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Augmented Reality vs. Datenschutz

Keine Angst, jetzt folgt kein Fachgeschwafel, ohne einen Teil der Überschrift vorher zu erläutern. Augmented Reality (AR) bedeutet zu Deutsch „erweiterte Wahrnehmung“. Per Definition können durch AR alle menschlichen Sinnesorgane angesprochen werden und ist in Abgrenzung zum Hype-Thema der 90er, als Menschen in virtuelle Räume und Realitäten eintauchten, zu sehen. AR wurde hierzulande insbesondere bekannt, als Kommunen gegen den Besuch der Google-Streetview-Cars vorgingen. Neben einer Karten- und Satellitenansicht bietet der Suchmaschinenriese bei seinen „Maps“ für England und Paris auch reale Straßenansichten an, die mit einem eigens dafür konstruieten Gefährt aufgenommen wurden.

Deutsche Datenschützer wollen dies verhindern, denn durch die „Bilder auf Augenhöhe“ könnten Rückschlüsse auf die Wohngegend und Bewegungsprofile einzelner Personen genommen werden (als ob dies durch Schufa, Handyprovider und den Zensus 2011 nicht schon längst möglich wäre, d. Medienlotse). Die neuesten Entwicklungen im Hause Microsoft dürften den Pulsschlag der Datenhüter aber nun deutlich erhöhen: Software-Wunder Blaise Aguera stellte auf der kalifornischen TED-Konferenz nun die Maps-Zukunft vor (Video, englisch, ca. 8 Minuten).

Nicht, dass künftig auch innerhalb von öffentlichen Gebäuden (Markthallen, Stadien, Flughäfen) mittels einer Karte navigiert werden kann, nein, auch Videos und Bilder von Flickr-Usern werden eingebunden und könnten beispielsweise den himmelweiten Unterschied der Reeperbahn zwischen Tag und Nacht dokumentieren. Apropos: auch der Sternenhimmel und die lunaren Konstellationen können, so Aguera, näher unter die Lupe genommen werden. Nicht zu reden von den zusätzlichen Erweiterungen: historische Kartenansichten, Live-Tagging a la Foursquare oder weiteren Dingen, die Datenschützern die Schweißperlen auf die Stirn treiben werden.

Es bleibt abzuwarten, ob der Service auch in Deutschland Fuß fassen kann. Sollten die Kommunen ähnlich restriktiv wie im Falle Google verfahren, dürfte AR hierzulande noch lange Zukunftsmusik bleiben. Microsoft könnte aber mit seinem neuen Angebot richtig punkten, wenn die Privatsphäre besser geschützt würde als zuletzt durch Google bei Buzz. User könnten beispielsweise per Mail auf Löschung ihrer Abbildung dringen oder sicherheitsrelevante Gebäude in geringerer Auflösung dargestellt werden (schon im Mittelalter wurden zu detaillierte Karten gefälscht oder blieben unveröffentlicht, damit Angreifer nicht vorab die Befestigungsanlagen auskundschaften konnten, d. Medienlotse).

Aber so sehr AR auch versucht, der Wirklichkeit nahe zu kommen, kann sie niemals einen Ersatz für den Besuch vor Ort sein – höchstens intensive Vorbereitung. Dies zeigte zuletzt das Google-Monumentalprojekt über die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Die 150-stündige Videoreise zeigt neben allen Highlights vorallem viel Birkenwald – und blendet die soziale Komponente eine Reise quer durch Russland und seine Zeitzonen jedoch völlig aus.

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