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Müller-Hohenstein und der Reichsparteitag: Bedenkliche Verharmlosung

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Am späten Sonntag Abend bezeichnete Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein vor knapp 30 Millionen Zuschauern im ZDF das zweite Tor von Miroslav Klose als „innerer Reichsparteitag“. Schnell entrüstete sich das Web und durch You Tube versendete sich die Entgleisung auch nicht so schnell wie von den Verantwortlichen gewünscht. Am Tag danach dominieren Beschwichtigungen, man solle mit „V2-Raketen nicht auf Spatzen schießen„, doch als Historiker meldet sich der Medienlotse mit seiner Sicht zu Wort.

Comedy im ZDF?

Eigentlich bringt das ZDF zur besten Sendezeit gerne Volksmusik, doch der spätabendliche Plausch von Müller-Hohenstein mit Co-Moderator Oliver Kahn zeigte einen Hauch von Comedy. Auf die verbale Entgleisung der Moderatorin, „Und für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz in Ernst, dass er heute hier trifft“, antwortete Kahn: „Das ist wie eine Erlösung“. Damit traf der ehemalige Torwart genau die Tonlage, wie der Begriff gemeinhin gedeutet wird. Doch eine Gleichsetzung der NS-Zeit mit Freude und Frohsinn – wie von Müller-Hohenstein – hat im TV nichts verloren. Screenshot von ZDF Online zum Begriff "Reichsparteitag".

Scheinheilige Verharmlosung
Stattdessen sezieren die Kommentatoren des Vorfalls genüßlich das Geschlecht der Moderatorin und werden nicht müde zu erwähnen, dass ihrer Vorgängerin Carmen Thomas im „aktuellen sportstudio“ mit dem Ausspruch „Schalke 05“ ein folgenschwerer Versprecher unterlief. Auch nichts in der Diskussion hat zu suchen, dass Müller-Hohenstein aus der Nähe von Nürnberg, wo die NSDAP seit 1935 ihre pompösen Parteitage abhielt und seine menschenverachtende Ideologie feierte, stammt. Viel schlimmer ist, dass die Medien und Blogs – anders als bei Eva Hermann – schon kurze Zeit später die Verdrängunsmaschine anwerfen.

Was stattdessen zu tun ist
Mit einem Entschuldigungstweet von Senderchef Gruschwitz und dem bisher geäußerten Bedauern der Moderatorin ist es nämlich noch nicht getan. Schon morgen hätte Müller-Hohenstein Gelegenheit, sich beim Publikum für die Entgleisung vor laufender Kamera zu entschuldigen und auch das ZDF sollte darüber nachdenken, aktuell eine Doku zu den Reichsparteitagen ins Programm zu hieven.

Vielleicht haben die Kollegen der BBC ja etwas im Schrank, denn an derlei schwierige Themen wie die NS-Ideologie wagte sich der ZDF-Haus-und-Hof-Historiker Guido Knopp nur selten. Dann läßt sich auch wieder in Ruhe (vorbehaltlich der Vuvuzelas) WM schauen. Mir sind taktische Erläuterungen wie bei Zonal Marking zudem lieber, als feiernde Fans und tausendfache Blabla-Aufgüsse.

Nachtrag
Und auch wenn das Wort „innerer“ eine gewisse Distanz Müller-Hohensteins zur NS-Ideologie erkennen lässt, so deutet die unbedenkliche öffentliche Verwendung vor einem Millionenpublikum während einer Fußball-WM auf mangelhaftes historisches Wissen der Moderatorin hin.

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4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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