Die 5-Minuten-Regel für das Urheberrecht

13th Freitag, 2012  |  Blog, Wissen  |  1 comment

Netzpolitische Debatten scheinen sich in letzter Zeit immer nur um ein Thema zu drehen – dem Urheberrecht. Ob nun ACTA oder andere Abkommen – netzaffine Bürger führen immer wieder an, dass die vor über 100 Jahren geschaffene Rechtslage nicht mehr alltagstauglich sei. Doch seit Monaten drehen sich die Debatten im Kreis und die geistigen Mauern zwischen Industrie, Verlagen und Politik sowie Kreativen, Künstlern und Piraten auf der anderen Seite erhöhen sich stetig. Der Medienlotse hat darauf keine Lust mehr und stellt nun seine eigene Lösung für den Dauerstreit vor. 

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Ironie oder Absicht? Unter dem Label "Copyright" werden Kopiermaschinen vertrieben!

Daten sind allgegenwärtig
Noch vor wenigen Jahren war es absolute Grundvoraussetzung, einen Laden oder Geschäft zu betreten, um ein Produkt zu kaufen. Klar, damals gab es auch schon Kataloge, doch wenn der Postmann klingelte, brachte er Sachen, die man auspacken und anfassen konnte. In unserer virtuellen Welt hat sich das Verhältnis zu Produkten allerdings radikal geändert. Die Dinge liegen nun nicht mehr nur physisch (als Videokassette), sondern eben auch als digitale Datei vor. Anbieter derartiger Dateien haben gegenüber herkömmlichen Kaufmannsläden viele Vorteile: Sie brauchen kein Lager und selbst ein riesiges Angebot lohnt sich durch den Long-Tail-Effekt. Die Vernetzung im Internet und die Klugheit der Nutzer erlaubte es schnell auch technisch weniger bewanderten Gruppen, über Tauschbörsen virtuelle Daten kostenlos zu erwerben – sehr zum Leidwesen der Film- und Musikindustrie, die neben Verlagen noch am vehementesten auf die Einhaltung des herkömmlichen Urheberrechts pochen.

Ein Lösungsvorschlag
Das als Online-Buchhändler gestartete Unternehmen Amazon ist mit dem Kindle und der Digitalisierung ganzer Bibliotheken derzeit der größte Game Changer auf dem Markt der Daten. Warum gehen wir diesen Weg also nicht weiter und konzentrieren uns auf das was wir können – technische Lösungen bauen, anstatt sich in endlosen juristischen Debatten zu verkeilen. Das herkömmliche Urheberrecht wird einfach um die „5-Minuten-Regel“ erweitert. Dies bedeutet nichts anderes, als das jedes virtuelle Gut – ob nun Musik, Film, Text – im ersten Schritt kostenlos und barrierefrei genutzt werden darf. Die Urheber können frei darüber entscheiden, wie lange die Dateien auf den Geräten der Nutzer kostenlos nutzbar sind – bei einem Hollywood-Blockbuster vielleicht die ersten fünf Minuten eines Films oder nach dem Durchhören eines kompletten Musikalbums. Erst dann können die Urheber von den Nutzern ein Entgelt verlangen.

Die Zukunft
Die 5-Minuten-Regel wäre eine konsequente Fortführung der bisherigen Entwicklungen im Urheberrecht und im Wesen des Internets. Es ist unbestritten, dass wir mittlerweile in einer Aufmerksamkeitsökonomie leben – über Nacht entstehen Stars bei YouTube. Die Regel ermöglicht nicht nur dem kreativen Nachwuchs, im Konzert der Großen mitzusingen und eine Nische zu finden, sondern erhält die Einnahmeseite für die bisherigen Rechteverwerter. Aber auch diese müssen sich dem Wettbewerb im Netz stellen und attraktive Inhalte schaffen. Wenn sich eine Regionalzeitung hinter einer PayWall verschanzt und neben überregionalen Agenturmeldungen nur ein paar lokale Nachrichten zusammenstoppelt, die ganz ähnlich auch in regionalen Blogs stehen – dann ist die Zukunft vorprogrammiert.

fluidnetwork Leseparade Nr. 10 (KW 14)

5th Donnerstag, 2012  |  Blog, Wissen  |  2 comments

Lesen ist eine tolle Sache. Gemeinsam lesen macht sogar noch viel mehr Spaß. Dass das auch virtuell prima klappt, zeigt die Leseparade des fluidnetwork. Nachdem der Medienlotse bereits die Ehre hatte, die erste Leseparade hier im Blog zu hosten, steht mit der zehnten Ausgabe bereits das erste kleine Jubiläum ins Haus. Aufgrund der Oster-Feiertage fällt der Lesestoff aber etwas geringer aus als sonst – es soll ja noch genug Zeit zum Eiersuchen bleiben!

Unsere Dominanz in der Welt ist vorbei, wir kapieren es bloß noch nicht

File:Kishore Mahbubani at the World Economic Forum Summit on the Global Agenda 2008.jpg - Wikipedia, the free encyclopedia

“Die heutige Weltordnung ähnelt der einstigen Apartheid in Südafrika. Eine Minderheit kontrolliert die Mehrheit. [...] Die Ära, in der der Westen die Weltgeschichte dominiert hat, geht zu Ende. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, da sich Asien dafür erkenntlich zeigen kann, dass der Westen so großzügig war, den Kapitalismus mit ihm zu teilen.”

In verschiedenen Medien war in letzter Zeit von Kishore Mahbubani zu lesen, der eine deutlich andere Sichtweise auf den Kapitalismus, Weltwirtschaft und -politik erkennen lässt, als wir hier im Westen pflegen. Kurz: unsere Überzeugungen und Dominanz in der Welt sind obsolet, wir haben es bloß noch nicht ganz kapiert. (gelesen von Bernd Oestereich)

 

Wi-Fi war erst der Anfang!

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Over time, the combination of three advances could create a global Wi-Fi blanket, with only a few spots on the planet where a Wi-Fi connection was not available.

Erst vor wenigen Studen bestätigte Google mit einem YouTube-Video, am “Project Glass” zu arbeiten. Stewart Wolpin beschrieb schon vor knapp zwei Wochen, wie die Vision vom immer vernetzten “Neo Homo Sapiens” durch “ein allgegenwärtiges und freies Wi-Fi Wirklichkeit werden könnte. Die Kollegen von Protonet aus dem Betahaus Hamburg sind somit auf dem richtigen Weg! (gelesen von mir, Jan C. Rode, Medienlotse, freiberuflicher Kommunikationsberater, Dozent und Redner.)

