Big Data + Wissen: Rettung für den Journalismus?

25th Dienstag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Hach, früher war alles noch einfach. Science Fiction war Science Fiction und man konnte sicher sein, dass es noch lange dauern würde, bis der Warp-Antrieb tatsächlich erfunden wird. Das ist auch jetzt noch nicht der Fall, aber der aus Star Trek bekannte Tricorder dürfte schon bald beim Medienkonsum zum Einsatz kommen. Schon jetzt bietet beispielsweise You Tube automatisierte Playlisten auf Basis der vorherigen Klicks und Favoriten und Algorithmen arbeiten bereits daran, simple Texte automatisch zu erstellen. Doch wie geht es mit Medien und Journalismus im Zeitalter von Big Data weiter?

Nicht Daten, sondern Wissen
Der derzeitige Hype um das Schlagwort „Big Data“ und dazu gehörende Diskussionen über „Open Data“ erinnert doch stark an die Planungseuphorie der frühen 1960er Jahre. Auch damals sorgte die technische Entwicklung für einen wahren Schub und anders als heute glaubten Politik und Verwaltung, mit neuen Rechenmaschinen bessere Planungen für Autobahnen, Städte oder Ausgaben realisieren zu können. Doch spätestens mit den Ölkrisen der 1970er war klar, dass das Wachstum an ein Ende gekommen und die schönen Datenmodelle nichts mehr wert waren.

Zwar sind die heutigen Datenquellen umfangreicher und viel genauer und auch gibt es schon tolle Beispiele für gelungenen Datenjournalismus, dennoch wird sich Datengläubigkeit jenseits von Geschäftsmodellen auch diesmal nicht durchsetzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Solange noch  nicht jedes Kind programmieren kann und ein Großteil der Deutschen Offline ist, werden Journalisten und Medienmarken gebraucht, die die Welt erklären können und aus Wissen und Erfahrung schöpfen. Dennoch wird es sich nicht vermeiden lassen, dass sich ein Großteil unserer Medienlandschaft transformiert und mit Angeboten sie SZ-Die Recherche neue Relevanz schafft.

Nicht Wissen, sondern Daten
Doch bevor die Maschinenstürmer in den deutschen Vorstandsetagen frohlocken, ganz so weit ist es dann doch nicht. Wollen journalistische Angebote auch in Zukunft überleben, müssen sie mehr als bisher auf Big Data setzen. Nur wer seine Zielgruppen in- und auswendig kennt, wird den richtigen Content zum richtigen Zeitpunkt / im passenden Kontext anbieten können und die User begeistern. Dabei dürfte dieser Schritt den meisten Verlagshäusern nicht allzu schwer fallen, denn schon seit jeher gehörten sie zu den größten Datenhändlern im Direktmarketing.

Derart betrachtet erscheint die Transformation eine einfache IT-Herausforderung zu sein, die vom Standort Deutschland locker bewältigt werden könnte, wenn nicht die Vorbehalte gegen Big Data und Co. nicht so groß wären. Anstatt in die USA zu schauen und die dort herrschende andere Auffassung von Privatsphäre und Datenschutz zu beklagen, könnten gerade Big Data-Lösungen „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt und in der journalistischen Szene positiven Widerhall finden. Derzeit scheinen nur Unternehmen wie Springer erkannt zu haben, dass Investitionen in digitale Themen das journalistische Angebot mittelfristig am Leben erhalten. Mithilfe von Big Data können Contentproduzenten aber endlich wieder zu den Gewinnern zählen und deutlich sicher auf eigenen Beinen stehen.

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Sport Marketing Future

17th Montag, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

As you know, I am very interested about the future of sport and sport marketing. So there couldn’t have been a better fit, when I was invited by Alan Seymour to chair the panel on “Fan Engagement and New Media” during the “Future of Sports” conference at the University of Northampton. In this blogpost I want to share what I’ve learned about the sport marketing future during my days in the UK.

Gamification
Being a trending topic for almost two years now, gamification seems to have gripped marketers on a global level. Roughly said, during gamification fans interact with brands and get rewards in forms of virtual points, which can later be used in stores or signed merchandise. A good example is Fanpower, where football fans are engaged on a 24/7 basis and not just only on matchdays. I expect more and more sponsors to realize the gamification opportunities for their brands. Even more so of the official DFL license Fanpower now holds.

Augmented Reality
Demand and prices for advertising panels are high and new solutions desperately needed. AR offers an interesting solution. The likes of “Mixed Reality Marketing AG” are capable of using a ticket or stadium magazine to offer additional content and thus are creating new potential for sponsors. Imagine sitting in the ground and using the AR technology on your smartphone, when suddenly Lionel Messi or Mesut Özil would appear on your screen with a personal message. Check it out, but be fast about it!

Jersey 2.0
As Bill Sutton described in his tremendous keynote at the conference, team jerseys or kits are in high demand by fans. So why not linking their emotional relation to the clothing with sponsor content? Fans of Tampa Bay Lightning can already use their jersey for discounts in selected shops. Equipped with an RFID chip (which became infamous in Germany pre-WC 2006) the shirts can help sponsors to play a more important role in the fan’s every-day-life. At the moment, the technology seems to be too costly to be implemented on a wider scale, though.

Death of Season Tickets?
What do you do, when you invest time, money and emotion on your team but get almost nothing in return due to bad performances? You might reconsider your decision to renew the season ticket. Bill Sutton thinks that time share models like Hilton Honors will become more popular in the US leagues. More people think twice, before spending three hours at an NFL match and seeing the ball in play for approx. 15 mins only. “Venues, TV operators and the content has to change a lot, if they want to survive” says Sutton. The alternative is to buy a seat location, based on points system to up and downgrade.

Conclusion
The US sport market remains far ahead of other markets in the world, but has created certain individual problems which do not apply to other sports or countries. Emerging sports and young clubs often have no other choice than embracing social in media in order to attract fans, sponsors, money and media. But established clubs and sports need to think more about new sport marketing strategies, including gamification and augmented reality.

I’m happy to help, so do contact me now for new ideas on sport marketing!

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Neue Wege der DFL

10th Montag, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

Es hat lange gedauert, nun wird es aber besonders gründlich. Die Rede ist von der Auslandsvermarktung der DFL. Nachdem die Liga bis noch vor wenigen Jahren ihre TV-Rechte überhaupt nicht vermarket hat, startet der Verband nun im Rahmen einer internationalen Markenstrategie auch im Digital-Bereich endlich durch, wie auf dem Sports Media Summit in Köln deutlich wurde. 

Das Team um Dr. Jan Lehmann, Direktor Strategisches Marketing und Produktmanagement  bei der DFL, ging dabei streng nach Lehrbuch vor. Zunächst wurden im Rahmen der globalen Ausrichtung fünf Handlungsfelder identifiziert: Produkte (wie Highlightclips), B2B-Marketing, B2C-Kommunikation, Digital und lokale Events, beispielsweise Freundschaftsspiele von Bundesligisten im Ausland. In einem weiteren Schritt kam es zur Analyse von Medien, Sponsoren, Clubs und Volkswirtschaften in knapp 30 Ländern. Am Ende blieben zehn Zielmärkte übrig; dazu zählen laut Lehman nun Brasilien, USA, Polen, Russland, Türkei, China, Japan, Indien, Malaysia und Afrika (hier: Kenia, Nigeria, Ghana und Südafrika).

Nun gibt es in einer Matrix für jedes Land und Handlungsfeld konkrete Maßnahmen, die allerdings von der DFL noch wie die Kronjuwelen gehütet werden. Lehmann verriet nur, dass die Verhandlungen mit You Tube bereits zu einem Erfolg geführt hätten. So sollen aber der kommenden Saison etwas andere Highlights, BestOfs und Hintergründe im Videonetzwerk laufen. Die DFL sieht hier nur wenig Monetarisierungschancen, sondern setzt bei der weltweit zweitgrößten Suchmaschine auf Fanbindung. Deutsche Zuschauer werden allerdings in die Röhre blicken – oder wissen müssen, wie das Geoblocking umgangen werden kann.

