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Medienlotse liest: Der Facebook-Effekt

Facebook gehört zu den spannendsten Firmen weltweit. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sich mit David Kirkpatrick nun auch ein Journalist in „Der Facebook-Effekt“ mit dem sozialen Netzwerk befasst. Der Autor schlägt dabei gelungen den Bogen von den Anfängen des Unternehmens in einer Harvarder Studentenbude bis hin zu den Entwicklungen des Jahres 2010, findet der Medienlotse.

Kirkpatrick hatte das Glück, Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg bei mehreren Gelegenheiten persönlich kennen zu lernen und somit die Entwicklung des Unternehmens aus erster Hand verfolgen zu können. Streng chronologisch beginnt die Darstellung auch mit jenen Begebenheiten, die den Zuschauern des Kinostreifens „The Social Network“ von David Lynch bekannt sein dürften: Zuckerbergs nächtliche Hackaktionen, juristische Auseinandersetzungen um Facebook und Verlegung des Firmensitzes ins sonnige Kalifornien. Trotz des Films im Hinterkopf wird die Erzählung nie langweilig, denn Kirkpatrick gelingt es, eine Fülle neuer Details ans Licht zu bringen, außerdem setzt der Autor die Schwerpunkte völlig anders.

Wichtige Wegmarken bei der Unternehmens-entwicklung nehmen so im Buch auch breiten Raum ein. Bei der Einführung des Newsfeeds wäre das Unternehmen fast vom eigenen Erfolg geschlagen worden, denn kritische User hatten sich auf der Plattform vernetzt und gegen die Änderungen mobil gemacht. Erst als Zuckerberg detailliert in einem Blogpost auf die Wünsche einging und Modifizierungen versprochen wurden, ebbte der Protest ab. Seitdem ist fast jeder Konflikt zwischen Facebook und seinen Usern nach diesem Schema abgelaufen, was für den CEO auch kein Problem ist: „Wir müssen uns offen mit Kritik auseinandersetzten, nur dann bleiben wir ehrlich“, so Zuckerberg.

Kirkpatrick verwendet zudem einige Zeit darauf, den Lesern den Menschen Zuckerberg näher zu bringen. Das gelingt nur teilweise und zwar nämlich dann, wenn der Autor Aussagen über dessen Erziehung, Kleidungsstil oder Hacker-Ethos macht. Nebulös bleiben die Ausführungen jedoch, wenn es um die Pläne Zuckerbergs für das Unternehmen geht. Noch vor einigen Jahren hat sich der CEO gegen Werbung auf der Plattform gestemmt und das Nutzererlebnis in den Vordergrund gestellt. Das hat sich nun geändert. Auch ist fraglich, ob sich Facebook wirklich wie gewünscht zu einem organischen Knotenpunkt im Internet entwickelt. Gerade außerhalb der USA – in denen es andere Vorstellungen zu Transparenz und Offenheit gibt – wird das skeptisch gesehen. Diese Zweifel kann auch „Facebook-Effekt“ nicht völlig ausräumen.

Fazit: Vor dem Hintergrund der filmischen Konkurrenz ist Kirkpatrick ein überaus lesenswertes und interessantes Buch gelungen. Insbesondere die Anfänge des Unternehmens und wichtige Entscheidungen der letzten Jahre werden mit großem Detailwissen aufbereitet. Leider wird das Buch dem deutschen Titel nicht ganz gerecht. Um mehr über den Facebook-Effekt zu erfahren, den das Netzwerk auch in Zukunft auf das Internet und die weltweite Gesellschaft haben wird, hätten die Persönlichkeitsstruktur Zuckerbergs und die internen Arbeitsabläufe des Unternehmens noch intensiver dargestellt werden können.

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  1. Pingback: Rezension: Der Facebook-Effekt. Hinter den Kulissen des Internet-Giganten | Martin W.

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