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Wie Digital und Print „best of both worlds“ verwirklichen können

Der Medienlotse auf dem „Social Heroes“- Panel beim 2. Media Pubcrawl (Foto: @svenwiesner)

Eigentlich interessiert mich die Zukunft des Journalismus überhaupt nicht. Das mag verwundern, denn einen Großteil meines Einkommens erziele ich mit Schreiben – ob nun als Blogger, Redakteur oder Verfasser von eher PR-lastigen Artikeln. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mein persönliches Waterloo schon vor ein paar Jahren erlebte – mein Arbeitsvertrag war das Papier nicht wert, auf dem er stand und der GF (den ich unter Androhung von 8.000€ Strafe hier niemals mehr beim Namen nennen darf) zog es vor uns mit Lügen und Tricksereien hinzuhalten. Ganz ähnliche Erfahrungen machen nun auch Journalisten: erst bei der Deister-Leine-Zeitung, dann bei der FTD und wohlmöglich schon bald auch beim Hamburger Abendblatt.

Aber während viele Journalisten rumjammern und die böse neue Welt des Internets geißeln, habe ich mit „Der Medienlotse“ meine eigene Marke geschaffen und bin seit 2011 als Freelancer erfolgreich, der seinen Kunden neue Medienformarte erklärt und mit ihnen Kampagnen zu Image, Content und Marketing umsetzt. Das durfte ich in der vergangenen Woche auf dem 2. Media Pubcrawl von Hamburg@work e.V. erzählen, wo ich gemeinsam mit Anwältin Nina Diercks und Fotograf Steffen „Stilpirat“ Böttcher zum Thema „Social Heroes“ auf dem Panel saß. Bei der Veranstaltung ging es zuvor aber auch um das Miteinander von alten und neuen Medien, die sich in Person von Harald Ehren – Print-Veteran und nun Chefredakteur der PR-Agentur fischerappelt – und Christoph Krachten – Mediakraft-Mastermind und als Clixoom erfolgreich auf You Tube – die Köpfe heißredeten.

Trotz der inhaltlichen Differenzen und der unbändigen Lust der beiden ehemaligen Journalisten, sich so richtig am Kessel zu flicken – so weit auseinander liegen die Pole Journalismus und neue Medien eigentlich gar. Nur, die Geister die man einst rief, wird man jetzt schwer wieder los. In den Redaktionen wurden schon vor Jahren Lektorat und Rechercheabteilung aufgrund des Kostendrucks wegrationalisiert. Wer nun wie Ehren jedoch den Bloggern vorwirft, eine Meldung ohne Faktencheck „einfach so raus zu hauen“ macht sich lächerlich. Gerade Online-Angebote von Zeitungen strotzen nur so vor Fehlern und auch einige Printausgaben sind nicht viel besser. Natürlich lassen sich anti-digitale Schlagzeilen bei den angstliebenden und technophoben Deutschen bestens verkaufen, aber eigentlich sitzen alle Medienschaffenden doch in einem Boot (Über wen sollten wir berichten, wenn nicht über uns selbst ?!?)

Warum also können Journalismus und die digitale Welt nicht in Einklang miteinander leben? Nun, dafür müsste zunächst der Printjournalismus seine elitär-hochnäsige Haltung ablegen und sich mit den neuen Möglichkeiten ernsthaft auseinandersetzen. Und wir Digitalos müssen einfach mal die Füße still halten und nicht im Chor nachäffen, was andere Experten bloggen und twittern. Das sonst auch nicht sonderlich progressive Sportbusiness macht vor, wie Content im 21. Jahrhundert zu den Menschen gebracht wird: Bei Bayern München zeichnet gleich ein Team von drei Personen für die Veröffentlichung von Posts verantwortlich. So nimmt der Pressesprecher vom Rekordmeister ein Bild am Flughafen auf, was dann vom Digitalexperten gecheckt und für die Plattformen aufbereitet wird, ehe es durch das Communitymanagement verteilt wird.

Es wäre wünschenswert, wenn Print und Digital schon bald „best of both worlds“ repräsentieren und sich nicht mehr bis aufs Blut bekämpfen. Krachten und Ehren schlugen dafür in der Diskussion einen neuen Codex für die Veröffentlichungskultur vor. Jetzt gilt es auch, den Worten Taten folgen zu lassen. In diesem Sinne hofft Der Medienlotse auf euer Interesse an der Mitarbeit am neuen Codex. Einfach hier im Blog melden oder auf Twitter mitdiskutieren!

 

Weitere Berichte zum 2. Media Pubcrawl bei @hasenfarm auf netzkombyse.de

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