Weitaus schwieriger scheint jedoch eine Einigung mit Twitter. Interessant: Lehman verwies bei den Möglichkeiten hier auf den Abschluss der NBA mit dem Microbloggingdienst. Während der Playoffs postet der Verband Content, der von Twitter um Videos ergänzt wird. So könnte bald Standard werden, was auf dem Sport Media Summit noch als Innovationspreis ausgezeichnet wurde: Sky bekam für seine Live-Werbung während einer Champions League-Begegnung den begehrten Branchenpreis. Sicher ist jedoch eine neue neue DFL-Präsenz bei Instagram. Ein mutiger und richtiger Schritt, denn die Clubs lassen hier noch viel brach liegen.

 

This is how I tweet

3rd Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  1 comment

Schon wieder eine Blogparade beim Medienlotsen? Ja! Denn gleich zwei Gründe sprechen dafür: Erstens sind diese Paraden immer wieder abwechslungsreich und helfen, mehr über andere Webworker herauszufinden (siehe hier und hier). Darüber hinaus helfen sie auch bei der für Freelancer so wichtigen Selbstreflexion. Und zweitens geht es bei dieser Blogparade um mein Lieblingsthema Twitter. Wer noch nicht dabei ist, sollte sich unbedingt einen Account zulegen und aktives Reputationsmangement beginnen. Achso: Aufgeschnappt habe ich das Blogstöckchen bei Carolin Neumman, die es wiederum bei Ulrike Langer gefunden hat. 

 Wer bist Du auf Twitter?
Auf Twitter bin ich zunächst @jancrode. Diesen Account habe ich seit fast vier Jahren. Damit gehöre ich aber noch längst nicht zu den First Movern. Zwar hatte ich vor meiner Anmeldung schon viel vom Dienst gehört, doch ehrlich gesagt konnte ich mir unter einer „SMS an alle“ gar nichts richtig vorstellen. Das änderte sich schlagartig, als ich Klaus Eck für einen Kunden interviewte und wir im Nachgang noch ein wenig über Twitter plauderten. Da war mir klar: Du musst dich sofort anmelden; auch, um das eigene Reputationsmangement zu forcieren. Seitdem hat sich meine Twitternutzung vervielfacht und ich habe neben meinem privaten Account auch noch @medienlotse für mein Freelancer-Label und @96notbremse96 für das weltbeste Hannover 96-Fanzine. Darüber hinaus betreue ich auch immer wieder Accounts für Kunden oder mache bei Location-Curation mit, zuletzt bei @WeareHH.

Nutzt Du Twitter vorwiegend privat oder beruflich?
Privat. Ich habe festgestellt, dass es keinen Sinn macht, auf Krampf ein Online-Ich zu kreieren.  Seitdem ich auch auf @jancrode zu Fußball, TV und allem anderen möglichen twittere, steigen meine Followerzahlen. Für Business-Content nutze ich nun verstärkt @medienlotse.

Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?
Das kann ich gar nicht genau beziffern. Der erste Griff nach dem morgendlichen Gähnen geht immer zum Smartphone und dann zu Twitter. Während der Arbeit ist Tweetdeck immer offen. In den kleinen Prokrastinierpausen lese ich dann immer nach, was meine Timeline so treibt. Und abends auf dem Sofa ist Twitter auch immer dabei, wenn über TV-Moderatoren oder den neuen Tatort gelästert wird.

Auf welchen Social Media-Kanälen bist Du aktiv?
Auf vielen. Gestartet bin ich mit XING, danach folgten Facebook, Foursquare, Google+ und LinkedIn. Alles sind mir wichtig und ich versuche, meine Follower, Fans und Kontakte auf jedem Kanal anders anzusprechen. Mir ist es ein Graus, wenn selbsternannte Social Media-Experten von Facebook zu Twitter crossposten oder nur ihre Check-Ins egomäßig unters Volk bringen…

Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?
Twitter ist die klare Nummer eins. Hierüber habe ich mich schon spontan zum Mittagessen verabredet, interessante Menschen und Meinungen kennengelernt und sehr, sehr oft auch schon herzlich gelacht. Und in globalen Krisenlagen wie dem Attentat beim Boston Marathon kommen Infos über Twitter oft schneller rein als bei den herkömmlichen Massenmedien.

Organisierst Du Tweet-ups bzw. nimmst Du daran teil?
Organisiert habe ich wohl noch keins, aber ich habe schon an vielen teilgenommen, darunter #twittgluehn, Twocktail und natürlich der legendären Twittnite.

Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?
Als permanentes Sonderkorrespondentennetzwerk ist Twitter für mich Inspirationsquelle Nr.1. Durch die segensreiche Retweet-Funktion dringt meine Timeline jeden Morgen in Sphären vor, in denen sie selten zuvor gewesen ist. Darüber habe ich schon so viele Texte und Artikel gelesen, die mir sonst durch die Lappen gegangen wären und alle auf ihre Art nun für mich sehr, sehr wichtig geworden sind. Das reicht vom republica-Nachbericht über Livereportagen aus Istanbul bis hin zu Ausblicken ins digitale Sportbusiness.

Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?
Ein „Sehr gut“ mit Sternchen und Auszeichnung am langen Band. Twitter ist das Internet, Inspiration und einfach nur Freude.

Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?
Ich bin recht anspruchslos und nutze den Dienst meistens pur. Deshalb auf dem Desktop Tweetdeck, unterwegs/mobil die offizielle App.

Die Nächsten, bitte!
Das #BTStöckchen gebe ich weiter an @dogfood @benjsto und @pburmester.

 

Bildnachweis: Stefan Groenveld für klarmobil.de

Braucht Hamburg eine/n Digital-Senator/in?

27th Montag, 2013  |  Blog, Marketingtrends, Wissen  |  2 comments

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass sich Städte vergleichbarer Größe in einem globalen Wettbewerb befinden. Viele versuchen, mit exklusiven Events wie Olympischen Spielen oder spektakulären Bauwerken international bekannt zu werden. Inzwischen gehört es ebenfalls zum guten Ton, innerhalb der eigenen Mauern eine lebhafte Digital- und Startupszene vorzuweisen. Während Berlin, Amsterdam und San Francisco dafür ordentlich PR in eigener Sache machen, hält sich Hamburg (noch?) vornehm zurück.

Dabei ist der Wille zur Veränderung durchaus vorhanden, wie Uwe Jens Neumann, Vorsitzender von Hamburg@work etwa anlässlich der Verleihung des Webfuture Awards 2013 sagte: „Wir haben in den vergangenen Jahren ein wenig den Kontakt zu Basis verloren; dass soll sich wieder ändern“. Zudem tagt unter Leitung der Senatskanzlei regelmäßig einThink Tank bei dem der Schreiber dieser Zeilen ebenfalls von Beginn an dabei ist. Vermutlich ist der Abstand zu den vorgenannten Städten aber bereits zu groß und es wäre eine Verschwendung von Zeit, Ressourcen, Kraft, Kreativität und Energie, um dieses Delta wieder zu schließen.

Warum also der ersten Welle angestrengt hinterherlaufen? Warum dann nicht lieber auf die zweite Welle warten, um ganz oben auf dem Kamm zu surfen? Nun, auch ich muss zugeben, dass ich es zunächst befremdlich fand, dass sich Hamburg – anstatt sexy zu sein – lieber reich und profitabel gibt. Aber nun soll es so sein und dann muss dieses Pfund auch entsprechend genutzt werden. Ob nun am Ende eine Digital Revenue Academy herauskommt, wie von Meinolf Ellers, Geschäftsführer von dpa-infocom gefordert oder doch die Internet-Insel ist noch nicht entschieden.

Eines kann nach einem Jahr Think Tank und Hamburg@work-Renovierung aber schon festgehalten werden: Es ist gut, dass relevante Entscheider zusammenkommen, nur fehlt eben noch die zündende Idee oder der letzte Drive, um eine nachhaltige Kursänderung herbeizuführen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in Hamburg niemanden gibt, der die neuen digitalen Strömungen glaubhaft verkörpert. Der Datenschutzbeauftragte Caspar kommt eher zerknittert rüber, Otto kämpft selbst mit dem Umbau zum E-Commerce-Konzern und Google und AirBnB vertreten zunächst die eigenen Interessen.

