierung zur Verfügung stellen und den nötigen Input des Umfeldes „übersetzen“. Erst dann können ProjektleiterInnen zum Dreh- und Angelpunkt werden, neue digitale Trends erfassen, bewerten und – die richtige Unterstützung und Führung vorausgesetzt – die Digitalisierung in Kundenunternehmen vorantreiben. Dafür müssen sie selbst stets auf der technischen Höhe sein und über digitale Entwicklungen kompetent Auskunft geben können. Derzeit beschränken sich beispielsweise Konzernlenker (und einige Journalisten) – aufgeschreckt durch den sich rasant entwickelnden Bitcoin-Kurs – noch darauf, über Cybermünzen und digitales Geld „ohne Gegenwert!!!!“ zu schimpfen, während andere schon heute ihre Blockchain-Prototypen testen und morgen die Chance haben, damit wahlweise Kosten zu sparen oder völlig neue Geschäftsmodelle zu realisieren.

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