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Wenig „Multimedia“ beim Transfermarkt-Special zu Hannover 96

Eins vorweg: Ich freue mich, dass eine im Fußballnetz bekannte und oft zitierte Seite wie transfermarkt.de sich im allerersten „Multimedia-Special“ mit Hannover 96 und nicht mit den üblichen Verdächtigen aus Champions League und dem vorderen Drittel der 1. Liga befasst. Zudem hat Autor Thomas Deterding mit den Saisons 96/97 und 97/98 genau jene herausgegriffen, die auch zu den intensivsten meiner Karriere als Fan von Hannover 96 gehören. Leider ist das Special alles andere als multimedial und somit technisch wenig überzeugend.

Der Aufbau
In insgesamt acht Kapiteln erzählt der Autor die im nachhinein immer unglaublicher wirkende Geschichte von Hannover 96 nach dem Abstieg aus der 2. Liga – kurz nach dem 100. Jubiläum des Vereins. Lange Textstellen wechseln sich mit gut klickbaren Galerien, Audio-Files und Videos ab, viele Spieler der damaligen Zeit kommen zu Wort und schildern ihre Sicht auf die Geschehnisse. So beschreibt Gerald Asamoah, der neben Otto Addo beim Relegationsspiel in Cottbus vom Publikum beschimpft wurde, wie er als 18-jähriger in dieser Partie das erste Mal mit der geifernden Fratze des Rassismus konfrontiert wurde. An mehreren Stellen pro Kapitel ist zudem Torwarttrainer und 96-Legende Jörg Sievers manchmal nur zu hören, oft genug aber auch zu sehen. „Colt“ plaudert dann aus der Sicht des schon alten Recken über kuriose Spiele wie das 3:4 gegen Arminia Hannover oder wie er im Rückspiel gegen TeBe Berlin erneut zum Elfmeter-Held wurde. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es zudem Verweise auf das Angebot von tm.de, beispielsweise den Daten zu den erwähnten Spielen und Spielern.

Die Technik
Anders als andere Multimedia-Specials wurde dieses im hauseigenen Transfermarkt-CMS umgesetzt. Langjährige User der Seite müssen sich also nicht gleich umgewöhnen, um vom der Rückkehr Hannover 96 in den Profifußball zu lesen. Allerdings entsteht durch die langen Textpassagen nicht wirklich der Eindruck, sich multimedial mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Auch gibt es keinerlei Elemente, die das geschriebene Wort emotionalisieren – genau das sollte ein selbstbetiteltes Multimedia-Special jedoch leisten.

Das Zwischenfazit (als Fan)
Auch wenn ich damals als Redakteur beim Fanzine Notbremse (Wer Lust auf eine Online-Neuauflage hat, meldet sich auf Twitter bei @jancrode oder hier in den Kommentaren) bei vielen Spielen live selbst mit dabei war, überrascht das Multimedia-Special an der einen oder anderen Stelle – etwa durch lange nicht mehr gesehene Fotos oder überraschenden Zitate der ehemaligen Spieler. Auch schafft es der Autor, die Kapitel nicht zusammenhanglos nebeneinander zu stellen, sondern eine eigene Geschichte zu erklären. In der Rückschau wirkt die Leistung von 96, direkt nach dem Abstieg eine schlagkräftige und begeisternde Truppe zusammenzustellen, die nach dem Eklat von Cottbus umso stärker zurückkommt und in nicht minder spannenden weiteren Playoff-Spielen schließlich den Aufstieg in die 2. Liga schafft, noch größer als damals.

Das Fazit (als Digitalberater)
Um es auf den Punkt zu bringen: Technisch kann das Special nur Standards, so wie dieses Blog auch. Daran ist kaum etwas multimedial. Bis auf die Interviews und die Recherche wurde hier kaum etwas neu produziert, die Bebilderung vermutlich aus dem alten Stadion-Kurier extrahiert und ein wenig nachbearbeitet. Überraschende Elemente (bsp. Fangesangs-Karaoke oder ein Quiz) fehlen leider völlig, im Zweifel wird zu den Inhalten von Transfermarkt verlinkt. Es gilt jedoch noch eine zweite Ebene zu betrachten: Die multimediale Quellenlage ist äußerst dünn. Vor 20 Jahren gab es zwar schon Internet, aber die Welt war noch nicht bereit für digitale Inhalte. Auch sind viele der Webseiten, die Fangesänge und Bilder vorhielten, mittlerweile verschwunden.
Auch deshalb mussten Teile des Contents fürs Special neu produziert werden – als Fan hätte ich mir hier eben noch deutlich mehr gewünscht. Und auf Dauer wirkt es leider auch ein wenig langweilig, immer nur Jörg Sievers und Martin Kind sprechen zu sehen. Hier hätte das Multimedia-Special dringend noch mehr Abwechslung schaffen müssen – beispielsweise durch GIFs (Klicken zum Aktivieren) statt Links zu YouTube.

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