Warum also in der kommenden Legislaturperiode nicht eine/n Digital-Senator/in berufen? Personen wie Nico Lumma (SPD) oder Katharina Wolff (CDU) sind nicht nur beruflich eng mit der Szene verbandelt, sondern schaffen es durch ihre Sichtbarkeit auf Events und innerhalb der sozialen Netzwerke auch immer wieder, wichtige Brücken zu schlagen. Alleine durch die Berufung würde Hamburg national und international wieder auf die digitale Landkarte kommen. Damit das Amt aber auch mehr als nur Eröffnungsreden von Computerräumen oder Spatenstichen für Breitbandkabel besteht, muss die Amtszeit mit einem konkreten Projekt verknüpft werden.

Zur Inspiration sollte Hamburg nicht in andere Hafenstädte schauen, sondern sich eher an europäischen Staaten wie Estland, Lettland, Litauen oder Slowenien orientieren, die eine ähnliche Bevölkerungszahl und administrative Struktur haben. So könnten das flächendeckende freie W-Lan oder die Einführung von Code an Grundschulen zu Leuchtturmprojekten des/der Digital-Senator/in werden. Die Ausgaben dafür können gut und gerne aus dem Marketing-Etat genommen werden; rechnen dürfte sich das allemal.

This is how I work

20th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  2 comments

Wenige Tage vor der re:publica erfuhr die deutsche Blogosphäre einen neuen Schub. Nach Impulsen aus Österreich machten sich nämlich der geschätze Daniel Rehn und Luca Hammer daran, die hiesigen Blogs in einer riesigen, datengefüllten Grafik zu verorten, um die vielfach noch überschaubaren Verknüpfungen der Bloggerinnen und Blogger untereinander zu visualisieren. In der dazugehörigen Facebook-Gruppe startete Luca nun eine Blogparade, die sich dem Thema “This is how I work” widmet und – na klar – auf das Bloggen gemünzt ist. Der Medienlotse lässt es sich natürlich nicht nehmen, daran teilzunehmen.

Blogger-Typ
Zum Start bloggte ich noch täglich, nicht zuletzt, um mir einen Namen zu schaffen und innerhalb der Hamburger Kreativszene sichtbar zu werden. Mit dem immer größeren Projektvolumen, was ich als Medienlots stemme, stellte ich schließlich auf eine wöchentliche Veröffentlichung um. Zugegeben, dass hat im vergangenen Jahr nicht immer geklappt, aber mit den Iron Blogger Hamburg kam die Motivation auch wieder. Seitdem fällt es mir umso leichter, neue Themen zu finden und meine Postings zu planen. Das hatte ich vorher eigentlich nie gemacht, weil ich das Gefühl hatte, von einer zu engstirnigen Themenplanung eingeengt zu werden. Mein Blog soll zwar zuallerst meiner beruflichen Reputation dienen, aber darüber hinaus auch immer etwas Spielwiese bleiben und den einen oder anderen Seitenblick ermöglichen.

Gerätschaften digital
Ein klassischer Dreiklang: Laptop, iPhone, iPad. Wobei das Laptop (angeschafft mit Aufnahme meiner Freiberuflichkeit 2011) mein Hauptblogtool ist. Sobald mir eine Idee kommt, wird der Artikel runtergeschrieben, gegengelesen, ein Foto gesucht und veröffentlicht. Das geht am Laptop einfach am Besten, zumal wenn man die eigene Tastatur wie auf dem Effeff kennt.

Gerätschaften analog
Auf der re:publica habe ich mich erstmal bei simyo eingedeckt. Am Stand konnte man sich nicht nur einen Akku leihen, sondern auch ein tolles, ringgeheftetes Notizbuch mitnehmen, welches mich seitdem auf allen Terminen begleitet. Wer mich unterwegs trifft, wird mich meist auch analog arbeiten sehen. Bei mir geht es einfach am schnellsten, die Notizen aufzuschreiben und dann in einem weiteren Schritt am Laptop in einen Artikel zu gießen.

Arbeitsweise
Ich mag es absolut nicht, direkt im WordPress-Editor zu arbeiten. Hier fühle ich mich eingeengt und deshalb greife ich immer noch auf das gute, alte Word zurück. Dort werden mir nicht nur Tippfehler angezeigt, sondern ich kann auch überprüfen, wie lang meine Artikel sind. Mein Ziel ist es, nicht nur kleinere Scherzbeiträge zu veröffentlichen, damit ich mein Soll für die Iron Blogger erfülle, sondern guten Content zu produzieren, der zum Kommentieren und Diskutieren anregt.

Wel­che Tools nutzt du zum Blog­gen, Recher­chie­ren und Bookmark-Verwaltung?
Ich bin ganz offen: Twitter und neuerdings mein eigenes Magazin auf Flipboard nutze ich für die Inspiration. Die meisten Ideen für neue Artikel kommen mir aber wirklich, wenn ich mich mit anderen Menschen unterhalte, ihnen auf Konferenzen begegne oder in einem Vortrag sitze.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Mit dem einfachsten und leistungsfähigsten System der Welt: Meinen Kopf. Momentan habe ich nur eine neue Idee für einen Post, der mir in einem Gespräch mit Peter Kabel von der HAW Hamburg auf der re:publica kam. Ansonsten entscheide ich häufig spontan, worüber ich bloggen möchte. Meist dreht es sich aber immer um den Kontext Sport, Digitales und Wissen.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen im Internet?
Bloggen macht Spaß und ist auch mehr als ein Hobby, deswegen ist Zeitsparen in diesem Kontext schonmal falsch. Für mich funktioniert es wie gesagt am besten, die Artikelidee in Word zu hämmern und danach dann den Text zu WordPress zu transferieren, ehe ich mich um die Bebilderung kümmere. Da setze ich mittlerweile fast ausschließlich auf CC-Grafiken von flickr. Spart ungemein viel Zeit, denn manchmal dauert die Bildersuche fast genauso lang wie das Texten. Und das muss nun wirklich nicht sein.

Benutzt du eine To-Do-List-App?
Nein, ich schreibe mir die kommenden Aufgaben immer schön brav in mein Notizbüchlein. Das ist groß und besonders auffällig, also komme ich nicht umhin, täglich hineinzuschauen und meine Tasks zu überprüfen und neue hinzuzufügen. Dann muss man sich auch nicht mit ständig neuen Apps herumquälen.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Seit einiger Zeit möchte ich meinen Kindle nicht mehr missen. Es verlang immer noch sehr viel Disziplin von mir, nicht sofort im Buchladen ständig ein neues Buch zu kaufen, wenn mir Titel und Inhalt gefallen. Ansonsten wäre ich schon längst an Tonnen von Büchern zu Hause erstickt. Auch wenn Giganten wie Amazon nicht gut für den Einzelhandel sind, ist der Kindle doch die richtige Lösung für die Digitalisierung.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Jetzt wäre eigentlich Zeit für den Werbeblock, aber ich will mal ein wenig Dampf rausnehmen. Ich behaupte aber gerne von mir, eine fixe Auffassungsgabe zu haben und komplexe Sachverhalte zielgruppengerecht zu verpacken. Ich denke, das stimmt auch. Meine Kunden scheinen das nämlich zu mögen :-)

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Da ist die Bandbreite doch recht groß: Entweder, ich lausche MTH House oder greife auf meine eigene MP3-Sammlung zurück. Dann höre ich am liebsten Live-Sets aus dem Electro-Bereich oder schaue, was meine Lieblingsartists in der Zwischenzeit auf Soundcloud veröffentlicht haben. Manchmal schwenke ich aber komplett um und höre NDR Kultur – herrlich beruhigend und irgendwie auch erhebend.

Wie ist dein Schlafrhythmus?
Wie bei den meisten auch: Morgens hoch und irgendwann nach heute-journal und tagesthemen ins Bett. Aber nie ohne Buch!

