Aufstand der Fans?

21st Mittwoch, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

Mir reicht’s – schon seit einigen Jahren fühlen sich Fußballfans oft zu Unrecht medial als Schwerverbrecher gebrandmarkt, doch was seit letzter und mit Beginn der aktuellen Saison mit aktiven Fangruppierungen getan wurde (und sich vermutlich noch fortsetzen wird, wenn nicht auch die Normalos in der Kurve endlich kapieren, worum es geht,) schlägt dem Fass dem Boden aus. In einem zermürbenden Kleinkrieg schaffen es immer mehr Bundesligisten, die kreativsten und stimmgewaltigsten ihrer Fans zu vertreiben. Doch erst wenn die letzte Kutte aus dem Stadion vertrieben und das letzte Banner abgehängt ist, werden die Verantwortlichen merken, dass man Stimmung nicht mit Klatschpappen und Marketing herbeizaubern kann.

Love the team, hate the club?
Als Fan von Hannover 96 war ich in den vergangenen zwölf Monaten einer ungeheuren Kampagne ausgesetzt – erst beschimpft der eigene Präsident uns als “Arschlöcher”, dann wird unter fadenscheinigen Argumenten ein seit Jahren gezeigtes Banner kriminalisiert und schließlich eine Kollektivstrafe wegen Pyrovorfällen verhängt (mehr zu den Hintergründen hier). Auch bei anderen Klubs – beispielsweise in Dortmund und München – gehen die Clubs teilweise im Schulterschluss mit der Polizei gezielt gegen einige Fans vor (Update: Polizeieinsatz auf Schalke/ Video und die löbliche Reaktion des Vereins, 21.8). Ziel ist wohl, ein aseptisch reines Stadionerlebnis zu schaffen. Doch schon bei der Aktion 12:12 hat sich gezeigt, was dann in den Stadien los ist – nichts.

Dabei hatte gerade Martin Kind – der nach eigener Aussage nichts vom Fußball versteht – die aufkommende Ultrabewegung in den 90ern noch tatkräftig unterstützt. So gab es für die „Fabulösen Thekenschlampen“ und andere Konsorten Freikarten für K39 – mitten auf der mächtigen Westtribüne im alten Niedersachsenstadion – um den tristen Regionalligaalltag etwas aufzuhellen. Schon damals war Pyro aktuell  – und ich erinnere mich nur noch zu gut an die feige Attacke eines Polizisten (von hinten und von oben auf den Bengalozünder herabspringend) – auf dem Video war selbstverständlich „wegen der Rauchentwicklung“ nichts mehr zu sehen. Vieles wurde danach durch die Aufstiege und die WM 2006 überdeckt. In der Rückschau muss man aber sagen, dass die Gegenseite damals wohl nur eine Atempause eingelegt hat und ihre Ziele nun kompromissloser den je verfolgt.

Fußball war schon immer politisch
Die Konflikte in Ägypten, Brasilien und der Türkei sind nur drei weitere aktuelle Beispiele die zeigen, wie sehr sich Fußballfans innerhalb gesellschaftlicher Auseinandersetzungen einbringen und durch ihre Organisationsstruktur in der Lage sind, Nadelstiche gegen die Machthaber zu setzen. Aber auch hierzulande war und ist Fußball schon immer politisch gewesen – auch wenn die Faschos immer gerne etwas anderes behaupten. Wenn erst durch Preiserhöhungen, dann durch Stadionverbote und nun durch teilweise direkte Polizeigewalt Menschen aus dem Stadion vertrieben und von ihren sozialen Umfeldern entwurzelt werden, ist das auf jeden Fall politisch zu werten. Der Fußballsport in der Bundesliga ist auch nicht zweckfrei – wie uns die Funktionäre gerne glauben machen, sondern ein Spiel mit Macht und Millionen.

