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Wie neue und alte Medien mit der Loveparade 2010 umgehen

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Unfassbar tragisch, was sich am Wochenende bei der Loveparade in Duisburg ereignete. 19 Menschen starben, mehrere Hunderte wurden bei der sonst so friedlichen Massenveranstaltung verletzt. Warum das hier beim Medienlotsen eine Rolle spielt? Der Umgang mit der schrecklichen Nachricht zeigt (mal wieder) besonders exemplarisch und plakativ, wie schnell, dumm und geistreich das Internet in derartigen Situationen sein kann. Traditionelle Medien wissen aber leider immer noch zu wenig vom richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken.

1. Twitter ist ein Nachrichtenmedium!
Mittlerweile dürften auch die Letzten bemerkt haben, dass Twitter keine Plauderecke im Internet ist, sondern die Kraft besitzt, Nachrichten, Informationen und Neuigkeiten in rasender Geschwindigkeit durch das Netz zu jagen. Was sich beim Absturz des Flugzeugs im Hudson-River im vergangenen Jahr andeutete, wurde im Umfeld des Loveparade-Desasters bestätigt: Während selbst ernannte News-Sender zu weit vom Unglücksort entfernten Reportern auf dem Festivalgelände schalteten, verbreiteten Twitter-User bereits Bilder und Videos von den unzumutbaren Zuständen an den Tunneln. Die TV-Sender brauchten teilweise 60 bis 90 Minuten, um auf dieses Material zurückzugreifen.

2. Twitter ist kein Journalistenverband!
Zwar wissen manche Medienschaffende bereits, dass bei Twitter auch nachrichtenrelevante Inhalte verbreitet werden (können), doch unterliegen manche von ihnen der irrigen Vorstellung, es handele sich bei den Twitter-Usern um einen Zusammenschluss von professionellen News-Brokern: „Auch das soziale Medium Twitter reagierte schnell auf die Tragödie in Duisburg“, vermeldete beispielsweise die bauernschlaue Tagesschau. Vermutlich ist den Redakteuren da etwas mit Wikileaks durcheinander geraten, denn bei Twitter entscheiden die User, keine wie auch immer gearteten Verantwortlichen, was „on air“ geht.

3. Loveparade 2010 im Internet: Good v. evil
„Das Schöne am Internet ist, dass alle mitmachen können. Dumm nur, dass jede/r es tut“ – auch dieser Spruch behält nach dem Loveparade-Wochenende seine Wahrheit. Ob nun ehemalige Journalistinnen dummes Zeug verbreiten, schmierige Individuen nach der Katastrophe ihr Geschäft machen wollen (Anmerkung: Glücklicherweise wurde die Auktion relativ schnell gelöscht. In der URL kann die ursprüngliche Artikelbezeichnung jedoch noch eingesehen werden) oder Blogger bereits wenige Stunden nach der Katastrophe Vermutungen über die Kapazitäten des Bahngeländes anstellten – das Internet zeigte sich in seiner ganzen menschlichen Vielfalt. Wer das wirklich verstehen will, muss sich auf eine mitunter verstörende Reise begeben und wird immer wieder an die Grenzen seiner Gutgläubigkeit und Aufnahmefähigkeit geführt werden – doch am Ende steht echte Medienkompetenz, die das Zurechtfinden in unser immer fragmentierteren Gesellschaft erheblich erleichtern dürfte.

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