 

PR Crisis for Skittles In Wake of Controversial Teen Shooting

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“As communication professionals, we’re trained throughout our careers to deal with things such as someone dying from eating your product or someone being killed on the job. But this one? This one isn’t a case study you find very often, nor is it a scenario you typically include in your crisis management plan.”

In Florida wird ein Junge von einem Wachmann erschossen, “bewaffnet” mit einem Softdrink und einer Tüte Skittles. In den darauf folgenden Demonstrationen wird die Skittles-Tüte zum Symbol des Protests. Das bringt steigende Umsätze – und damit das Unternehmen in eine schwierige Situation…
(gelesen von Tobias Kärcher)

 

3 Ways to Improve Collaboration for Project Teams

It’s time we all start rewarding output and results rather than input. Why? The “long-hours” culture rewards face-time and penalizes people that can get a job done in a shorter amount of time. In fact, the more hours spent on a job often leads to a lot of time wasted

Ja wie arbeitet man denn nun zusammen in diesen modernen Zeiten? Ich selber bin ja ein großer Verfechter des Coworking Ansatzes und schreibe das Wort Respekt vor der Zeit des anderen ganz groß. So auch hier in dem kollaborativen Ansatz eines Manifestes zu dem Thema. Was Genevieve hier zusammenfasst ist eine sehr gute Anleitung für virtuelle Teams und Teams aus interdisziplinären Experten. Absolute Leseparade-Leseempfehlung! (gelesen von Jörn Henrik Ast)

MyFCB – Sportanbieter haben im Netz die Nase einfach vorn

2nd Montag, 2012  |  Blog, Marketingtrends, Sport  |  1 comment

Was die Spatzen von den Dächern pfiffen, wurde in der vergangenen Woche Realität: Der Fußballbundesligist FC Bayern München startete in Zusammenarbeit mit dem IT-Anbieter apareo sein eigenes soziales Netzwerk „MyFCB“. Für den Medienlotsen ein neuerlicher Beweis dafür, dass Sportanbieter im Web einfach die Nase vorn haben.

Was zunächst wie ein Aprilscherz anmutete, ist in Wahrheit ein strategisch sehr geschickter Schachzug der Bayern. Der Rekordmeister will nicht etwa Facebook Konkurrenz machen, sondern nutzt bereits etablierte Web 2.0-Anwendungen wie Chats, Freundeslisten und Profile für seine Zwecke. Stefan Mennerich, Leiter Neue Medien beim FC Bayern, verfolgt ambitionierte Ziele und will mit der Plattform mittelfristig sogar Geld verdienen. Helfen dürfte dabei das intime Wissen über die Fanvorlieben. Wer in seinem Profil Nationalstürmer Thomas Müller als Lieblingsspieler angibt, kann sich vermutlich schon bald über das breite Grinsen des Medienlieblings auf dem neuen Fankatalog freuen.

Der Medienlotse zeigt in drei Punkten, warum er an den Erfolg von „MyFCB“ glaubt und Sportanbieter im Netz einfach die Nase vorn haben:

1. Jahrelange Erfahrung
Auch wenn die Bundesligavereine erst seit anderthalb bis zwei Jahren richtig bei Facebook engagiert sind, verfügen sie doch über einen breiten Erfahrungsschatz beim Community Management. Mit Aufkommen der ersten Homepages Mitte/ Ende der 90er etablierten sich auf den Vereinsseiten schnell Diskussionsforen. Mittlerweile wissen die Administratoren ganz genau, wie ihre Community tickt und auch die Verhaltensregeln haben die meisten Nutzer bereits internalisiert. Auch deshalb wird „MyFCB“ nicht im nächsten Shitstorm zu ertrinken drohen. Anders bei Unternehmen, die erst mühsam lernen müssen, wie ihre Kunden und Fans ticken.

2. Fans stehen auf personalisierte Werbung
Fanatische Anhänger können nie genug von ihrer Lieblingsmannschaft oder ihren Stars bekommen. Damit „MyFCB“ zum Erfolg wirbt, müssen die Bayern die Klicks, Freundeslisten und Kommentare ihrer Nutzer auswerten und in Marketingmaßnahmen umsetzen. Was bei Facebook eher lästig und irgendwie stasimäßig wirkt, ruft bei Sportfans aber nicht mehr als ein leichtes Schulterzucken hervor. Je exklusiver und genauer die Werbebanner und Mailings sind, umso bessser. Weiterer Pluspunkt: „MyFCB“ wirbt damit, dass alle Daten nach deutschem Recht auf deutschen Servern gespeichert würden und absolut sicher seien.

3. Erfolg von „MyFCB“ liegt in den eigenen Händen
Es wird interessant sein zu sehen, welche konkreten Schritte die Bayern mit ihrem sozialen Netzwerk unternehmen. Schon jetzt werben Bundesligisten wie der Hamburger SV auf Banden für die Facebook-Seite des Vereins. Die Verantwortlichen um Mennerich können den Erfolg ihrer Community über Verlosungen, exklusive Ticketdeals und Meet&Greets mit Stars zielgenau steuern. Es bleibt abzuwarten, ob „MyFCB“ auch neue technische Entwicklungen wie Videochats (siehe Google+ Hangout des Medienlotsen mit Marcell Jansen) aufgreift oder weiterhin als Web 2.0-Best-Of agiert.

Und was haben Sportanbieter Unternehmen aus anderen Bereichen im Web 2.0 nun voraus?
Wie skizziert, verfügen Sportvereine über eine ausreichende Erfahrung mit kritischen Fans und können täglich spannenden Content produzieren. Firmen, die sich erst seit ein paar Jahren mit dem Social Web beschäftigen, fällt es deutlich schwerer, diesen Kulturwandel zu beschreiten. Sportanbieter sind aber gute Beispiele dafür, wie über die eigentliche Leistungserstellung hinaus neue Aufgabeninhalte erschlossen werden und Firmen immer mehr zum Contentproduzenten werden und ihre Zielgruppen punktgenau und individualisiert bedienen müssen.

Medienlotse liest: Filter Bubble

7th Mittwoch, 2012  |  Blog, Wissen  |  no comments

In den Anfangstagen war das Internet noch wild und frei. Wirre Forscher schlossen sich in Usergroups zusammen und in frühen Chats wurden Belanglosigkeiten ausgetauscht. Diese unschuldige Zeit ist nun vorbei, glaubt Eli Pariser in Filter Bubble. Der Medienlotse erklärt, warum uns die Online-Entmündigung aber dennoch nicht bevorsteht.