Derzeit neigt sich die Waage allerdings eindeutig zugunsten der Vereine und Verbände, die teilweise außerhalb jeden legalen Rahmens eigene Regeln definieren und diese nach Gutsherrenart unter tatkräftiger Mithilfe der Exekutive implementieren .Alles, was den organisierten Fans noch bleibt, sind ihre Stehplätze (im Wettbewerb mit der übermächtigen englischen Premier League das einzige Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga). Und da Fußball und Sport nicht losgelöst in der Gesellschaft stattfinden, setzen sich auch hier vor allem repressive und dystopische Vorstellungen durch. Rauchen? Schon nicht mehr überall erlaubt. Alkohol? Höchstens bei der Saisoneröffnung. Kritische Banner? Schon lange nicht mehr. Freiräume für Fans? Nur solange konformes Verhalten gezeigt wird.

Was tun?
1902 hatte Lenin eine Antwort parat – ich weiß nur, wie man es nicht macht. Gemeint ist die Rote Kurve, der Fandachverband in Hannover, der sich nach einigen unschönen Auseinandersetzungen mit der Klubführung zum Jahresende auflöst. Abgesehen davon, dass die RK-Verantwortlichen es versäumt haben, für Nachwuchs in den eigenen Reihen zu sorgen und sich lieber für Festwagen beim Schützenfest abgefeiert haben, ist ein Abbruch der Kommunikation nie gut. Nun ergeht sich die Fanszene in Hannover in totalitären Dystopien – schließlich will Martin Kind mit seinen Konsorten den Verein 2018 zu 100 Prozent übernehmen – der modifizierten 50+1-Regel sei Dank.

Wenn dann allerdings nur knapp mehr als 100 Leute zur Jahreshauptversammlung im VIP-Bereich des Niedersachsenstadions versammeln, muss man sich doch sehr wundern. Das nach dem ersten Schock nicht gleich ein Gegenkandidat für den Vorstand präsentiert wird, ist klar. Aber warum wurde kein Abwahlantrag gestellt – wenigstens mal ein Zeichen setzen? Ich hoffe doch sehr, dass sich die Fans in Hannover und anderswo nichts ins Bockshorn jagen lassen und sich wieder der eigenen Stärke bewusst machen. Diese Stärke muss in die Vereinsgremien getragen werden – tretet ein, stellt eure Kandidaten auf, beansprucht Posten! Nur noch von innen heraus lassen sich die Klubs verändern. Ansonsten wird der Sieg des modernen Fußballs schneller vollzogen, als uns allen lieb sein kann!

Wie Digital und Print „best of both worlds“ verwirklichen können

12th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Der Medienlotse auf dem “Social Heroes”- Panel beim 2. Media Pubcrawl (Foto: @svenwiesner)

Eigentlich interessiert mich die Zukunft des Journalismus überhaupt nicht. Das mag verwundern, denn einen Großteil meines Einkommens erziele ich mit Schreiben – ob nun als Blogger, Redakteur oder Verfasser von eher PR-lastigen Artikeln. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mein persönliches Waterloo schon vor ein paar Jahren erlebte – mein Arbeitsvertrag war das Papier nicht wert, auf dem er stand und der GF (den ich unter Androhung von 8.000€ Strafe hier niemals mehr beim Namen nennen darf) zog es vor uns mit Lügen und Tricksereien hinzuhalten. Ganz ähnliche Erfahrungen machen nun auch Journalisten: erst bei der Deister-Leine-Zeitung, dann bei der FTD und wohlmöglich schon bald auch beim Hamburger Abendblatt.

Aber während viele Journalisten rumjammern und die böse neue Welt des Internets geißeln, habe ich mit „Der Medienlotse“ meine eigene Marke geschaffen und bin seit 2011 als Freelancer erfolgreich, der seinen Kunden neue Medienformarte erklärt und mit ihnen Kampagnen zu Image, Content und Marketing umsetzt. Das durfte ich in der vergangenen Woche auf dem 2. Media Pubcrawl von Hamburg@work e.V. erzählen, wo ich gemeinsam mit Anwältin Nina Diercks und Fotograf Steffen „Stilpirat“ Böttcher zum Thema „Social Heroes“ auf dem Panel saß. Bei der Veranstaltung ging es zuvor aber auch um das Miteinander von alten und neuen Medien, die sich in Person von Harald Ehren – Print-Veteran und nun Chefredakteur der PR-Agentur fischerappelt – und Christoph Krachten – Mediakraft-Mastermind und als Clixoom erfolgreich auf You Tube – die Köpfe heißredeten.