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Extrovertiert. Muss man als Freelancer irgendwie auch sein, sonst kommt man an keine Jobs oder Projekte ran. Und da Menschen meine Hauptinspirationsquelle für neue Blogideen sind, fällt es mir leicht, auf sie zuzugehen.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Maybe I should try this again in English, eh? Und natürlich alle anderen Iron Blogger aus Hamburg.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?
Mich bei Twitter anzumelden und darin nicht eine “SMS an alle” zu sehen, sondern eher ein permanentes Sonderkorrespondentennetzwerk.

Bild von hgjohn auf flickr.

rp13 – So war’s

13th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Eigentlich passte mir meine erste re:publica so gar nicht in den Kram. Als Freelancer bedarf es schon einiger Vorplanungen, um mal drei Tage komplett abzuschalten und Kunden Kunden sein lassen. Obwohl mich das Programm nicht vom Hocker riss, freute ich mich auf die Tage in der Hauptstadt, denn ich war mir sicher, viele bekannte Gesichter aus Hamburg wiederzusehen. Ich war aber auch ziemlich gespannt, wieviele neue spannende Personen ich kennenlernen würde. Anstelle eines globalen Rückblicks präsentiert der Medienlotse noch einmal die Sessions die er besuchte, nun ergänzt um seine Eindrücke. (Sofern Videos zu den Sessions vorliegen, sind diese verlinkt).

Montag, 6.5

12.15-13.15, Aufruf zum metakulturellen Diskurs
Dueck konnte meinen Erwartungen leider nicht gerecht werden. Erst fühlte ich mich in eine Comedy-Sendung versetzt, als das kleine nuschelnde Männchen auf die Bühne tapste und mit der Technik kämpfte. Natürlich macht es immer Sinn, über den Tellerrand zu blicken, doch dafür gehe ich nicht auf die re:publica, um mich von einem unterhaltsamen Ex-Manager belehren zu lassen. Immerhin lernte ich ein neues Wort: Ethnozentrismus. Damit ist eine Sicht der Dinge gemeint, in welche die eigene Gruppe der Mittelpunkt von allem ist und alle anderen Meinungsäußerungen mit Bezug darauf gewertet werden. Als Dueck schließlich zum Hauptteil kam, ging ich schon wieder: Um den Übergang in die Wissensgesellschaft zu illustrieren und die Notwendigkeit für ein neues Menschenbild herauszukehren, nutzte er Spiral Dynamics – ein Konzept welches mir schon seit längerem bekannt ist.

13.30-14.30, Code Literacy – Verstehen, was uns online lenkt
Hier wurde es schnell sehr voll, doch der Raum leerte sich, als klar wurde, das hier der Versuch eines Workshops unternommen wurde. So fanden sich auch nur eine Handvoll Teilnehmer, die jeweils über die notwendigen Code-Kenntnisse von Politikern, Müttern, Netzaktivisten und Jugendlichen reden wollten. Leider war die Qualität der Arbeitsergebnisse sehr unterschiedliche und einige Teilnehmer hörten sich bei der Abschlusspräsentation wohl auch sehr gerne reden, sodass die Session in Zeitnöte geriet. Trotzdem wurde deutlich, dass mit der Digitalisierung mehr gemeint ist als “nur” Technik und IT, denn erstere betrifft zunehmend alle gesellschaftlichen Bereiche. Erfreulicherweise wurde noch festgestellt, dass Medienkompetenz insbesondere für Jugendliche wichtiger sei als Programmierkenntnisse.

14.45-15.45, YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube
Definitiv eines der Highlights des ersten Tages. Die Session von Bertram Gugel und Markus Hündgen strotzte nur so vor Informationen. Sicherlich wussten nur die wenigsten, dass YouTube in Deutschland bei den Mitgliederzahlen mittlerweile vor Facebook liegt und die 12-18-jährigen innerhalb einer Woche zu 95% das Videoportal nutzen, nur 68% jedoch Facebook. Mittlerweile haben auch TV-Sender und andere Mediennetzwerke die Potenziale erkannt, doch es braucht Zeit, sich eine Community aufzubauen. So wurde nur einer der Topkanäle nach 2008 ins Leben gerufen. Spannend wird auch die Einführung von Paid Content bei You Tube. Schon jetzt Helfen Fans ihren Stars, indem sie die vorgeschaltete Werbung bewusst anschauen, um Umsätze zu generieren.

16.00-17.00, Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?
Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten: Thomas Knüwer interviewte ich kürzlich für den Next Media-Blog; Ulli Hegge war vor einiger Zeit mal mein Gast im Social Media Club Hamburg. Doch mehr Neues lernte ich nicht. Zwar bemühte sich Jeannine Michaelsen, vielen vielleicht noch bekannt als EM-Twittermädchen vom ZDF, Wissen zu transportieren, doch schnell driftete die Session in eine Werbeveranstaltung von comdirect ab. Natürlich muss die re:publica auch Geld verdienen und Sponsoren Raum geben, jedoch nicht indem man sie sich selbst überlässt.

17.15-17.30, Zivilkapitalismus. Wir sind die Wirtschaft
Auch wenn Wolf Lotter die meiste Zeit seines Vortrages nur vom Blatt ablas und weite Teile seines Buch-Manuskriptes vortrug, wusste der Brand Eins-Mitgründer zu fesseln. Sein Konzept vom Zivilkapitalismus scheint eine echte Alternative zu sein. Kurios: Noch während Lotter vortrugt, retweetete sein Account Meinungsäußerungen der Anwesenden. Das im Herbst erscheinende Buch kommt definitiv auf meine Shortlist.

17.30-18.45, Immer dieses Internet
An diesem Punkt griff meine erste spontane Programmänderung. Die Ankündigung dieser Session war so interessant, dass ich nach Lotter gleich sitzenblieb, um den alten SPEX-Philosophen Diedrich Diederichsen und Digitalikone Mercedes Bunz zu lauschen. In einem kurzweiligen Gespräch umkreisten beide den Status Quo des Internets. Einziger Wehmutstropfen war die als Frage getartne Anklage, dass es sich bei dieser Session nicht wie angekündigt um ein Gespräch, sondern eher um ein Interview gehandelt hätte. Als ob das einen Unterschied macht…


Dienstag, 7.5

10.30-11.00, 10 tips to grow your Positive Entrepreneurial Energy
Schon als Catherine Barba in den vollen Raum kam, strahlte ihre positive Präsenz auf viele Besucher aus. Obwohl sich ihre 10 Tipps vornehmlich an Entrepreneure richten, können viel mehr Menschen damit etwas anfangen. Zu den wichtigsten Ratschlägen der Unternehmerin zählt, bereit zu sein, Risiken einzugehen, sich mit positiven Menschen zu umgeben und den richtigen Mentor auszuwählen. Triebfeder hinter all dessen sollen nicht etwa Geld, Erfolg oder Ruhm sein, sondern: “Life is short”, verkündete die Französin. Schade, dass die Sessions auf Stage 6 und 7 nicht aufgezeichnet oder bisher noch nicht hochgeladen wurden.

11.45-13.00, Das Ende der Arbeit – Wenn Maschine uns ersetzen
Wieder eine Änderung im Programmablauf, die sich aber ordentlich gelohnt hat. In seinem Vortrag stellte Johannes Kleske von Third Wave Berlin zunächst sein Gedankenmodell vor (Observe – Orient – Decide – Action), ehe es näher in die Thematik ging. Schon jetzt sorgt der maschinenbasierte Aktienhandel immer wieder für große Aufregung, wenn es zu Minicrashes kommt  und die Maschinenproduktivität wird weiter exponentiell wachsen. So scheinen sich zwei Richtungen ausmachen zu lassen: Auf der einen Seite die Maschinenstürmer, denen die Borg gegenüberstehen, die jedweden technischen Fortschritt unüberlegt bejubeln. Kleske forderte zudem ein Vokabular für das 21. Jahrhunderts und stimmte seine Zuhörer darauf ein, dass die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sicher kommen. Falls ThirdWave noch Freie sucht: Ich habe Interesse!

