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Zwischen Flow Control und Informationsüberflutung

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Mit Kassandra-Rufen und dem Propagieren von Extremen lässt sich in unserer heutigen Zeit schnell Aufmersamkeit erregen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Entwicklungen in der digitalen Welt entweder als „Flow Control“ euphemisiert oder wie von Schirrmacher und Co. als „Informationsüberflutung“ gegeißelt werden. Der Medienlotse versucht sich deshalb in einer neutralen Sicht.

Mehr Informationen sind gut
Die Schirrmacher-Hauspostille FAZ sorgt seit jeher dafür, dass kritische Stimmen zum Netz nicht so schnell verstummen. Diesmal ist es Geert Lovink, der unter dem unschlagbaren Titel „Informationstechnologie: Was uns wirklich krank macht“ seinem Herausgeber zur Seite springt. So argumentiert er beispielsweise in Berufung auf den italienischen Medientheoretiker Franco „Bifo“ Berardi: „Wer überleben will, muss konkurrenzfähig sein, und wer konkurrenzfähig sein will, muss vernetzt sein, eine riesige und ständig wachsende Datenflut aufnehmen und verarbeiten. Das führt zu permanentem Aufmerksamkeitsstress, für Affektivität bleibt immer weniger Zeit.“

Dieser simplen Logik zufolge müssten Kleinkinder etwa ab dem dritten Lebensjahr nur noch schreiend durch die Welt laufen, denn die auf sie hereinstürzenden Informationen sind wirr, fehlerbeladen und schwer zu verstehen. Dennoch wachsen die Säuglinge von einst zu jungen Erwachsenen heran, die sich in der Welt zurechtfinden. Wer schon vorzeitig die Flinte ins Korn wirft, kann gemeinsam mit Lovink und Schirrmacher einen Platz im Altersheim buchen (sofern die prekäre Beschäftigung über die Jahre auch zu einem ausreichend großen Guthaben geführt hat) und auf den „Methusalem-Komplott“ warten.

„Flow Control“: Neuer Yuppie-Cocktail?
Den Gegenpol zur FAZ bilden das Hamburger Trendbüro um Peter Wippermann. Der diesjährige Trendtag steht dann auch unter dem Motto „Flow Control“ welches Wippermann „als gelebte Informationslogistik“ beschreibt. Wer die Vorberichte und Experteninterviews des Trendbüros konsumiert, wird schon eher heute als morgen an ein Leben im ständigen Informationsfluss glauben und sich zum glücklichen Workaholic ummodeln.

Das kennen wir doch irgendwo her? Genau, aus den 80er Jahren, als die Yuppies den Neoliberalismus erfanden. Wippermann und eine Heerschar an Beratern wartet nur darauf, dass die breite Masse (und zahlungskräftige Unternehmen) im vorauseilenden Gehorsam vom Sonnendeck des Vergnügungsdampfers „Information“ ins eiskalte Wasser springt und nach dem Rettungsring Marke „Flow Control“ rufen. Je exklusiver das Rettungsboot, desto teurer wird das Kontrollieren des Flow…

Digital Natives als Trendsetter / Ewig lockt die Jugend
So extrem die beiden Positionen auseinanderliegen, haben sie doch einen gemeinsamen Nenner. Wippermann und Lovink appellieren, den Blick auf die „Digital Natives“ zu lenken und zu beobachten, mit welchen Strategien und Tools sie der Informationsfülle begegnen. Die um 1980 geborenen Natives sind die erste Generation, die bereits vollständig mit elektronischen Medien aufgewachsen ist und sich diesen mit einer gnadenlosen Selbstverständlichkeit bedient.

Die Unbekümmertheit und auch die Arroganz der Jugend wird dafür sorgen, dass die Thesen (und heimlichen Wünsche) von Lovink und Wippermann hinweg gefegt werden. Die Wahrheit ist nämlich (wie immer) in der Mitte und eher grau, denn schwarz-weiß: Digital Natives pfeifen auf Experten und beginnen, sich ihre eigene Welt zu bauen. Manager und Personaler haben schon aufgemerkt, denn Natives stellen hohe Ansprüche an ihre Umwelt und lassen sich beispielsweise nicht gern in einen starren Vertrag mit physischer Präsenz im Büro von 9 bis 20 Uhr pressen. Es bleibt also weiter spannend…

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wie Digital und Print „best of both worlds“ verwirklichen können -

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