Folgenreiche Personalisierung
Pariser, der sich vor allem nach dem 11. September als Polit-Aktivist einen Namen machte und für eine nichtmilitärische Option warb, warnt in „Filter Bubble“ insbesondere vor der personalisierten Suche. Der Suchmaschinenkonzern Google versucht seit Monaten, sein soziales Netzwerk G+ in richtige Bahnen zu lenken. Mittelfristig sollen die Beiträge, Likes und Verbindungen auch in den Suchergebnissen eine Rolle spielen. Regelrecht schockiert ist Pariser darüber, dass Google unterschiedlichen Personen bei gleichlautenden Suchbegriffen verschiedene Ergebnisse zeigt – wirklich eine Folge der Personalisierung?

Derartige Mechanismen können für eine ständige Rückkopplung sorgen – und ich sehe nur das, was ich sehen will oder schon weiß. Pariser hat Recht, wenn er beispielsweise bemängelt, dass dadurch unsere Weltsicht extrem eingeschränkt werden kann. Internetfirmen verdienen gut an personalisierte Werbung und setzen beim Targeting und Re-Targeting der Werbeformate auf Algorithmen. Ähnlich wie im Habitus-Konzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu fungieren die Code-Zeilen als Brille, durch die wir die Welt sehen.

Mehr Medienkompetenz
Pariser ist seit knapp zehn Jahren als kritischer Geist bekannt und von daher ist es kein Wunder, dass er mit Filter Bubble den Finger in die Wunden der amerikanischen Internetwirtschaft legen will. Leider schafft der Autor es nicht, die Beobachtungen aus seiner Peer group auf die breite Masse zu übertragen. Natürlich ist es für Pariser schlimm mitanzusehen, wie sich das vormals weite und freie Internet in ein immer eingezäunteres und kontrollierteres Feld verwandelt. Die User, die jetzt für das immense Wachstum von Facebook sorgen, haben derartige Techniken aber nie kennengelernt und nutzen begeistert Apple-Apps, ohne jemals etwas von einem „walled garden“ oder geschlossenen Ökosystemen gehört zu haben.

Und deshalb greift auch die Kritik, künftig würden uns Algorithmen vorschreiben, was wir sehen, essen, kaufen oder meinen sollen, viel zu kurz. Viele Menschen sind schon damit zufrieden, wenn die Welt um sie herum nicht allzu kompliziert ist? Und alle anderen, die mehr wissen wollen, brauchen schlicht und ergreifend ein Mehr an Medienkompetenz. Schließlich sind wir selbst dafür verantwortlich, was uns interessiert, wen wir treffen, welche Musik wir hören. Und auch vor den Algorithmen muss uns noch längst nicht bange sein: Amazon schlägt dem Medienlotsen schon seit Jahren zielgenau jene Bücher vor, die er bereits besitzt.

Fazit: Filter Bubble sorgt beim Lesen für einen kleinen Gruselfaktor. Ja, es ist schon wirklich ausgeklügelt und teilweise auch perfide, wie Firmen Daten für ihre Zwecke auslesen und verknüpfen. Andererseits leben wir in demokratischen Gesellschaften und können selbst darüber entscheiden, wie wir mit unseren Daten umgehen wollen. Ein Mehr an Medienkompetenz hilft da auf jeden Fall.

Medienlotse liest: Job Future – Future Jobs

27th Montag, 2012  |  Blog, Wissen  |  no comments

Auch wenn wir es noch nicht wahrhaben wollen: unsere Zukunft beginnt jetzt, in diesem Moment. Ähnliche Erfahrungen machte auch die Psychologin und Businesstrainerin Lynda Gratton, als sich sich am Frühstückstisch mit ihren Söhnen über deren Berufswahl unterhielt und die daraus resultierenden Überlegungen in ihrem neuen Buch “Job Future- Future Jobs”. Der Medienlotse erklärt, welche Trends wichtig werden, um eine eigene Vision der Zukunft zu entwickeln und eine gesicherte berufliche Existenz aufzubauen.

Megatrends
Fünf Faktoren erweisen sich laut Gratton als zukunftsprägend für die Arbeitswelt: Da wäre zunächst die technologische Entwicklung, die neben der allgegenwärtigen Cloud die Produktivität steigert und das Weltwissen auch für die Dörfer im hintersten Winkel Afrikas und Indiens digital verfügbar macht. Daneben sorgt die Globalisierung für eine 24/7-Erreichbarkeit und in den Schwellenländern und Tigerstaaten für die Realisierung von innovativen Sparpotenzialen, die ganzen Branchen – wie etwa Geschäftsreisen – den Garaus machen können. Parallel verändern sich auch Gesellschaft und Familienstrukturen. Verwandte ziehen ihren Jobs hinterher und leben teilweise auf verschiedenen Kontinenten, auch Männer vereinen verstärkt Beruf und Familie. Der demographische Wandel sorgt dafür, dass die Altersvorsorge immer unsicherer wird und alle wohl ein wenig länger arbeiten müssen. Zu allem Überfluss bleiben die Energiepreise nicht nur durch wiederkehrende Katastrophen und Versorgungsengpässe gleichbleibend hoch.

Herausforderungen
Gratton beschreibt in der Folge in ihrem fulminanten Buch mögliche Spielarten der Zukunft. Die vorgezeichnete Zukunft beschreibt ein negatives Szenario, in der die Zersplitterung des Arbeitsalltages und Isolation von Freunden und Familie im Vordergrund stehen, wohingegen die gestaltete Variante kreatives Mitgestalten, soziales Engagement und Mikrounternehmertum in den Mittelpunkt stellt. Was “Job Future – Future Jobs” aber von Werken wie Matthias Horx oder zuletzt aus dem Trendbüro unterscheidet, ist, dass Gratton neben der Beschreibung der Zukunftsszenarien gleichzeitig Hinweise bietet, wie Arbeitnehmer und Freiberufler die kommenden Dekaden für sich nutzen können. Die Autorin empfiehlt, vom oberflächlichen Generalisten – wie er oft noch in Unternehmen zu finden ist – zum Meister in Serie zu werden. Das bedeutet nicht nur, noch einmal die Schulbank zu drücken, sondern durch Nachahmung und jahreslanges Training ein eigenes Markenzeichen aufzubauen und die richtige Nische zu finden. Helfen dabei können Netzwerke und Institutionen wie das Betahaus oder Fluidnetwork, die unter ihrem Dach Kreative vereinen und miteinander in Schwingung bringen.