13.45-14.45, Browser Fingerprinting: Tracking ohne Spuren zu hinterlassen
Henning Tillmann stellte hier seine Abschlussarbeit vor, deren Ergebnisse er im Sommer auch der breiten Internetöffentlichkeit zugänglich machen will. Browser Fingerprinting ist ein weiterer Weg neben Cookies, um User und deren Transaktionen im Netz zu tracken. Daneben gibt es aber auch Flashcookies und Cahcegrafiken, die derlei Profile erstellen können. Tillmann wies nach, dass sich User zu 93% schon anhand ihrer installierten Plugins einwandfrei identifizieren ließen. Bester Schutz gegen Browser Fingerprinting soll eine Virtuelle Maschine mit einer Standardkonfiguration sein, doch es gibt auch positive Einsatzmöglichkeiten, etwa im Banking.

15.00-16.00, Life with extra Senses – How to become a Cyborg
Ja, scary war es schon, als Harbinson seine Pläne für die kommenden Jahre vorstellte: Erst will er sich seinen Farbumwandler in den Körper tranplantieren lassen, ehe dann im kommenden Jahr eine Aufladung der Batterie durch den eigenen Körper erfolgen soll. Schnell wurde jedoch deutlich, dass Harbinson mit seiner Partnerin vorallem künstlerische Einsatzmöglichkeiten ihrer Entwicklungen suchen. So vermag der Cyborg zu jeder Person eine individuelle Melodie zu erstellen, in dem er Augen, Mund und Gesicht abscannt.

16.15-17.15, Debunking Conspiracy Theories
Zu dieser Session kam ich leider erst, als ich auf Twitter davon las, während ich mich bei den Robot Ethics langweilte. Zunächst für etwas Verwirrung sorgte die Tatsache, dass die Session auf Englisch angekündigt, dann aber auf Deutsch gehalten wurde. Inhaltlich ging es u.a um die Bilderberger und Chemtrails. Trotz mehrerer Nachfragen aus dem Publikum konnten Anna Groß und Johannes Baldauf keine Blaupause im Umgang mit Verschwörungstheorien bieten. Stattdessen empfehlen sie die mühsame Kärrnerarbeit, jeden Fakt einzeln zu entkräften.

 

Mittwoch, 8.5

10.00-11.00 3D Printing: (How) can we make it a third industrial revolution?
Zunächst ging es im Eingangsvortrag von Pete Troxler gar nicht um 3D-Printing, sondern um industriellen Wandel. Troxler zeigte, dass bei einem Zusammenspiel von Wandlungen im Energie- und Kommunikationssektor fast zwangsläufig eine neue industrielle Revolution bevorsteht. Im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängern wird die kommende dritte Revolution aber nicht von oben herab, sondern vor allem vertikal und regional verlaufen. Noch ist nicht klar, was die nächsten Key-Icons des Wandels für Verkehr, Städte und Gesellschaft werden, sicher ist jedoch, dass sich mittlerweile der Prosumer herausbildet, der neben dem Konsum auch Dinge erschafft, bsp. in 3D-Werkstätten. Die folgende Diskussion sparte ich mir, denn hier dominierten schlechtestes Englisch und wieder mal viel zu viel Eigenwerbung einer Panelteilnehmerin.

11.15-11.45, Lernen Lernen lernen im persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird
Leider nicht wie erwartet ein Highlight, sondern eine Enttäuschung. Zwar war es beachtlich, dass sich mit Lisa Rosa eine Praktikerin (Lehrerin) dem kritischen Publikum stellte, aber was sie vortrug, erinnerte eher an ein Uni-Seminar. Noch bevor der kurze Abriss der Pädagogikgeschichte abgeschlossen war, hatte ich schon das Weite gesucht. Wieder also mal ein klassischer Fall, wo die Verpackung anders war als der Inhalt.

13.45-14.45, Wie das Internet literarisches Schreiben verändert
Noch wirrer wurde es bei diesem Vortrag, den weder Frederic Valin noch der auf Twitter als Vergrämer bekannte Jan-Uwe Fitz sonderlich vorbereitet zu hatten schienen. Während ersterer noch mit den Spätfolgen seiner Erwerbstätigkeit zu kämpfen hatte und mehr mit seinen vielen Zetteln herumraschelte, denn dem Sessiontitel gerecht zu werden, kommentierte der Vergrämer seinen Aufstieg vom Twitterer zum Buchautoren mehrfach mit Äußerungen wie “Das hat sich einfach so entwickelt”. Und da ich die Vergrämer-Sprüche auch wirklich nicht lustig fand, war das die dritte Session an diesem Tag, die ich vorzeitig verließ.

15.00-16.00 It’s not a fax machine connect to a waffle iron
Zum Glück hielt Cory Doctorow, was ich mir versprochen hatte: Ein kraftvolles, intelektuell anregendes Plädoyer für ein freies Internet. Wahre Jubelstürme durchfegten Stage 1, als der BoingBoing-Autor dazu aufrief, von der Telekom einen Gewinnanteil für die Kabel einzufordern, die vor der eigenen Haustür lägen. Sollte der Konzern dieser Forderung nicht nachkommen, blieben ihm 90 Tage, um den Kupfer aus der Erde zu entfernen. Bis dahin empfahl Doctorow der Netzgemeinde jedoch, die Mittel von Information und Kommunikation zu erobern, um den Planeten zu befreien. Das klingt nicht nur revolutionär, sondern war auch genau so gemeint.

 

Fazit

Die re:publica 2013 war nicht zuletzt durch die große Bandbreite an Themen (und damit auch Alternativen zu enttäuschenden Sessions) interessant. Dennoch stellte sich bei mir am dritten Tag so etwas wie Lagerkoller ein. Andere Konferenzen – beispielsweise MLOVE (Disclaimer: Kunde von mir) – machen das deutlich besser, indem sie vorallem bei der Abendgestaltung kreativer sind. Dass ist für 5.000 TeilnehmerInnen auch gar nicht möglich, aber eventuell sollte die Konferenz wieder ein wenig kleiner werden, anstatt nach neuen Rekorden zu schielen. Auch beim Networking verliert die re:publica und verzichtet auf Tools wie Bizzaboo oder PeopleHunt, um Leben in die Bude zu bringen.

 

Bildnachwis: klisch

So findet ihr mich auf der rp13

6th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

3.000 Menschen auf Deutschlands größter Internetkonferenz in der Station in Berlin – da kann es schnell mal übersichtlich werden. Wer sich also schon immer darauf gefreut hat, mich kennenzuleren oder über Sport, Digitales und Kreatives zu reden, dem sei mein Sessionplan zur rp13 aus der vergangenen Woche ans Herz gelegt. Doch wohlmöglich ist es dann immer noch zu unübersichtlich? Deshalb hier noch die Top-Tipps, wie man mich erkennt oder meine Aufmerksamkeit auf sich zieht:

1. So sehe ich aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Ich trage diese Schuhe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Ich werde den einen oder anderen Tag diesen Pullover tragen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Ich bin beim Lunch Beat am 7.5 ab 11.45 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Ihr ruft irgendwas mit Fußball in den Raum, vorzugsweise “Vorwärts, ihr Roten”, worauf ich dann mit “Vorwärts, Hannover!” antworten werde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mich dann findet, bekommt – wie es sich für eine Internetkonferenz gehört – meine moo Card!

Ebenfalls ihre Sessionplanung niedergeschrieben haben Henning Groß (Netzkombyse) und Daniela Richardon (rassambla), die ich auf einigen Sessions treffen werde.

Meine re:publica 13 Sessions

2nd Donnerstag, 2013  |  Blog, Wissen  |  2 comments

Was die re:publica angeht, bin ich nun wahrlich kein First Mover. Mittlerweile findet die größte Internetkonferenz Deutschlands bereits zum x-ten Mal in der Hauptstadt statt, doch im zweiten Jahr seiner Selbständigkeit schafft es nun auch endlich der Medienlotse in die Hauptstadt. Da ich am Montag bereits sehr früh anreise (und dem Deutschlandfunk zum 100. Geburtstag von Willi Daume – über den ich meine Promotion verfasst habe – ein Interview gebe) und noch auf Schnäppchenjagd bei Nike gehen möchte, gibt es hier meinen Sessionplan in der Übersicht. Ich freue mich darauf, schon im Vorfeld weitere TeilmehmerInnen der rp13 kennenzulernen, die die gleichen Sessions besuchen oder dazwischen Lust auf einen Plausch haben.

