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Programmiere, oder du wirst programmiert!

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Medientheoretiker Douglas Rushkoff stellte bereits im Frühjahr seine zehn Gebote für das digitale Zeitalter auf. Als das mit Abstand spektakulärste darf wohl das zehnte und letzte Gebot, welches „Programmiere, oder du wirst programmiert“, heißt, gelten. Der Medienlotse erklärt die Vorstellungen Rushkoffs genauer.

1. Du sollst nicht immer online sein
Mit dem Siegeszug des Handys begann der moderne Fluch der immerwährenden Erreichbarkeit. Mit dem nun startenden Boom von mobilen Internetgeräten wird schon bald ein Großteil der Bevölkerung immer online sein, immer arbeiten können und immer mehr Inhalte konsumieren. Rushkoff glaubt hingegen, dass es schon bald Luxus sein könnte, nicht Dauer-Online zu sein.

2. Du sollst nicht alles online erledigen
Digitale Netze begünstigen weite Distanzen, doch wo immer es geht, so Rushkoff, sollte der direkte Kontakt gegenüber der Online-Beziehung bevorzugt werden. Eine reine Netz-Beziehung führt zu Dissonanzen und Interferenzen, die es in der normalen Diskussion so nicht geben dürfte. Außerdem entfällt so die Möglichkeit, dass sich das Internet zu einer Art goldener Käfig, der alles für uns und mit uns erledigt, entwickelt.

3. Du sollst nicht glauben, dass alles wachsen wird
In seiner vielleicht am weitesten über die reine Netzwelt (bis in die Wirtschaft hineinreichende) hinausgehende These ruft Rushkoff dazu auf, dass Wachstum fortan kein Selbstzweck mehr sein solle. Nicht alles kann, wird und muss überhaupt wachsen, um überleben zu können, das lehren schon die Ausnahmen der Darwinschen Evolution.

4. Du hast die Freiheit und die Wahl
Fast scheint es so, als verfingen die Internetuser sich unweigerlich in den Fängen der Datenkraken Google und Facebook. Wer die Dienste jedoch nicht nutzt, kann unbehelligt seine Online Identität pflegen. Umgekehrt gilt aber auch, dass Datenschutz auch in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird, denn User wollen und müssen wissen, wer ihre Daten zu welchem Zweck gespeichert hat. Wer die kommerziellen Aspekte von Google und Co. erkennt, gerät nicht so leicht in Gefahr, sich im Netz zu verfangen.,

5. Das Netz reduziert nicht nur Komplexität
Einerseits kursieren im Internet eine Vielzahl von Meinungen und Gegendarstellungen, die es schwierig machen, die Übersicht zu behalten. Zwar beschleunigt und enthierarchisiert beispielsweise Twitter die Kommunikation, doch die Beschränkung auf nur 140 Zeichen führt dazu, den Dienst nur für einfache und schnelle, nicht aber für tiefer gehende Fragestellungen zu nutzen.

6. Raus aus der Anonymität!
Wer in netzaffine Berufsfelder strebt und nur ein statisches Profil bei XING pflegt, könnte bald Probleme bekommen. Rushkoff ruft dazu auf, aus der Anonymität der großen Netz-Mobs auszubrechen und sich online zu promoten, um eine eigene Reputation zu bekommen. Wie dies jedoch in Einklang mit anderen Thesen zu bringen ist, lässt er leider offen.

7. Kontakt vor Inhalt
Früher war „Content is king“ die Devise, laut Rushkoff muss nun aber „Contact is king“ das Denken beherrschen. Gerade Firmen müssen lernen, dass Oxymoron vom Social Marketing zu akzeptieren und beginnen, es aufzulösen. Noch fürchten sich aber viele vor den Konsequenzen, die der Wandel in der Kommunikation und im Prozessdenken unweigerlich nach sich ziehen würde.

8. Lass dich nicht ablenken!
Die Online-Welt ist gemütlich und trügerisch. Weil komplexe Dinge hier gerne reduziert werden und sich Beziehung auf eine weitere Ebene verlagern (siehe oben), ist hier jedoch nur ein Teil-Aspekt des wirklichen Lebens abgebildet. Die reale Welt kann nämlich auch trotz Augmented Reality niemals vollständig mit dem Internet verschmelzen.

9. Du sollst nicht stehlen
Ohne soziale Übereinkunft, so Rushkoff, wird die Offenheit der Netze nur bis zu dem Tag dauern, an welchem niemand mehr Daten teilt. Als Medienlotse glaube ich aber, dass mit der Aufmerksamkeitsökonomie oder den Konzepten eines Social Paid Content wie Flattr bereits Lösungsansätze für die Zukunft zu wachsen beginnen, die auch weiterhin eine Teilhabe an kreativen Leistungen aus dem und im Internet ermöglichen.

10. Programmiere, oder du wirst programmiert
Wer die Früchte des Netzes nur konsumiert, ist dem Untergang geweiht, so die wohl drastische Gedanke Rushkoffs. Ganz ähnlich wie das TV, was Information, Bildung und Unterhaltung sowie stumpfen Konsum fördert, ist das Internet konstituiert. Wer hier seine Kontrolle über Programme abgibt, wird am Ende selbst programmiert, d.h. seine Daten und sein Verhalten wird von Netz-Unternehmen und -Programmen ausgewertet und monetarisiert.

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  1. Pingback: Google: Demokratisierung der Programmierung « Medienlotse

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