Fazit: “Job Future- Future Jobs”ist mehr als „nur“ ein Buch zur Zukunft der Arbeit. Gekonnt verwebt Gratton wissenschaftliche Ansätze zu Megatrends mit ihren Beobachtungen aus den unterschiedlichsten Arbeitsgruppen und Organisationen und bietet den LeserInnen darüber hinaus noch praktische Denkhilfen, wie die eigene Existenz für die Zukunft aufgestellt werden kann.

Abhängen mit dem Star – Google+ Hangout mit Marcell Jansen

17th Freitag, 2012  |  Blog, Sport  |  no comments

Nach dem Raketenstart von Google+ 2011 ist es in den vergangenen Monaten etwas ruhiger um das soziale Netzwerk des Suchmaschinengiganten geworden. Parallel zur Social Media Week in Hamburg startete der Konzern aus Mountain View, Kalifornien, nun eine Promo-Offensive für Google+. Der Medienlotse hatte Gelegenheit, am allerersten Sport-Hangout mit HSV-Profi Marcell Jansen teilzunehmen.

Marcell Jansen (HSV) im Gespräch mit Jan C. Rode (Der Medienlotse) Quelle: gplus.to/HSV

Google+ ist in Bewegung
Schon beim Hausbesuch in der deutschen Google Niederlassung in Hamburg machte Pressesprecher Stefan Keuchel klar, dass Google+ seit dem Launch sehr viele Änderungen erfahren habe. Insgesamt sind 200 Erweiterungen und Patches aufgespielt worden, die das Nutzererlebnis vereinfachen und erweitern. Zu den von Beginn an in höchsten Tönen gelobten Features zählte das Google+ Hangout. Über eine Webcam können bis zu zehn Personen gleichzeitig einen Video- und Voicechat aufziehen. Auf Betreiben von HSV-Fan Keuchel erklärten sich dann der HSV und Marcell Jansen bereit, am 16.2.2012 eine deutsche Sport-Hangout-Weltpremiere zu organisieren.

Amerika macht es vor
Was die Social Media Nutzung angeht, liegen die USA weit vor Europa. Auch im Sport haben die vier amerikanischen Major-Ligen (Basketball, Football, Eishockey und Baseball) die Nase vorn. Die Dallas Cowboys experimentierten bereits im Herbst mit Hangouts. Bisher erwiesen sich diese als gutes Tool für Sportler, um mit einem ausgewählten Kreis von Fans und Journalisten in Kontakt zu kommen. Anders als in Deutschland ist es in den Vereinigten Staaten auch erlaubt, die Hangouts zu streamen. Deshalb haben besonders aktive Vereine über Google+ schon ganze Pressekonferenzen veranstaltet. Dem Hamburger SV gebührt nun die Ehre, als erster deutscher Profifußballverein und Sportverein überhaupt ein Hangout durchgeführt zu haben.

Im Hangout
Zu Beginn waren alle Teilnehmer wohl ein wenig aufgeregt, für mich war es zum Beispiel eine Premiere. Deshalb waren auch einige Mikro offen, was für störende Hintergrundgeräusche sorgte. Nach einer kurzen Einführung von Stefan Keuchel trat dann um 14:30 Uhr auch Marcell Jansen vor die Webcam. Der Rheinländer begeisterte in den folgenden 50 Minuten nicht nur eingefleischte HSV-Fans, sondern auch Journalisten und den Medienlotsen. Welt Online kommentierte beispielsweise: „Hangouts sind ja doch schöner als ein Telefonat und unkomplizierter als die Anreise. Das nehmen wir in die Arbeitsroutine auf.“ Der Medienlotse fragte den Nationalspieler nach seiner persönlichen Einstellung zu Social Media. „Ich kann dadurch unkompliziert mit Fans in Kontakt kommen und ihnen auf meine Art etwas zurückgeben“, so die Antwort des Mittelfeldspielers. Schulungen im Verein oder Nationalelf zum richtigen Umgang mit Twitter oder Facebook habe er jedoch noch nicht erhalten. „Ich mache das mehr so Frei Schnauze. Wenn es da Vorschriften gäbe, würde ich vermutlich die Finger von lassen“, so Jansen.

Hangouts in der Sportkommunikation
Die Vorteile von Hangouts liegen klar auf der Hand. Athleten können so Nähe zu ihren Fans schaffen, ohne wie bei einem öffentlichen Restaurantbesuch gleich bedrängt und um Autogramme gebeten zu werden. Zusätzlich lassen sich so für Journalisten Reisekosten bei Interviews und Recherchen im Rahmen halten. Für Sportvereine dürfte es besonders interessant sein, über Hangouts mit vorher genau definierten Gruppen in Kontakt zu treten. Zehn Personen gleichzeitig im Chat ist wirklich die absolute Obergrenze um eine Art von Gespräch aufzubauen.

HSV TV hat zusammen mit Google am 27. Februar ein Video mit Hintergrundinfos zum ersten Hangout mit Marcell Jansen veröffentlicht. Der Medienlotse ist ab ca. 7:15 Minuten mit einer interessanten Frage zum Thema Social Media zu sehen.

Sport und Social Media auf der Social Media Week Hamburg

16th Donnerstag, 2012  |  Blog, Sport  |  no comments

Wow – als Speaker und Teilnehmer der 1. Social Media Week in Hamburg bleibt mir nichts anderes übrig, als gleich zu Beginn ein großes Lob an die Organisation auszusprechen. In diesem Blogpost blickt der Medienlotse noch einmal auf seine Session zum Thema “Sport und Social Media” zurück. Hier geht es direkt zum Livestream-Archiv oder zu den Slides.

Social Media Week Hamburg 2012 – My schedule

10th Freitag, 2012  |  Blog, Marketingtrends, Sport, Wissen  |  no comments

Nur noch wenige Tage, dann beginnt endlich am 13. Februar auch in Hamburg die Social Media Week. Bis zum 17. Februar finden knapp 80 Veranstaltungen rund um Social Media statt. Die Session des Medienlotsen zum Thema Sport findet am 15.2 ab 20 Uhr in der Uni Hamburg statt. Darüber hinaus ist es noch bei folgenden Terminen anzutreffen (der Link führt zur Eventseite, wo ggf. noch Anmeldungen vorgenommen werden können).

Social Media Week Hamburg 2012 – Der Medienlotse ist dabei!

Montag, 13.2
16.00-17.30 Social Software in Unternehmen, Stilwerk
18.30-19.30 Social Business: Hamburger Hausbesuche Google, Google
20.00-21.30 Hello World – Are You Ready For The World of Social Objects?, Grünspan

Dienstag, 14.2
16.00-17.30 Einblick in die Tchibo Social Media Welt, Stilwerk
20.00-21.00 SMW Netzwerk Abend, Grünspan

Mittwoch, 15.2
14.00-15.30 Events, Games and Location Based Services, Stilwerk
die Session des Medienlotsen: 20.00-21.30 Sport und Social Media, Uni Hamburg – Anmeldungen noch bis zum Eventtag möglich, insg. 100 Plätze + Live-Stream!