Montag, 6.5

12.15-13.15, Aufruf zum metakulturellen Diskurs
Gunter Dueck soll live noch besser sein. Leider hatte ich bisher noch nicht die Ehre, dem Businessvordenker zu lauschen. Das wird jetzt nachgeholt und ich hoffe mir davon einen ähnlichen Impuls wie von Peter Kruse vor zwei Jahren.

13.30-14.30, Code Literacy – Verstehen, was uns online lenkt
Nach meinen vergeblichen Versuchen, mit der Code Academy das Programmieren zu erlernen, erhoffe ich mir durch diese Session neue Wege und vorallem Motivation aufgezeigt zu bekommen. Noch immer bin ich auf der Suche nach einem eigenen Projekt, bei dem ich meine Code-Kenntnisse aufbauen und testen kann.

14.45-15.45, YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube
Es ist eine Binsenweisheit, dass YouTube mittlerweile zur zweitwichtigsten Suchmaschine geworden ist. Gerade jüngere Zielgruppen erfreuen sich an Stars wie “Herr Tutorial”. In der Session will ich mir Erfolgskonzepte abschauen und Inspiration für eigene Formate holen.

16.00-17.00, Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?
Finanzblogs hatte ich bis dato noch gar nicht auf dem Radar. Ich bin gespannt, ob es wirklich unabhängige Angebote gibt oder sich doch große Banken und Versicherungen dahinter verbergen. Vielleicht springt ja auch der eine oder andere Anlagetipp mit heraus.

17.15-17.30, Zivilkapitalismus. Wir sind die Wirtschaft
Schade, dass die Session nur so kurz angesetzt ist. Trotzdem bin ich gespannt, ob echte Alternativen aufgezeigt werden oder ob doch nur die “Shared Economy” beschworen wird.

19.45-20.45, Überraschungsvortrag II
Dann heißt es schon das Handtuch an der Stage 1 auslegen, wenn Sascha Lobo zum großen Überraschungsvortrag kommt. In den letzten Jahren soll das ja ganz gut gewesen sein. Dieses Highlight möchte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

anschließend: #rp13sport: Sportblogger & -twitterati Treffen
Leider werde ich dann ein wenig später zum Sportbloggertreffen kommen. Zusammen mit Klaas Reese werde ich dann die anderen Teilnehmer davon überzeugen, warum Hannover 96 doch kein Scheißverein ist. Wenn das nicht klappt: auch kein Beinbruch. Ich freue mich auf das Kennenlernen.


Dienstag, 7.5

10.30-11.00, 10 tips to grow your Positive Entrepreneurial Energy
Als Selbständiger ist man ständig auf neuen Input und Inspiration angwiesen. Das erhoffe ich mir von Catherine Barba, die schon auf der Social Media Week Hamburg im Februar mit ihrem Vortrag überzeugt haben soll, wie mir die DMW versicherten.

11.45-13.00, Lunch Beat
Noch bevor die erste Veranstaltung in Hamburg stattfand, erzählte mir meine Schwiegermutter von der ersten Auflage in Kopenhagen. Damals fand ich das ganze Vorhaben (Tanzen in der Mittagspause ohne Alkohol) noch etwas konfus, doch nach der Teilnahme am Lunch Beat auf der Social Media Week ist für mich klar, dass ich hier wieder mit dabei bin.

12.30-13.30,  You Can Turn Off the Public Internet But You Can’t Turn Off the Internet Public
Ein wenig Netzpolitik darf bei einem re:publica Besuch auf keinen Fall fehlen. Ich bin gespannt, welche Beispiele für die Konspiration von Unternehmen und Staaten zur Kontrolle des Internets angebracht werden und ob es sich dabei wirklich auch um neue oder besorgniserregende Fälle handelt.

13.45-14.45, Browser Fingerprinting: Tracking ohne Spuren zu hinterlassen
Als Digital Native habe ich kaum Angst vor zu wenig Datenschutz oder Privatsphäre, dennoch kann es lohnen, zu wissen, was alles im Hintergrund beim Aufruf von Webseiten abläuft. Besonders interessieren mich die möglichen Schutzmaßnahmen gegen Browser Fingerprinting.

15.00-16.00, Life with extra Senses – How to become a Cyborg
Ich habe ja ein ganz großes Faible für die Quantified Self-Bewegung. Schon seit Jahren nutze ich Nike+, habe meine Gene bei 23andme analysieren lassen und zeichne meine Bewegungen mit der App “Moves” minutiös und metergenau auf. Mal sehen, ob ich an dieser Session auch Gefallen finden werde. Klingt ja alles ein wenig scary…

16.15-17.15, Interactive Landscapes
Das Zusammenwachsen von Digital und Analog fasziniert mich als Beobachter. Leider kann ich weder designen, noch musizieren oder coden, als dass ich zu derlei Projekten viel beisteuern könnte. Aber meine Kreativität und Querdenke sollte reichen…

ab 19 Uhr: Reich werden mit dem Internet? So geht’s! DMW-Themenabend während der re:publica
Nach dem Lunch Beat zum Tagesausklang dann gleich die zweite Session mit starkem Hamburg-Bezug. Als Unterstützer der DMW hoffe ich dann, endlich auch mal meine Fördermitgliedschaft abschliessen zu können und viele bekannte und neue Gesichter zu sehen. Wie ich mit dem Internet Geld verdiene weiß ich ja schon: als Digitalberater. Aber neues Wissen kann auch nie schaden…

 

Mittwoch, 8.5

10.00-11.00 3D Printing: (How) can we make it a third industrial revolution?
3D-Printing soll die Zukunft gehören, doch aus den Labs hört man bereits, dass der Durchbruch noch auf sich warten lasse. Mittelfristig soll sich aber eine Makerszene etablieren, die kleinere Auftragsarbeiten als Werkstatt per 3D-Druck erledigt. Ich bin gespannt, ob ich in dieser Beginner-Session noch wirklich Neues lerne.

11.15-11.45, Lernen Lernen lernen im persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird
Vielleicht wird diese Session das Highlight für mich. Als Selbständiger bin ich darauf angewiesen, mich ständig weiterzubilden, um meine Kunden auch adäquat und kompetent in digitalen und anderen Fragen beraten zu können.

13.45-14.45, Wie das Internet literarisches Schreiben verändert
Immer mehr Kunden fordern das suchmaschinenoptimierte Schreiben, um bessere Platzierungen bei Google zu erreichen. Das ist manchmal ziemlich anstrengend und lässt die Lust am Schreiben merklich sinken. Ob es anderen auch so geht? Welche Mittel gibt es dagegen? Ich bin gespannt.

15.00-16.00 It’s not a fax machine connect to a waffle iron
Zum Abschluss noch einmal Stage 1 und ein großer Name. Hoffentlich hält  Cory Doctorow, was er verspricht. Danach mache ich mich vermutlich gleich auf den Weg in die hanseatische Heimat, ehe ich die Eindrücke meiner ersten re:publica über die Feiertage im hohen Norden verdaue.

 

Ebenfalls ihre Sessionplanung niedergeschrieben haben Henning Groß (Netzkombyse) und Daniela Richardon (rassambla), die ich auf einigen Sessions treffen werde.

Bundesliga wird digital

22nd Montag, 2013  |  Blog, Sport  |  1 comment

Wovon hier im Blog schon vor einigen Monaten berichtet wurde, wird endlich Realität: Bayer Leverkusen ist der erste Fußballbundesligist, der sein Stadion für das digitale Zeitalter aufrüstet. Telekom und Cisco sorgen für die technische Umsetzung, die zunächst 20.000, dann 30.000 Zuschauern den gleichzeitigen Internetzugang ermöglicht. Schon in der kommenden Saison dürften dann weitere Klubs folgen, die Telekom bestätigte Gespräche mit Bayern München. Der Medienlotse setzt sich kritisch mit den Kosten und Refinanzierungsmöglichkeiten auseinander.