Trotz der inhaltlichen Differenzen und der unbändigen Lust der beiden ehemaligen Journalisten, sich so richtig am Kessel zu flicken – so weit auseinander liegen die Pole Journalismus und neue Medien eigentlich gar. Nur, die Geister die man einst rief, wird man jetzt schwer wieder los. In den Redaktionen wurden schon vor Jahren Lektorat und Rechercheabteilung aufgrund des Kostendrucks wegrationalisiert. Wer nun wie Ehren jedoch den Bloggern vorwirft, eine Meldung ohne Faktencheck „einfach so raus zu hauen“ macht sich lächerlich. Gerade Online-Angebote von Zeitungen strotzen nur so vor Fehlern und auch einige Printausgaben sind nicht viel besser. Natürlich lassen sich anti-digitale Schlagzeilen bei den angstliebenden und technophoben Deutschen bestens verkaufen, aber eigentlich sitzen alle Medienschaffenden doch in einem Boot (Über wen sollten wir berichten, wenn nicht über uns selbst ?!?)

Warum also können Journalismus und die digitale Welt nicht in Einklang miteinander leben? Nun, dafür müsste zunächst der Printjournalismus seine elitär-hochnäsige Haltung ablegen und sich mit den neuen Möglichkeiten ernsthaft auseinandersetzen. Und wir Digitalos müssen einfach mal die Füße still halten und nicht im Chor nachäffen, was andere Experten bloggen und twittern. Das sonst auch nicht sonderlich progressive Sportbusiness macht vor, wie Content im 21. Jahrhundert zu den Menschen gebracht wird: Bei Bayern München zeichnet gleich ein Team von drei Personen für die Veröffentlichung von Posts verantwortlich. So nimmt der Pressesprecher vom Rekordmeister ein Bild am Flughafen auf, was dann vom Digitalexperten gecheckt und für die Plattformen aufbereitet wird, ehe es durch das Communitymanagement verteilt wird.

Es wäre wünschenswert, wenn Print und Digital schon bald „best of both worlds“ repräsentieren und sich nicht mehr bis aufs Blut bekämpfen. Krachten und Ehren schlugen dafür in der Diskussion einen neuen Codex für die Veröffentlichungskultur vor. Jetzt gilt es auch, den Worten Taten folgen zu lassen. In diesem Sinne hofft Der Medienlotse auf euer Interesse an der Mitarbeit am neuen Codex. Einfach hier im Blog melden oder auf Twitter mitdiskutieren!

 

Weitere Berichte zum 2. Media Pubcrawl bei @hasenfarm auf netzkombyse.de

Brauchen wir noch Tageszeitungen? Nein!

5th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Um es kurz zu machen: Nein! Zwar ist es nicht sonderlich wissenschaftlich, aber wenn ich meinen Konsum von News, Artikeln und Videos analysiere, muss ich als Medienlotse konstatieren, dass Tageszeitungen in diesem Kosmos kaum noch eine Rolle spielen. Wenn überhaupt – greife ich im Sommer zu einer zeitvertreibenden Boulevard-Postille oder Freitags mal zur SZ – aber nicht wegen der Meldungen von gestern, sondern wegen des Sport-Teils, der Seite 3 und dem hervorragenden Magazin. Hier liegt auch genau die Antwort, wie die Zukunft des Journalismus aussehen kann. Doch bevor wir uns der Zukunft widmen, hilft ein Blick in die Vergangenheit, die systemischen Schwächen der Tageszeitungen offenzulegen.

1. Nicht mit der Zeit gehen
Beim Absolvieren meines ersten Schulpraktikums in der Redaktion der größten Tageszeitung eines niedersächsischen Landkreises viel mir eine wunderliche Publikation in die Hände. Es handelte sich um die Festschrift zum 125. Geburtstag des Verlages und bot neben wertvollem Material für meinen Praktikumsbericht auch einige Artikel über die Zukunft des Journalismus. Dort stand u.a. geschrieben, dass Verlage auf allen Kanälen die Informationen zu ihren Lesern bringen müssten, nicht mehr nur auf Papier. Heilsbringer sollte damals das TV sein und die Autoren träumten von einem eigenen News-Fenster im Vorabendprogramm. Nun ist das deutsche Rundfunkrecht nicht gerade offen für Newcomer und der Energieversorger EWE gab erst kürzlich das Aus für sein Lokal-TV bekannt, doch hätten sich die Entscheider in deutschen Verlagsetagen nur ein wenig für die Zukunft ihres eigenen Genres interessiert, sähe die Welt heute vielleicht anders aus. Wo sind denn die Angebote von Lokalzeitungen in YouTube oder auf Twitter?