Donnerstag, 16.2
18.00-19.30 News in realtime: Social Media as a source for news coverage, Spiegel Verlag

Bei welchen Veranstaltungen sehen wir uns? Was sind aus eurer Sicht die Highlights der Social Media Week Hamburg  2012?


 


Medienlotse meets Merkel Cebit 2012

7th Dienstag, 2012  |  Blog, Wissen  |  no comments

Ja, das könnte auf der CeBit 2012 wirklich so kommen. Ausrichter Deutsche Messe AG sucht nämlich über eine Aktion einen Blogger oder eine Bloggerin, der zusammen mit der Bundeskanzlerin am Messe-Rundgang teilnimmt. Der Medienlotse hat aber außer der Alliteration in der Überschrift noch weitere Argumente parat, warum er Angela Merkel treffen muss. Deutsche Messe Hannover

1. Medienlotse weist Merkel den Weg
Die CeBit hat in den letzten Jahren einiges an Glanz verloren, denn über den Abwehrkampf gegen Schnäppchenjäger und Schülerhorden wurden Trends verschlafen. Mit ITK (Informations- und Telekommunikationstechnologie) allein lässt sich nämlich niemand hinter dem Ofen hervorlocken. Damit die Kanzlerin also nicht nur bei der Großindustrie am Stand abhängt, würde ich sie in die Cebitlife-Halle zum digitalen Lifestyle ziehen. Dort können wir dann Tischfußball spielen und unsere Ergebnisse bei Twitter posten oder mit Amazon Prime den Kühlschrank auffüllen.

2. Medienlotse flüstert Merkel was
In den Verschnaufpausen würde ich der Kanzlerin nicht unbedingt von meinen miserablen Russischkenntnissen beichten, sondern sie eher davon zu überzeugen versuchen, Programmiersprachen als dritte Fremdsprache an weiterführenden Schulen zu etablieren. Medientheoretiker Douglas Rushkoff  hatte nämlich schon 2010 in seinen spektakulären zehn Thesen zur Medienzukunft gemutmaßt: Programmiere, oder du wirst programmiert!

3. Medienlotse erklärt Merkel Transparenz
Während des Rundgangs wird meine linke Hand mit dem Smartphone verwachsen. Über meinen Twitteraccount @jancrode werde ich live von den Geschehnissen in Hannover berichten und eure Fragen zur Zukunft des IT-Standortes Deutschland, Reform des Urheberrechts, dem digitalen Wahlkampf 2013 und ob Co-Working in der Bundesregierung überhaupt Sinn macht, versuchen, an die Kanzlerin weiterzuleiten.

Damit das aber klappt, bin ich auf eure Hilfe angewiesen. Und das funktioniert so:
1. Postet, twitter, facebookt oder +1 diesen Beitrag über einen der Buttons, die sich unter dem Artikel befinden.
2. Erzeugt in eurem Netzwerk ordentlich Gruppendruck, es euch gleichzutun und ebenfalls hier abzustimmen. Dann kommt am Ende ein schönes Schneeballsystem heraus…
3. Bei euren Aufrufen könnt ihr mich wahlweise als Hamburger, Ex-Hannoveraner und Doktor der Herzen anpreisen. Ich bin da flexibel.

fluidnetwork Leseparade 01-2012

2nd Donnerstag, 2012  |  Blog, Wissen  |  2 comments

Wissen ist nicht mehr wichtig, seitdem Informationen nahezu frei verfügbar sind. Früher traf sich die Boheme deshalb in Kaffeehäusern und schwadronierte stundenlang über Philosophie, Weltpolitik und das persönliche Empfindungsvermögen. Heute geht es hingegen viel geschäftsmäßiger zu, denn wer bei Networking-Events dabei ist, erwartet für seinen Eintritt schließlich auch einen Gegenwert. Darunter leider mitunter die Transparenz. Nicht nur aus diesen Gründen hat sich das fluidnetwork entschlossen, Wissen und Informationen durch eine Leseparade wieder zu revitalisieren.

Die Leseparade funktioniert folgendermaßen: Jede Woche stellt ein neuer Blog aus dem fluidnetwork die besten Lesestücke aller Teilnehmer aus den vergangenen Tagen vor. Das Mitmachen ist ganz einfach: Zur Teilnahme müssen nur URL, Überschrift, Zitat und eine eigene Einschätzung übermittelt werden. Der Medienlotse freut sich ganz besonders, die erste Ausgabe der Leseparade zu hosten. Alle Lesenden sind natürlich schon ganz gespannt auf eure Kommentare, Meinungen und Feedback.

 

“Bei Facebook wohnen wir nur zur Miete”
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“Bei Facebook wohnen wir nur zu Miete und leisten nun für den Vermieter die Luxussanierung pünktlich zum Börsengang!”

So sehr ich Facebook auch schätze, damit arbeite und selbst auch täglich meine Status aktualisiere empfinde ich die kritischen Gedanken von Julius Endert in seinem Beitrag auf Carta einleuchtend klar und auf den Punkt gebracht. Von der Warte des anstehenden Börsenganges von Facebook, ist seine Kritik schon angebracht. Was meint ihr? (gelesen von Jörn Hendrik Ast)

 

 

Bullshit http://www.flickr.com/photos/biggreymare/2920644058/sizes/m/in/photostream/

Myth #7: Everything Needs to be Digital
Actually, a lot of it is digital—in that most campaigns need to eventually circle around to digital at one point or another. That said, it’s one part of a whole. Radio still works. Billboards still work. Television ads still work (sometimes). Product placement still works. Coupons still work. Newspaper ads still work. Direct mail still works. Handing out food samples at the grocery store still works. When the legions are all carrying on about the new thing, it’s awfully easy to forget about all those other things that worked. Don’t do that. (And, for the record, I don’t care about your new app.)”

Eric Karjaluoto schreibt über 10 Mythen aus der Welt des Marketing. Das macht er laut, präzise, ätzend, pointiert – und lesenswert. Hier und da
würde ich mit ihm diskutieren. Beim beispielgebenden Mythos 7 sage ich einfach: Recht hast du, Eric. (gelesen von Valentin Heyde, Kommunikationsberater, Gründer und Geschäftsführer von “to be announced next month”.)

