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Euphorie der Möglichkeiten – und keine Beziehungsinflation

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Wer sich in der großen weiten Social Media Welt tummelt, wird schnell feststellen, dass hier eine große Zahl von Kontakten zusammenkommen kann. Kritiker weisen aber immer wieder darauf hin, dass diese „Beziehungsinflation“ nichts mit der Wirklichkeit des realen Lebens zu tun habe und in Wahrheit eine Verwässerung herkömmlicher zwischenmenschlicher Interaktion bedeute. Für den Medienlotsen liegen die Dinge aber nicht ganz so einfach.

Stärke der Beziehungen ist unwichtig
Bisher wurde in der Forschung in starke und schwache (Netzwerk-) Beziehungen unterschieden. Je enger zwei Akteure miteinander interagieren und gegenseitigen Nutzen herstellen, desto größer wird schließlich das Vertrauen. Derartige Verhaltensweisen kann und will das Netz aber gar nicht leisten. Web-Prophet und Neurowissenschaftler Peter Kruse weist in seinen öffentlichen Auftritten immer wieder zu Recht darauf hin, dass sich das Beziehungsmuster im digitalen Raum völlig verändert hat.

Netzwerke kommen, Netzwerke gehen
Man mag es verfluchen oder hinnehmen, die heutige Welt ist durch das Internet schneller und arbeitsteiliger geworden. Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf unsere digitale Beziehungen, denn nun ist es egal, ob ein Kontakt oder eine Beziehung „stark“ oder „schwach“ ist. Die Summe von Kontakten ist trotz aller Unkenrufe gerade durch das Internet immer noch intelligenter und flexibler als eine einzelne Person geworden. Verlieren Beziehungen an Wert ist das nicht – wie früher – ein Beinbruch, sondern Signal für ein Aufbruch zu neuen Ufern. So enstehen immer wieder neue Kontakte und durch sogenannte Aufschaukelungseffekte können wahre Wunderdinge vollbracht werden. Siehe Nestlé oder Paul Potts.


Wer im Netz lebt, braucht die Außenwelt nur bedingt

Umair Haque kritisiert im Carta-Blog zwar plakativ unter dem Titel „Die Social-Media-Blase: Nennen wir es Beziehungsinflation“ die neue Netzwelt, doch outet er sich damit als jemand, der außerhalb des Netzes lebt. Wer sich im Netz bewegt und Medienkompetenz hat, ist auf die Fahrlehrer von außerhalb nicht mehr angewiesen. Wenn sich User im digitalen Strom von Beziehungen und Informationen freigeschwommen haben, wissen Sie längst , dass das Internet Überwachung und Zensur (China), aber auch dem Protest und der Vernetzung (Iran oder Uni-Blockaden) dienen kann.

Eigener Raum mit eigenen Werten
Zur Zeit wird immer deutlicher, dass das Internet der Außenwelt weder nacheifert (Stichwort: Struktur von Beziehungen) noch notwendig auf diese angewiesen ist. Zurzeit können wir Zeuge werden, wie ein faszinierender Raum menschlicher Kommunikation entsteht und von verschiedenen Anspruchsgruppen gestaltet werden will. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit hat die „breite Masse“ eine Stimme gewonnen, die sie situativ einzusetzen vermag – zum Schrecken von Politik, Verlagen und herkömmlichen Experten.

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  1. Pingback: Wir sind das Netz! Netzkritik ist Selbstkritik

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