2. Qualität geht zulasten der Quantität
Mit dem Aufkommen des Internets und Blogs, die sich allen möglichen Themen widmeten – vom Lokalsport bis hin zur Trinkwasserqualität – erwuchsen zunächst den Journalisten in den Redaktionen neue Konkurrenz. Anfangs wurde diese noch als Amateure abgestempelt, aber so leicht war die Sache dann doch nicht. Blogger sind unabhängig und können im Zweifelsfall auf Werbekunden pfeifen, die Redaktionen nicht. Als diese mit den immer schneller folgenden Sparrunden weiter ausgedünnt wurden, war auf einmal auch der Qualitätsvorsprung gegenüber Blogs und Twitter verloren. Mittlerweile hat jede große Zeitung, die etwas auf sich hält, auch eine Website. Dort wird der noch leidlich interessante Lokal-Content oftmals hinter Paywalls versteckt und bei den „Breaking News“ im Chor mitgesungen. Unbewusst bewusst wurden Tageszeitungen somit aber beliebig – oder warum sollten den Kleingärtner plötzlich die Börsenkurse in Frankfurt, London und Tokio interessieren?

3. Keine Relevanz und Beliebigkeit
Derart sturmreif geschossen, haben Lokal- und Tageszeitungen kaum noch Selbstvertrauen. Internet? Können die anderen besser. Lokal? Machen die Blogger schneller und persönlicher. Wenn dann auch noch PR-Texte Eingang in die Zeitung finden oder aus Mangel an Fingerspitzengefühl oder meinetwegen auch Böswilligkeit Polizeimeldungen 1:1 übernommen werden, muss man sich eigentlich schon fragen, für wen Tageszeitungen eigentlich da sein sollen. Jahrhundertelang waren Zeitungen zuallererst Freunde der Werbetreibenden und das Wort der Verleger war Gesetz. Jetzt ist es aber an der Zeit, sich auf die Leser einzustellen. Das haben viele immer noch nicht geschafft. Und wenn Tageszeitungen nicht bald eine Antwort darauf einfällt, warum ich die Meldungen von gestern – die ich allesamt schon im Netz gelesen habe – nochmal auf Papier für Geld lesen soll, kann die Zukunft nicht mehr so ignorant gestaltet werden wie bisher.

 

Doch allem Ende wohnt immer auch ein Anfang inne, und so können wir uns nun der Zukunft des Journalismus widmen. Ob darin allerdings auch die Tageszeitungen einen Platz finden werden, vermag der Medienlotse nicht zu prognostizieren. Sicher ist, dass es bereits neue Modelle von Journalisten gibt, die funktionieren.

1. Schlagwort muss gefüllt werden
Eine Google-Suche zur „Zukunft des Journalismus“ bringt 3,5 Millionen Suchergebnisse. Und auch mein Kunde „Next Media“ hat vor ca. einem halben Jahr zwei junge Journalistinnen für Antworten auf genau diese Frage um dem halben Erdball gejagt. Doch was ist bisher von der Zukunft des Journalismus zu sehen? Wenig, denn es wird eher geredet, als angepackt. Aber vielleicht beginnt diese Zukunft auch gar nicht mit einem „Big Bang“, wie sich viele das vielleicht wünschen würden. Vielleicht haben wir es eher mit einer schleichenden Veränderung, einer langsamen Transformation zu tun, in der die SZ sich mit „Die Recherche“ an neue Möglichkeiten der Blatt-Leser-Interaktion versucht und der Spiegel eine „Multistory“ zu #tag2020 ausprobiert.