 

MyTaxi: Die Wut der Taxizentrale über Daimler und die fehlende Weitsicht http://www.flickr.com/photos/gi/122911257/sizes/s/in/photostream/

Wir stehen wie der Depp da

Mitte letzten Jahres, als ich gerade Design-Thinking (ein Prozess zum disruptiven Erfinden) beim HPI ausprobierte, hab ich sie selbst das erste Mal benutzt: die MyTaxi-App. MyTaxi ist eine disruptive Erfindung: vermutlich bleibt nichts mehr so wie es war in der Taxibranche. Die Taxizentralen werden jetzt erst wütend – und davon handelt der genannte Beitrag – und dann sterben sie aus. Oder vielleicht nicht ganz: denn ich bestelle immer noch oft ganz klassisch bei “Das Taxi” (in Hamburg die mit dem roten Stern), weil die FahrerInnen die sympathischten sind. (gelesen von Bernd Oestereich)

 

New structures – new designs http://www.flickr.com/photos/ppix/2305078608/sizes/s/in/photostream/

“What we have missed so far is an understanding of business structures that can foster faster learning and help us better work with information.”
“Work is interaction and the new business structures should be built on interdepedence and communication.”
“Communities, unlike business units need to continuously invite the interaction that makes them alive.”

Ein interessant geschlagener Bogen von konventionellen Organisationsstrukturen hin zu community architecture als eine Organisationsform der Zukunft. Im zweiten Teil des Textes spricht er von unterschiedlichem Ausmaß an Mitarbeit und Mitgestaltung – hier lässt sich weiterdenken: Was ist das Attraktive daran? Für mich zum Beispiel die Entscheidung eines jeden Einzelnen, in welchem Ausmaß man sich einbringen will. Und für Euch? (gelesen von Frauke Peter)

 

Why Every Entrepreneur Should Self-Publish a Book http://www.flickr.com/photos/beta500/97819986/sizes/s/in/photostream/

You don’t need 60,000 words. Do it in 20,000 words. Throw some pictures in. Just do it. Then when you meet someone and they ask for your business card, how cool will it be when you can say, “here, take my book instead.”

James Altucher erklärt in diesem Blogpost, warum und wie jeder Entrepreneur mindestens ein eigenes Buch auf den Markt bringen kann. Das macht er typisch amerikanisch – laut, überzeugend und mit der ultimativen Aufforderung, es ihm gleichzutun. Da bekomme selbst ich als frischer eBook-Autor Lust, gleich das nächste Projekt zu planen und es noch besser zu machen. (gelesen von Jan C. Rode, Medienlotse, freiberuflicher Kommunikationsberater, Dozent und Redner.)

 

 

Warum Storytelling immer wichtiger wirdhttp://www.flickr.com/photos/local_studies_nsw/6518792855/sizes/s/in/photostream/

People are disillusioned and lacking trust, and a new story infused with simplicity, aesthetics, beauty and grace will go far. I think many of us are looking for something resonant to believe in and stand behind, something that is in alignment with our deep desires, passions, values and principles.

Vanessa Amimies hat bereits vor einiger Zeit schöne Serie auf ihrem Blog gestartet: Essential Skills for 21st Century Survival. In diesem Beitrag über Storytelling erklärt sie, dass der Hunger nach guten Geschichten auch in Zukunft nicht abnimmt und gibt gute Link-Tipps (gelesen von Christian Riedel).

Das Internet macht dumm. Nicht.

30th Montag, 2012  |  Blog, Wissen  |  no comments

Twitter ist für die einen wahlweise die Klowand des Internets, für andere wiederum eine gefährliche Droge oder einfach nur die beste Lernmaschine. Derartige Kulturkämpfe rund um das weltweite Netz werden immer wieder mit harten Bandagen geführt. Deshalb wirft der Medienlotse nun seinen Hut in den Ring und räumt mit Vorurteil auf, das Internet mache dumm.

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Das Internet macht nicht dumm. Aber Zettelkataloge kosten viel Zeit.

Unser Gehirn verändert sich
Eine der größten Gefahren, so sind sich Wissenschaftler und Zeitungspublizisten einig, besteht darin, dass das Internet zusammen mit seinen verlockenden Angeboten unsere Hirnstruktur verändere. Das Hauptargument dabei lautet, dass Menschen ihr Wissen nicht mehr im Kopf vorhalten würden, sondern mittlerweile nur noch zu wissen bräuchten, wo sie dieses bekommen könnten. Ganz ähnlich lautete vor mehr als zehn Jahren auch die Einführung bei meinem Proseminar zur Bibliotheksrecherche. „Ein Historiker muss nicht jede Schlacht und jedes Ereignis im Kopf haben, er muss nur wissen, wo er danach suchen muss“, verkündete die schwarzbezopfte Studentin aus dem Hauptstudium damals. Die Bibliothek hatte gerade von der mühsamen Suche in Zettelkästen auf ein Onlinesystem umgestellt, welches die Recherche nach Schlagworten ermöglichte.

Pseudowissenschaftliche Ergebnisse
Dennoch geben sich die Gegner des Internets nicht so leicht geschlagen und bemühen immer wieder vermeintlich wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Veränderung der Gehirnstrukturen im Umgang mit dem Internet nahelegen. So sollten Studenten in Harvard 40 Bagatellaussagen in einen Rechner tippen. Der Hälfte wurde gesagt, die Daten würden gespeichert, die andere ging von einer Löschung aus. Zur Freude der Wissenschaftler und Auftraggeber merkte sich die Gruppe, die mit einer Löschung rechnete, die Daten besser. Doch wie wäre das Experiment wohl ausgegangen, hätten beide Gruppen für das korrekte Memorieren der Aussagen einen finanziellen Bonus bekommen? Rechtfertigung für diese und andere Untersuchungen ist übrigens die simple Fragestellung “Was haben wir früher gemacht, als wir noch kein Internet oder Smartphones hatten und Dinge wissen wollten?”.

Kulturkampf für Schafe
Mit derlei Untersuchungen und Schwarzmalerei lassen sich natürlich vortrefflich Forschungsgelder akquirieren, Bücher verkaufen oder Zeitungsauflagen vor dem Niedergang bewahren. Dabei ist die Änderung der Gehirnstrukturen per se nichts schlechtes, wie wir aus der Kleinkindforschung wissen. Schon Einstein hatte behauptet, dass wir höchstens 30 Prozent unserer Gehirnkapazitäten überhaupt nutzen. Warum also sollten Google, Wikipedia und das Internet plötzlich die Manifestation des Bösen überhaupt sein? Vermutlich sind die Wissenschaftler und Journalisten einfach nur unflexibel oder haben Angst, von den Digital Natives in ein paar Jahren aus dem Job gefegt zu werden. Und was ist aus dem Historiker geworden, der gerade noch um die Suche in Zettelkatalogen herumgekommen ist? Der freut sich, dass er nach über zehn Jahren einen Zeitungsartikel in voller Länger wiederfindet. Nicht im Mülleimer, sondern im Internet.