Was ist geplant?
Um das kostenfreie WLAN für alle Zuschauer zu gewährleisten, werden insgesamt 350 WLAN-Zugriffspunkte im Stadion verbaut. Hinzukommen 500 HD-Bildschirme, sodass die Fans beim Würstchenkauf auch keine Spielsekunde verpassen.  Um alle Services nutzen zu können, müssen sich die Fans eine Bayer-App installieren. Es wird mit Kosten in mittlerer einstelliger Millionenhöhe gerechnet (Der Medienlotse berichtete).

Wie soll refinanziert werden?
Leverkusen geht mit seinen Partnern davon aus, dass Sponsoren zunächst die neuen Werbemöglichkeiten auf den HD-Geräten nutzen werden. Neben Statistiken, Videobotschaften sollen dort auch interaktive Aktionen der Werbepartner ablaufen, heißt es. Zweites Standbein sollen die Nutzerentgelte werden. Einmalige Besucher könnten zwischen zwei und vier fürs Euro fürs WLAN zahlen, bei Dauerkartenkunden wäre dies vermutlich mit inkludiert.

Welche Probleme gibt es?
Damit die App auch genutzt wird, braucht es echte Mehrwerte. Die sind aber aufgrund der Rechtelage nur schwer zu erbringen. Es ist kaum vorstellbar, dass 20.000 Zuschauer gleichzeitig die Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns eingespielt bekommen. Mit Highlights der vergangenen Spiele wird man niemand hinter einem Ofen hervorlocken können. Zudem müsste die App mit Werbung knausern, denn niemand dürfte bereit sein, für weitere Spots der Sponsoren weiteres Geld auszugeben.

Wohin geht die Reise?
Zunächst werden weitere Bundesligisten nachziehen und die Entwicklung in Leverkusen und wohlmöglich München genau beobachten. Dennoch sind mit dem „StadiumVision“ genannten Projekt noch längst nicht alle Potenziale ausgeschöpft. Schon jetzt gibt es Lösungen, die beispielsweise per Augmented Reality den Rasen zur neuen Werbefläche machen oder Banden mit Zusatzcontent bestücken. Auch wenn in der Digi-Szene der Begriff „Gamification“ schon zum Alteisen gehört, dürften in Verbindung mit neuen Technologien dort noch die größten Potenziale zur Sponsorenaktivierung liegen.

LBS and foursquare for business

17th Mittwoch, 2013  |  Blog, Marketingtrends  |  no comments

Yesterday the location-based service foursquare (4sq) celebrated its annual foursquare day. Users across the world gathered to celebrate and shared stories about the service. The Betahaus in Hamburg also had LBS addicts invited and provided two talks by Nina Galla (Overview of various LBS, Slides here) and Lars Brücher(4sq for Businesses). The Medienlotse is a keen user to and in this article summarizes the evening and draws conclusions for business users.

My 4sq check-ins in the last 365 days

The facts
As Nina Galla pointed out, 4sq has remained in a niche in Germany. Merely 60,000 users are thought to check-in on a regular basis, a plus of only 40.000 compared to 2010. In general, LBS with the exception of Qype/Yelp seem to struggle. Google boasts, that 97% of its users are using their very own LBS, whereas Facebook links its 680 million mobile users to Facebook Places. The future of LBS lies clearly in the implementation of reviews, like Yelp does.

Benefits for businesses
Lars Brücher, a level-2-foursquare-superuser and co-founder of the Betahaus, explained how the co-working space set-up its 4sq page. Page admins can add temporary or permanent specials to boost check-ins, like offering a 10% discount on every purchase in a café or shop. Additionally, each check-in goes into a database, which can also be analyzed. The more users like the venue on the website, the higher it will get scored in the search panel. At the moment, check-in competition in Germany is quite rare, so business should use the service as much as possible as long as it is free.

The future
Competition in the LBS sector is fierce and with the 41-milion $ injection 4sq might have entered a crucial stage in its history. Last year, the company exclusively teamed up with communication giants Telekom, but this didn’t help boosting the usage. So merges and takeover are always possible among LBS. Business should seize the irritation and claim their venues on every LBS and exploit all benefits possible (specials, as mentioned above). The risks compared with the possible outcome are very low. Especially German small or midsize businesses could extremely benefit from an increased use of LBS. The mobile usage will rise even more this year and in setting-up a venue or check-in, tailors, shoemakers or physicians can still claim to be a first mover.

Filter Bubble oder was?

10th Mittwoch, 2013  |  Blog, Wissen  |  1 comment

Als Filterbubble bezeichnen Babyboomer die Tatsache, dass im modernen Netz des 21. Jahrhunderts die User ungefiltert ihren Interessen frönen können. Wer sich nur für Fußball interessiert, wird auch nur ebensolche Webseiten ansurfen, die sich mit seinem Lieblingsklub beschäftigen oder es wird mit Menschen auf Twitter und Facebook geben, die sich ebenfalls als Fan der gleichen Sache zu erkennen geben. Doch aus eigener leidvoller Erfahrung weiß der Medienlotse zu berichten, dass der Filterbubble der 1990er Jahre in den Suburbs dieser Welt viel, viel schlimmer war.

Es gibt sozialpsychologische Untersuchungen, die besagen, dass Ehepartner mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr als 100 km voneinander entfernt geboren wurden und mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleichen Werte teilten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten war die soziale Mobilität noch längst nicht so hoch wie heute. Wen es vom Dorf in die große Stadt zog galt entweder als Hasardeur, Taugenichts oder Glücksritter und wurde dankbar vom Hof gejagt. Wen sich Cousins und Cousinen verheirateten, wurden Traditionen vielfach unwidersprochen reproduziert – heute wird so etwas verächtlich Filterbubble genannt.

Auch wenn sich mittlerweile viele das wohlklingende Label eines Digital Natives anhaften können und den engen Milieus von Katholiken, Bergleuten oder Fußballclubs entflohen sind, wird folgendes Szenario in vielen Haushalten irgendwo im Deutschland der 90er Jahre zum Alltag gehört haben: Am Frühstückstisch plärrte entweder der lokale öffentlich-rechtliche Sender oder das damals schon nervige Privatradio mit den besten Hits der „70er, 80er und von heute“, bevor der klapprige Schulbus die jungen Zöglinge in eine Lehranstalt beförderte, auf deren Pausenhof wechselweise „TuttiFrutti“, die „Traumhochzeit“ oder Boris Beckers Wimbledonsieg das Gesprächsthema Nr. 1 war.

Ohne Internet oder starke Persönlichkeit war der neugierige Ofen dann auch schnell aus, denn wer konnte sich schon wirklich aussuchen, mit wem er die Schulbank teilt oder auf dem Nachhauseweg das Recht des Stärkeren auskämpfen musste? Dagegen ist das Internet eine echte Verheißung und hervorragende Fluchtmöglichkeit, die den alten Filterbubble zudem im Vorbeigehen ein für alle Mal pulverisiert hat. Wer behauptet, dass das Internet unsere Wahrnehmung und Einstellung ständig nur perpetuiert, hat das Wesen der digitalen Welt einfach nicht verstanden und verrät damit mehr über seine grundkonservative Haltung, als ihm lieb sein dürfte. Noch nie war es so einfach, mit nur einigen Mausklicks und ein wenig Medienkompetenz völlig neue Welten zu erkunden und sich völlig darin zu verlieren.

Vermutlich kommt die Netzwelt deshalb vielen Journalisten aus dem Dunstkreis von FAZ und Co. wie ein schwarzes Loch aus einer fremden Galaxie vor. Wer immer nur gelernt hat, den Priester von der Kanzel oder dem Chefredakteur nach dem Mund zu reden, kann sich einfach auch nicht unvoreingenommen auf neue Dinge und Eindrücke einlassen – deutsche Tradition eben ganz im Sinne von „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Umso verwunderlicher mag es dann den Besitzenden und Bestimmenden erscheinen, dass es europaweit junge Menschen gibt, die eine andere Welt wollen und vornehmlich mit dem Internet sozialisiert wurden. Der Filterbubble ist also nichts anderes als eine Chimäre, die uns Sand in die Augen streuen will. Stattdessen sollten wir das Internet und unser Unabhängigkeit feiern und niemals vergessen, dass sich alleine dafür lohnt, zu kämpfen!

