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Social Sport

Sport zählt mit zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, Fußball ist klar die Nr. 1 in Deutschland. Für den Social Media Club Hamburg (SMCHH) lag also nichts näher, als sich diesem hochinteressanten Themenkomplex mit einer eigenen Veranstaltung zu nähern. Am letzten Märztag trafen sich rund 60 Interessierte in den neuen Räumlichkeiten der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) am Gertrudenkirchhof, um über das Thema zu diskutieren. Der Medienlotse führte als Moderator durch den Abend und fasst die wichtigsten Inhalte zusammen.

Fußball-WM 2010 und Social Media
Eröffnet wurde der Vortragsreigen von Prof. Dr. Thomas Horky (MHMK), der noch einmal auf die Fußball-WM 2010 zurückblickte und an mehreren Beispielen verdeutlichte, welchen Einfluss die sozialen Netzwerke auf die Berichterstattung hatten. So hatten sich vor allem internationale Zeitungen an neue Formate gewagt, die einen Mix aus herkömmlicher und neuer Berichterstattung darstellten. Auf Twitter explodierte geradezu die Nutzung. Waren es vor der WM 750 Tweets pro Sekunde, schnellte dieser Wert schon in der Vorrunde auf knapp 3.000 hoch. Anders hingegen sah es bei den Mannschaften aus: Den Spielern aus Deutschland, England, Brasilien, Spanien und Mexiko war es beispielsweise verboten, den Kurznachrichtendienst zu nutzen. Interessanterweise unterliefen die Verbände teilweise aber ihre eigene „Regulationswut“, in dem sie ihre Accounts mit exklusivem Content (Trainingsbilder etc.) füllten. Dennoch scheinen viele große Sportplayer noch nicht verstanden zu haben, dass sich die sozialen Medien insbesondere durch die Möglichkeit auszeichnen, auf Augenhöhe Kontakt aufzunehmen. Zwar ließ FIFA-Boss Sepp Blatter während der WM fleißig twittern, Journalistenanfragen wurden aber mißachtet. Bei Facebook hingegen dominierten die diversen Fanseiten, die während der WM Unterstützung signalisierten. Dennoch entstanden teilweise in Echtzeit auch Hass-Seiten gegen Schiedsrichter oder Spieler, was Horky als „Kanalisation der Stammtischthemen der Erregungsgesellschaft durch Facebook“ bezeichnet.

Wem gehört der Sport?
Autor und Journalist René Martens näherte sich der Thematik aus der Position des Berichterstatters. Bei internationalen Sportgroßveranstaltungen wie der WM oder Olympia gibt es sowohl für die Athleten, als auch für die Presse klare Regeln hinsichtlich der Social Media-Nutzung. Das treibt mitunter skurrile Blüten. Im US-Sport werden beispielsweise schon College-Athleten aufgefordert, ihre Twitter-Accounts zu löschen, um in den Genuss eines Sportstipendiums zu kommen, ungeachtet dessen, ob es sich um eine staatliche oder private Hochschule handelt. Dies führte zu der interessanten Frage, warum Vereine und Verbände Social Media derart hart regulieren. Martens ist der Auffassung, dass die Rechteinhaber darüber vor allem versuchen, unliebsame Konkurrenz (Presse, Medien) vom „Spielfeld zu verdrängen“. Schon seit einigen Jahren ist im Sport die Tendenz zu beobachten, dass die „großen Player“ Einfluss auf die Produktion der TV-Bilder nehmen. Zum Schluss trat noch einmal der Nutzen von Twitter klar hervor. Journalisten können den Dienst zur Recherche oder zur Mitteilung für Skurrilitäten im Stadion nutzen, die in keinen Spielbericht oder Ticker passen. Es wird spannend sein zu beobachten, welchen Einfluss Twitter auf die Berichterstattung bei den Olympischen Spielen 2012 in London haben wird. Die Nachrichtenagenturen stellen sich schon jetzt darauf ein, mit dem Nachrichtendienst eine beinharte Echtzeit-Konkurrenz zu haben.

HSV in Social Media
Wer von HSV-Marketingleiter Stefan Wagner eine Hochglanzpräsentation erwartete, wurde enttäuscht. Das war andererseits auch richtig gut, denn so wurden dem SMCHH echte Insights aus dem Social Media-Maschinenraum des dienstältesten Bundesligisten geboten. Der HSV ist seit Ende 2009 im Netz aktiv, zur Zeit kümmert sich Wagner zusammen mit einem Kollegen um Facebook, Pressesprecher Jörn Wolf teilweise um Twitter. „Natürlich hatten wir vor Beginn die Urangst Kontrollverlust“, so Wagner. Davon ist aber im aktuellen Angebot des HSV nicht mehr viel zu spüren. Durch exklusive Prewies auf Autogrammkarten, Blicke hinter die Kulissen, aber auch Gewinnspiele schafft es der Club, tatsächlich auf Augenhöhe mit seinen Anhängern zu kommunizieren. „Unser Ziel ist es, was anderes, was näheres, etwas was nur wir zeigen können, zu bieten“, umschrieb Wagner den Anspruch des Social Media-Teams beim HSV. Dabei bleiben Rückschläge allerdings nicht aus – so entwickelte sich die geplante Video-Online-Fanarena nicht wie gewünscht und auch nach hohen Niederlagen wird die Tonlage bei Facebook mitunter sehr kritisch – Stichwort Krisenkommunikation. Dennoch betreibt der HSV zur Zeit kein Social Media Monitoring, beobachtet aufgrund der „sehr politischen Situation“ im Verein jedoch wichtige Blogs. Eine eigene Social Media Policy für die Spieler gibt es nicht – Marcell Jansen kann also weiter fleißig twittern.

Diskussion
Wichtige Diskussionpunkte waren u.a.
Sportpresse in Gefahr? Durch die Schnelligkeit und Kreativität der Berichterstattung in den sozialen Medien gerät die Sportpresse gehörig unter Druck. Warum noch dem langweiligen Kommentar am TV lauschen, wenn doch die Twitter-Timeline viel bessere Eindrücke bietet? „Dieser Entwicklung kann nur begegnet werden, wenn der Sportjournalismus meinungslastiger und frecher wird“, meinte Mertens.

Permission Marketing möglich? Manchester United macht es vor und verkauft die begehrten Tickets zu den Heimspielen mittlerweile teilweise über Facebook. Warum steckt die kommerzielle Nutzung in Deutschland dann noch in den Kinderschuhen? „Wir sind da sehr vorsichtig und wollen unsere Fans nicht ausnutzen. Ich bin immer wieder überrascht, wieviele Menschen unsere Spieler vor dem Rechner innerhalb der Netwerke verfolgen“, entgegnete Wagner. Hier könnte vielleicht ein interessanter Ansatzpunkt für die kommende Social Media-Nutzung liegen – das Stadionerlebnis in Echtzeit zu Facebook und Twitter zu übertragen, ohne jedoch die rechtliche Situation aus den Augen zu verlieren.

Keine Kommunikation ohne Social Media: Zwar sind Social Media-Kampagnen (noch?) „weit entfernt von der üblichen Sportkommunikation“ (Wagner), dennoch ist Twitter als Recherchetool für Journalisten wie Mertens so wichtig „wie Kuli und Notizblock“.

UPDATE (23:33)
Ein weiterer Bericht zur Veranstaltung findet sich bei den „Digital Media Women“: http://j.mp/eNdZop

UPDATE (12:24)
Vielen Dank an Lasse Lüders für die Fotos!

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