Data Sports

27th Freitag, 2012  |  Blog, Sport  |  no comments

Die Wintermonate sind ein Fest für die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Die Sportveranstaltungen der verschiedenen Weltcupverbände sind minutiös aufeinander abgestimmt und so ist es kein Problem, nach Biathlon in Oberhof, zum Langlauf in Val die Fiemme zu schalten und abschließend Skispringen in Lahti zu sehen. Schnell kommen an einem Wintersportwochenende so knapp 15 Fernsehsport zusammen. Das ermüdet selbst hartgesottene TV- und Bewegungsjunkies. Der Medienlotse zeigt, wie mit Datenjournalismus die Übertragungen noch attraktiver werden könnten.

http://www.flickr.com/photos/leguan001/339024385/

Durch Datenjournalismus könnte Biathlon am TV noch spannender werden!

Living a digital life
Die Übertragungstechnik ist schon seit Jahren digital, jetzt werden auch die letzten Empfangsgeräte auf die neue Technik umgestellt. Doch bei den Sportsendungen tut sich außer der Einführung neuer Kameraperspektiven und noch besserer Mikrofone wenig. Und so müssen Zuschauer tagein, tagaus ertragen, dass der Moderator beim Biathlon erwähnt, wie „die Athleten jetzt über die Huber-Alm fahren“ oder „Andrea Henkel mit Tim Burke zusammen trainiert“. Noch mysteriöser wird es, wenn Magdalena Neuner zu einer ihrer fulminanten Aufholjagden startet und auf 1,5km mal eben 20 Sekunden auf die Spitze aufholt. Der Laie am Schirm staunt, der Reporter auch.

Dabei wäre es leicht, die Athleten mit zusätzlicher Technik auszustatten. Schon jetzt tragen alle einen Transponder, der die Zeitmessung auslöst. Wäre es nicht denkbar, die Fraunhofer-RFID-Technik beim Wintersport einzusetzen? Dann wüssten die TV-Zuschauer endlich, wie hoch die Durchschnittsgeschwindigkeit der Sportler auf der Strecke ist und könnten sehen, wie sich Herzschlag und Atmung beim Stehendschießen verändern. Die TV-Anstalten werden hier in Zukunft noch viel Arbeit vor sich haben, denn immer mehr Zuschauer nutzen mit ihren Smartphones Apps wie Runtastic oder Jawbone. Da will niemand mehr Übertragungen sehen, die noch auf dem Stand von Thomas Gottschalks erster „Wetten, dass…?“ Sendung sind.

Doing digital business
Aber vielleicht ist der Veränderungsdruck beim populären Biathlonsport auch noch nicht so groß wie beispielsweise beim Eisschnelllauf oder der Nordischen Kombination. Vorreiter in der Digitalisierung ist wieder einmal die Fußballbundesliga. Dem geneigten Fußballfan wird es vielleicht schon aufgefallen sein: Seit dieser Saison gibt es zur Freude von Journalisten eine Flut von neuen Daten über die knapp 500 Erstligaprofis. So wissen Fans ganz genau, welche Kilometeranzahl das eigene Team beim Heimsieg gelaufen ist, wieviele Sprints vollzogen wurden und welcher Spieler die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht hat. Dahinter steckt die Impire AG, die mit einem Trackingsystem Positions- und Aktionsdaten (Pässe, Zweikämpfe, Tore, Fouls etc.) ermittelt. Das führte vor allem zu Saisonbeginn zu Schlagzeilen wie „Lauffauler Podolski“, doch mittlerweile hat sich die erste Erregung ein wenig beruhigt und die digitalen Daten sind zum selbstverständlichen Bestandteil der Sportberichterstattung geworden. Hoffentlich bald auch im Wintersport!

Welche Innovationen sind noch denkbar? Welche Datenvisualisierungen machen bei Live-Übertragungen überhaupt Sinn? Ich freue mich auf die Diskussion. Gerne auch am 15.2 auf der Social Media Week Hamburg zu meiner Session „Sport und Social Media“!

Medienlotse liest: Social Media und Location-based Marketing

25th Mittwoch, 2012  |  Blog, Marketingtrends, Wissen  |  no comments

Mittlerweile investierten immer mehr Großkonzerne und Markenartikler in Social Media. Doch wo bleiben eigentlich Handwerker, Freiberufler, Ärzte und Restaurants? Dabei bietet die Verknüpfung von Social Media und Location-based Marketing mittels mobilem und stationärem Internet handfeste Vorteile. Der Medienlotse erklärt, warum auch KMU dringend online sichtbar sein sollten.

Zum Buch
Social Media und Location-based Marketing ist ein grundsolides Fachbuch aus dem Hause Hanser. Ron Faber und Sönke Prestin stellen auf knapp 200 Seiten die wichtigsten Tools und Tricks für Neulinge im WorldWideWeb zusammen und erklären, wie bei Google Places ein Konto angelegt wird oder was sich hinter Check-Ins bei Diensten wie Gowalla und Foursquare verbirgt. Skeptiker werden es schwer haben, Online-Engagements Wirksamkeit und Wichtigkeit abzusprechen, denn zu Beginn jedes Kapitels zitieren die Autoren ausführlich Statistiken und Umfragen, die ihre Thesen belegen. Zudem finden sich an wichtigen Stellen im Buch immer wieder „Quick Facts“, die die vorherigen Seiten gut zusammenfassen und ein schnelles Lesen ermöglichen. Auch ein Index hilft beim späteren Nachschlagen weiter.

Die wichtigsten Argumente für ein Social Media-Engagement von KMU
Kleine und mittlere Unternehmen verfügen oftmals nicht über das Budget, um Radio- oder Fernsehspots zu schalten. Dennoch sind Empfehlungen von Kunden überaus wichtig. Bewertungswebsites wie Qype bieten mittlerweile einen guten Ausgangspunkt, um sich über Unternehmen oder Dienstleister zu informieren, die keine eigene Homepage haben. KMU können beispielsweise durch einen kostenlosen Eintrag in Googles Konkurrenzprodukt zu den Gelben Seiten – Places – entscheiden, ob sie sich als leblose Karteileiche oder lebendiges Unternehmen präsentieren wollen. Durch die immer größere Verbreitung von Smartphones macht das globale Internet nun auch für den Händler um die Ecke Sinn. Dank GPS können die Suchergebnisse auf lokale Angebote beschränkt werden.