Super sport – Where fans love athletes and digitalisation

2nd Dienstag, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

When you’ve watched my activities during the 2013 Social Media Week in Hamburg you probably know that I invited leading digital sport marketing experts from around the globe to participate in a Hangout on Air and that my main thesis is that sport is among the most advanced industries when it comes to digitalization. As the Bangkok Post claims, there is strong evidence that sport fans are early technology adopters as well. No surprise, to the Medienlotse

They just can’t get enough: Sport fans.

Probably there are only a few things in your life you love more than your partner, your kids or your car. A good bet is that some amount of your love-ability is also dedicated to sports, whether you are active or just following teams and athletes in their regular struggle for success. There is also a good chance, that social mobility forced you out of the area where your favourite club usually stages home matches. The best alternative if you can’t afford to attend the matches each time: Get cable TV and watch the matches live.

But with a family things can get complicated. The anniversary birthday of your father-in-law or the theatre play of your kids might prevent you from slouching on the sofa and cheering on your team. What to do then? Fortunately, the technological and digital development offer sport fans numerous possibilities to watch live content of their team on the go or re-live – without disrupting family gatherings or a romantic dinner. But sport fans are different from normal TV consumers. They only want one thing: more.

TV producers in Germany haven’t lived up to the idea of enriching their TV live content yet. Biathlon screenings still miss crucial athlete indicators such as speed or heart rate on screen, whereas speed and gap distance were shown during last week’s ice-skating world championship in Russia. Publishing company Axel Springer stroke a real bargain when they paid only 5 Mio € for the digital rights of the Bundesliga. Next year they are about to launch their new service, which allows fans to watch highlights of the match only 60 minutes after the final whistle on the go plus share crucial scenes on social networks.

This may sound no big deal, but the world is changing. Modern society has become very mobile and we have more spare time than our parents. On the other hand, the entertainment sector is one with the fiercest competition and sport clubs and media companies have to do their best to keep their customers happy. Applying digital datatainment and pushing digitalisation is surely one of the best bets for the future.

Your sport club or federation needs a digital strategy? You want to learn how to engage sponsors and fans for your sport brand? Then contact “Der Medienlotse” (media pilot)!

Autor: Jan C. Rode

Goodbye, Digitalisierung?

27th Mittwoch, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Seit vergangener Woche mache ich mir wirklich Sorgen um den Medienstandort Hamburg. Das sah vor einem Monat aber noch ganz anders aus. Wie es dazu kam? Vor wenigen Tagen winkte der Bundesrat das umstrittene Leistungsschutzrecht durch, maßgeblich auf Betreiben der SPD-geführten Bundesländer Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Warum der Kniefall vor dem Lobbyismus der Verlags- und Medienbranche den Elb-Standort im europäischen Vergleich bei der Digitalisierung noch weiter zurückfallen lässt, weiß der Medienlotse.

Hamburg: Nicht mehr als schöne Kulissen?

Mittlerweile ist es nur noch müßig, sich über die genauen Inhalte des nun beschlossenen Leistungsschutzrechtes Gedanken zu machen. Aufgrund der rechtlichen Grauzonen wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Verlage Google und Co. wirklich zur Kasse bitten dürfen. Aber vielleicht verdient der Axel Springer Verlag bis dahin mit seiner Online-Bundesliga-Show schon genug Geld oder der Suchmaschinengigant wirft vorher alle Trittbrettfahrer wie das Hamburger Abendblatt aus dem Index.

Noch viel schädigender für den Standort Hamburg ist jedoch das Agieren des Senates um Olaf Scholz. Dabei hatte der Bürgermeister bei seinem Amtsantritt noch das Amt für Medien extra in seiner Senatskanzlei angesiedelt und zur Chefsache erklärt. Doch nun muss konstatiert werden: Von den ambitionierten Pläne ist nicht viel übriggeblieben, denn wieder einmal hat die Lobby in unserem Land dafür gesorgt, dass ihr Gesetze nahezu maßgeschneidert werden.

Was bleibt nun also noch übrig vom vormals gefeierten Medienstandort? Nicht viel. Neben dem Hafen sollen sich E-Commerce und Online-Marketing zu den neuen Cash Cows entwickeln. Weitere Innovationen im Medienbereich sind somit immer unwahrscheinlicher und große Verlage scheinen mittlerweile daraus die Konsequenzen zu ziehen: Edel geht nach Berlin, G+J verschifft seine Capital-Redaktion ebenfalls gen Osten.

Mit dem Durchdrücken des Leistungsschutzrechtes dürfte die Kreativität im Medienbereich also ersteinmal abflauen. Hier droht, was auch im DVD-Bereich schon seit 20 Jahren zu beobachten ist. Mit der Implementierung des DRM-Schutzes und der Regionalgebundenheit (DVDs aus den USA können auf europäischen Geräten zumindest nicht ohne technische Frickelei abgespielt werden) halten sich die Business.-Innovationen in diesem Bereich in ziemlich überschaubaren Grenzen. Ganz anders die Musik- und Filmwelt, die dank Apple und dem iPod sowie Netflix oder Hulu völlig neue Dynamik bekommen. Nur eben nicht in Deutschland – ist das LSR also eine beleidigte Retourkutsche?

 

 

Autor: Jan C. Rode

The state of media by 2015

18th Montag, 2013  |  Wissen  |  no comments

MLB at Bat – Offline and online media merge.

Our world spins faster every second and so there is no end to the digital change yet. Especially journalists and print products have struggled over the last two years to fully understand the dramatic shift in user attention and spending. The Medienlotse paints his picture of the media world in 2015 and tells you what will have become mainstream by then.

Say goodbye, journalists…
Did you know, that as many people play mobile games as there are registered at Facebook? Almost 1bn people enjoy playing on their PCs, consoles, TVs, smartphones or tablets With the world’s largest social network only stagnating, other services have conquered the attention and spending power of mobile users. Why is this connected to the future of journalism? First of all, our complex world has less time at its command after each new digital innovation. Info networks like Twitter trended at exactly the right time and now it’s required to sell your headline in 140 characters (or less) or just under six seconds (Vine). But journalists keep ignoring those facts.

Two, with a smaller time budget we now select more carefully where we draw our attention as users and consumers, sometimes to the disadvantage of traditional media like press, TV or radio. Games or infotainment have become as popular as news shows or long editorials. We now believe in the power of brands and celebrity individuals, who tell us how to do our workout or live a healthier life. Third, our world is entertained 24/7 and hardcore political-stories on the reform of the health system attract fewer readers each month. What we want to know are the results, not the backdoor hassle between grey lobbyists and dull politicians.

Welcome the new world of digital media
Keep these developments in mind, because they will have shaped our media by 2015 completely. Traditional newspapers who gather national and local news will continue to lose and be substituted by individuals, blogs or new journalistic projects with a local fanbase. Nationwide media survived for the time being, but they have abandoned quick news like “Federer wins Wimbledon a record time” or “DAX on the rise to 8.000 points” completely. Numerous web news service now fight the bloody battle for attention and advertising money.

Some journalists have abandoned the sinking ship right on time and established themselves as media brands with long analysis of political or economic development. Users are now willing to pay for this content, but are likely to get stuck in the “filter bubble”, because they will only read what they already know or like. The fans will follow their journalists from magazine to magazine or from platform to platform, if these individuals manage to appear transparent and competent over a long period.

In 24 months the web has eaten away big chunks of time spent watching TV. German publishers Axel Springer successfully drove viewers from the traditional Bundesliga TV show on ARD to their digital services, which are available 60 minutes after the final whistle blew. Users can draft their own Bundesliga video show and pick between “just highlights” or “full match report”. If they don’t like what they have just watched, they can easily get in touch with the match report team. Naturally, new services will come with a close link to social networks, which fuels them with even more attention and sponsors.
Author: Jan C. Rode

Bildnachweis: flickr.com User stevelyon

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