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Viel Wind um nichts? Das Chefticket der Deutschen Bahn bei Facebook

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Die Deutschen scheinen gerne zu meckern und zu motzen. Ob nun im Urlaub, weil der angelsächsische Halbbruder mal wieder den Pool mit Handtüchern zukleistert oder in der Warteschlange bei der Post. Nun hat es mit der Deutschen Bahn ebenfalls ein ehemaliges (oder noch immer) Staatsunternehmen erwischt. Im Netz hat sich eine interessante Debatte rund um die „Chefticket“-Aktion bei Facebook entspannt. Der Medienlotse klärt auf.

Chefticket für Facebook-Fans
Zu Beginn der Woche sorgte die Bahn mit ihrer neuen Aktion für gehörig Überraschung, wurden doch bisher Sonderaktionen im Ticketverkauf entweder über die eigene Homepage (Herbst-Spezial, Deutschland-Ticket u.ä.) oder über Vertriebspartnerschaften mit Handelsunternehmen (Lidl-Ticket) angeboten. Nun gibt es das Chefticket exklusiv nur bei Facebook. Nutzer müssen dafür Mitglied / Fan der Chefticket-Gruppe werden und können ab 25. Oktober beliebig viele Bahntickets zum Preis von 25 Euro für einfache Fahrten innerhalb Deutschlands ordern. Obendrauf hat die Agentur Ogilvy noch ein Video zur Untermalung der Aktion entwickelt.

Die Kritik
Schnell entbrannte Kritik am Chefticket und es wurden Stimmen erhoben, die der Bahn in Zeiten des andauernden Protests um Stuttgart 21 fehlendes kommunikatives Fingerspitzengefühl vorwarfen. So wurde scheinbar auch die Resonanz (mittlerweile hat das Chefticket knapp 8.000 Fans) der Nutzer unterschätzt und spärlich kommentierend von den Administratoren eingegriffen. Hat die Bahn am Ende also überhaupt kein nachhaltiges Interesse, mit seinen Fans zu kommunizieren? Nun, wie in jedem Gespräch gibt es ein Anfang und ein Ende. Das ist von Bahnseite auch so gewollt, denn die Tickets gelten nur bis zum 15. Dezember 2010.

Ein (Negativ-) Kommentar von vielen auf der Bahn-Seite bei Facebook.

Ein (Negativ-) Kommentar von vielen auf der Bahn-Seite bei Facebook.

Die Fans
Zur Überraschung vieler formierte sich jedoch auch Unterstützung für die Bahn. Im Blog „Am Ende des Tages“ werden vermeintliche Social Media-Berater (aka die oben erwähnten Kritiker) mit Hohn und Spott übergossen, so heißt es u.a.:

„Social Media Berater, die Ihr Euer Geld auf Podien verdient. Die Ihr aus purem wirtschaftlichen Eigeninteresse Shitstorms vorantreibt. Aber auf der anderen Seite das Gewissen des Social Web gebt. Und so tut als hätte von Euch provozierter Protest etwas mit Basisdemokratie oder dem mündigen Konsumenten zu tun“.

Unter rein vertrieblichen Aspekten wird das Chefticket für die Bahn vermutlich ein Erfolg und die mediale Aufmerksamkeit sorgt für weiteren Zulauf. Wer günstig durch Deutschland reisen will, muss sich vermutlich bald schon sehr beeilen.

Fazit
Wie so oft im Leben ist auch bei der Bewertung des Cheftickets keine reine Schwarz-Weiß-Malerei möglich. Unter strengen Social Media-Aspekten ist es sicherlich bedenklich, wenn die Bahn in einer Zeit, in der sie nahezu täglich kritisiert wird, einen weiteren, unbeobachteten Kommunikationskanal öffnet, in dem sich ungefiltert Kritik und Hass ergießen können. Andererseits: Würden die Kritiker durch eine umfassende Betreuung durch Moderatoren u.ä. nicht größer gemacht als sie sind? Genau an diesem Punkt haben die Fans der Aktion Recht. In erster Linie geht es um den Verkauf von Tickets, nicht um den Gewinn der Goldmedaille in den Deutschen Social-Media-Meisterschaften. Völlig unter den Tisch fällt in der bisherigen Diskussion aber das Produkt. Für 25 Euro quer durch Deutschland zu reisen klingt auf dem ersten Blick nicht schlecht. Im Gegensatz zu anderen Aktionen besteht aber eine Zugbindung und ein Upgrade (sprich Nachzahlen) bei verpassten oder gewechselten Zügen ist nicht mehr vorgesehen. Und nur aus diesem Grund und keinem anderen findet der Medienlotse das Chefticket der Deutschen Bahn mangelhaft.

Nachtrag 11.11.10:
Mit Ende der Aktion wurde schnell deutlich, dass es sich beim „Chefticket“ der Deutschen Bahn um eine Vertriebsaktion, nicht aber um eine Social Media-Kampagne gehandelt hat. Der selbst ernannte Facebook-Guru Thomas Hutter, der bei Twitter auch gerne mal nervig-selbstreferentiell mehrmals am Tag auf neue Blogposts hinweist, fragt jetzt provokativ, ob das Chefticket mit knapp 52.000 Fans und einer mittlerweile von allen (auch den kritischen) Kommentaren gesäuberten Facebook-Page nicht ein überragender Erfolg für den ehemaligen Staatskonzern war.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Sport und Social Media: Möglichkeiten und Grenzen « Medienlotse

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