2. Alt bekannt, aber schwierig: zur Marke werden
Tageszeitungen müssen wieder zu echten Marken werden, um in Zukunft überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Zum „Markensein“ gehört aber nicht, einen Shop wie die Zeit zu haben oder wie das Hamburger Abendblatt Leserreisen anzubieten. Zu echten Marken werden Tageszeitungen nur, wenn sie ihren Redaktionen und Journalisten ein Gesicht geben, die sich in Themen festbeißen, die – wie bei der SZ –  Rechercheaufträge ihrer Leser nachgehen und auf allen Kanälen publizieren. Einzelkämpfern ohne Verlagsballast fällt das deutlich leichter. Jens Weinreich, der sich auf die kritische Berichterstattung zu FIFA und IOC spezialisiert hat, zeigt, dass auch mit eng zugeschnittenen Themen Leser erreicht werden – ob nun im eigenen Blog, im Auftrag von Tageszeitungen oder durch die Veröffentlichung und Finanzierung von Dossiers mittels Crowdfunding.

3. Eigene Stimme finden
Die Diskussionen um die Zukunft des Journalismus haben aber noch einen ganz anderen Effekt: Der Nachwuchs wird schon gleich zu Beginn einer Gehirnwäsche unterzogen und auf Systemkonformität normiert. Wer als Jungredakteur den Auftrag hat, für Google Analytics ordentlich Klicks zu generieren, macht das, was alle anderen auch machen: Katzenbilder und andere Klickstrecken. Das hat aber nicht mehr unbedingt was mit Journalismus zu tun. Wichtig ist, die eigene Stimme zu finden. Und vielleicht hat die Öffentlichkeit auch keine Lust mehr auf die alten Marken, sondern verlangt nach neuen Stimmen. Warum sollte ausgerechnet der Journalismus vom Jugendwahn verschont bleiben? Schon jetzt stehen in Hamburg in mehreren Stadtteilen interessante Online-Medien – denen noch ein wenig Spin und Zuspitzung in den oftmals noch zu braven Beiträgen fehlt – kurz vor dem Zusammenschluss zu einem hyperlokalen journalistischen Netzwerk, welches sicherlich schnell Werberelevanz durch die kombinierte Reichweite bekommen wird.

Fazit:
Tageszeitungen müssen sich lang strecken und viel Gehirnschmalz investieren, um noch eine Zukunft zu haben. Etwas rosiger sieht es bei den Magazinen aus, die wie der Spiegel immer mal wieder große Scoops wie Wikileaks oder Snowden in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Zeitungen umsetzen können.

Der Medienlotse gibt mit Impulsvorträgen und Digital-Kuratierungen einen jeweils den Vorkenntnissen angepassten Einstieg in die spannende digitale Welt des 21. Jahrhunderts! Hier geht es zum Kontakt

Willkommen im 21. Jahrhundert, Hamburg!

31st Mittwoch, 2013  |  Blog, Marketingtrends, Wissen  |  no comments

Als der Springer-Verlag in der vergangenen Woche den geplanten Verkauf des Hamburger Abendblattes und weiterer Regionalblätter für 920 Millionen Euro an die Essener Funke-Gruppe bekannt gab, setze bei Journalisten, Politikern und Branchenbeobachtern schnell das ritualisierte Wehklagen ein. „Eine Beschneidung des Medienstandortes“, hieß es an der einen Stelle, während andere wiederum vorsorglich schon für den Erhalt der Arbeitsplätze plädierten. Der Medienlotse meint aber, dass diesem Ende auch ein neuer Anfang innewohnt, der Hamburg und seine Medien nun endgültig ins 21. Jahrhundert katapultiert hat. 

Schon im Herbst war das Donnergrollen in der Printbranche deutlich zu vernehmen, als Gruner + Jahr seine Wirtschaftsmedien eindampfte. Nun also Springer, die das Abendblatt und traditionsumrankte Blätter wie Hörzu nach Nordrhein-Westfalen verschieben, wo die neuen Eigner nicht gerade zimperlich mit ihren Redakteuren umgehen sollen – die Westfälische Rundschau lässt grüßen. Viel wichtiger als die Frage, ob Journalisten nun anfangen sollen zu bloggen (ja, sollen sie unbedingt – siehe Jens Weinreich) oder eine Marke aufbauen müssen (ja, sollen sie unbedingt – gerne hier im Blog umschauen), ist der einsetzende Mentalitätswandel in Hamburg.