Faber und Prestin beschreiben aber nicht nur Entwicklungen, sondern geben auch handfeste Tipps für die ersten Schritte. So sollen etwa negative Bewertungen nicht unkommentiert gelassen und vor einem Engagement mit einer Facebook-Fanpage für Kunden interessante Inhalte (Tipps zu Produkten, Blick hinter die Kulissen, Know-how, Aktionen) festgelegt werden. Am einfachsten fällt der Einstieg, sich als privater Anwender mit Location-based Social Media vertraut zu machen, ehe ein Firmenkonto angelegt wird. Fleischer, Bäcker, Gemüsehändler und Ärzte werden auch jetzt noch in vielen Städten und Regionen zu den Early Adoptern gehören und können in Ruhe Erfahrungen sammeln. Alle anderen sollten sich aber auch mindestens deshalb engagieren, um die Richtigkeit der Angaben über ihr Unternehmen auf diversen Plattformen zu monitoren.

FazitSocial Media und Location-based Marketing ist ein praktischer Leitfaden, der Einsteigern das Rüstzeug für die richtige Social-Media-Strategie liefert. Unternehmen können sich schon heute kostenlos und mit geringem Aufwand vor ihren Kunden positionieren. Abgerundet werden die praktischen Tipps durch Hinweise auf rechtliche Fallstricke (Impressumspflicht!) und einen Trend-Ausblick (u.a. Augmented Reality und NFC). Kurios: Mit dem Kauf des Buches erwerben die Leser/innen gleichzeitig einen Code, der das kostenlose Herunterladen als eBook ermöglicht.

Sie sind KMU, Arzt, Handwerker oder betreiben ein Restaurant? Haben Sie schon über Ihre Social Media-Strategie nachgedacht? Der Medienlotse unterstützt sie dabei mit Inhalten, Storytelling, Mitarbeiterschulungen und Community Management. Nehmen Sie noch heute Kontakt auf!

Medienlotse liest: Social Intranet

18th Mittwoch, 2012  |  Blog, Wissen  |  no comments

Als Kommunikationsverantwortliche/r in KMU kann einem mitunter schon angst und bange werden. Zu den bislang schon umfangreichen Aufgaben kommen neue Anforderungen wie Wissen teilen, Kommunikation fördern und effizient zusammenarbeiten hinzu. Der Medienlotse hat in dem von Frank Wolf herausgegebenen Buch Social Intranet viele Anregungen gefunden, wie sich das Intranet von einer Pinnwand und Tauschbörse zu einer Plattform für vielfältige Kollaboration- und Kooperation ausbauen lässt.

Enterprise 2.0 = Internet 2.0
Gleich zu Beginn haben die Autorinnen und Autoren gute Nachrichten parat: Alle Entwicklungen hin zum Intranet 2.0 sind im übrigen Web schon vorweg genommen worden. KMU verfügen dadurch mittlerweile über viele Best Practices und andere Beispiele, wie sich Arbeitsprozesse vereinfachen, die Zusammenarbeit über verschiedene Standorte hinweg verbessern oder Wissen einfacher auffinden lässt. Das wussten auch schon die 400.000 Beschäftigten, die zwischen 1961 und 1969 im Apollo-Projekt die Mondlandung vorbereiteten – allerdings ohne unsere modernen Kommunikationsmittel.

Von Praktikern für Praktiker
Obwohl Social Intranet gleich 19 verschiedene Autorinnen und Autoren vereint, verliert das Buch von Praktikern für Praktiker nie den Faden. Anhand eines Modells zur Einführung eines Social Intranet innerhalb eines KMU werden detailliert einzelne Schritte unter den Clustern „Strategie und Change Management“, „Inhalt und Governance“ sowie „Technische Plattform“ beschrieben. Jedem Beitrag ist eine Grafik vorgestellt, die Lesern sofort Auskunft gibt, welches Thema innerhalb des Socia-Intranet-Vorgehensmodells beschrieben wird. Abgerundet wird die Darstellung durch gut dokumentierte Beispiele aus der Praxis von ING-DiBa, Deutsche Telekom und SAP.

Planen und Improvisieren
Besonders hervorzuheben sind die Beiträge von Herausgeber Frank Wolf (Zwischen Planung und Improvisation) sowie Karsten Wendland (Kultur- und Technikgestaltung in Social-Intranet-Projekten). Während Wolf das auf den ersten Seiten eingeführte Modell nochmals präzisiert und somit die Struktur für die kommenden Beiträge legt, beschäftigt sich Wendland mit den praktischen Problemen beim Umbau der alten Mitarbeiterplattform zum Intranet 2.0: Zunächst müssen Entscheider und potenzielle Benutzer auf die neuen Gegebenheiten eingestellt werden (Stichwort: Kulturwandel, Change Management“, ehe die technische Ausgestaltung in den Fokus rücken kann.

Fazit: Anders als andere Fachbücher, gibt Social Intranet früh einen Leitfaden vor und ermöglicht – ohne das Gefühl etwas zu verpassen – zielorientiertes Querlesen. Dennoch unterscheiden sich die Beiträge in Länge und Qualität, was sich jedoch bei dieser großen Anzahl leider nicht vermeiden lässt. Einige Fallbeispiele fokussieren sich auch zu sehr auf die Erfolgstory, dabei wäre für einige Leser der steinige Weg mit unzähligen Diskussionen, der Überzeugungsarbeit bei Vorgesetzten und den Schwierigkeiten bei der technischen Umsetzung sicherlich noch etragreicher gewesen. Insgesamt richtet sich das Fachbuch an Entscheider in KMU, die entweder vor der Einführung eines Intranet 2.0 stehen oder sich professionell auf die Thematik vorbereiten wollen. Während Bücher aus den USA an der einen oder anderen Stelle mit einer gehörigen Portion Emotion das Thema Social Intranet behandelt hätten, geht es bei der Publikation aus dem Hause Hanser sehr sachlich und nüchtern zur Sache.

Sie wollen nun auch ein Social Intranet in Ihrem Unternehmen einführen oder stehen kurz davor? Dann leihe ich Ihnen bei unserem ersten persönlichen Gespräch nicht nur das hier besprochene Buch, sondern unterstütze Ihre Firma / Abteilung bei den Themen “Inhalte, Autoren, Redaktionsprozess”, “Schulung Redakteure und Community-Manager” sowie “Anwendungsfälle für Communities und Zusammenarbeit intern”. Stellen Sie noch heute Kontakt her!

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