Schaute man in den vergangenen Jahren und Monaten noch recht sehnsüchtig nach Berlin , wo mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit, mehr Hype mit internationaler Presse und Investoren eine rauschende Party nach der anderen feierten, beginnt sich das Blatt nun sanft zu wenden. Beispiel gefällig? Gerne: 2012 feierte Hamburg@work e.V. in pompöser Umgebung mit dem Bürgermeister in Honigkuchenpferd-Manier seinen 15. Geburtstag – und nicht wenige der Anwesenden Digitalos und Start-Ups fragte sich, ob es denn damit schon getan sei. Nur ein Jahr später bereits gärt es an allen Ecken und Enden in der Stadt – und zwar im positiven Sinne!

Das Reeperbahnfestival – als nun ehemaliges reines Musikfestival – bekommt mit einem Digitaltrack eine Aufwertung, in dessen Umfeld nun auch Investoren und Startups in ehemaligen Szene-Etablissements auf der sündigen Meile aufeinandertreffen sollen. Und – so hört man – die Medieninitiative Hamburg@work e.V. bekommt demnächst ebenfalls einen neuen Zuschnitt. Nicht zu vergessen die vielen Einzelpersonen, die ständig zwischen den verschiedenen Kreativbranchen umherpendeln, mit unterschiedlichen Leuten sprechen und quasi nebenbei Ideen aushecken – ob nun als VC, Journalist oder Developer. Auf der Medienseite entstehen gerade neue hyperlokale journalistische Netzwerke für die einzelnen Stadtteile, die auch schon bald für die Werbewirtschaft eine Relevanz haben könnten.

Es wird spannend sein zu sehen, welches Ereignis für die Szene in Hamburg der „Big Bang“ sein wird, der transmediale Kooperationen erzeugt und in guter hanseatischer Manier valide – sprich: monetäre – Ergebnisse produziert. Vermutlich wird das Reeperbahnfestival diese Hoffnungen noch nicht erfüllen können, aber für 2014 sind die Anzeichen schon mehr als positiv. Helfen würde ein deutlich sichtbareres Engagement und Interesse der Hamburger Unternehmen an digitalen Themen. Vielen geht es noch sehr gut und der Leidensdruck durch die Digitalisierung ist noch nicht durchgedrungen – die Print-Branche lässt jedoch schon mal beste Grüße ausrichten!

Also, liebe Unternehmen, traut euch – geht auf Veranstaltungen, lasst digitale Ideen auf euch wirken, sprecht mit der Szene – und schickt bitte nicht nur wahlweise eure Jüngsten oder eure Agentur!  Der Medienlotse gibt mit Impulsvorträgen und Digital-Kuratierungen einen jeweils den Vorkenntnissen angepassten Einstieg in die spannende digitale Welt des 21. Jahrhunderts! Hier geht es zum Kontakt

Wie digital ist der Wahlkampf 2013?

22nd Montag, 2013  |  Blog, Marketingtrends, Wissen  |  no comments

Im September 2013 ist Bundestagswahl – und niemanden scheint es zu interessieren. Schon seit Wochen plätschert der Wahlkampf dahin und vielleicht sorgen ja die NSA-Enthüllungen für etwas Aufregung und Spannung. Doch wenn PR-Strategen Kandidat und Parteivorsitzenden ohne Schlips in einen Biergarten setzen, sind hier Konzepte aus den 80er und 90er Jahren am Werke und es bleibt kein Wunder, dass der digitale Wahlkampf so gar nicht in Schwung kommt. Der Medienlotse analysiert, woran es liegen kann. 

1. Das Philipp-Rösler-Syndrom
Der FDP-Vorsitzende steht für eine neue, junge Generation von Politikern, die es besonders gut machen wollen und es deshalb auch schon sehr früh, sehr weit gebracht haben. Mitunter stößt dieser allgegenwärtige Perfektionismus aber an seine Grenzen (was dann nicht nur Comedy-Formate wie die „heute show“ weidlich ausschlachten). Rösler hat es perfektioniert, bei hochoffiziellen Statements ca. alle drei bis fünf Wörter eine bedeutungsschwangere Pause zu machen, um seinen Ausführungen Nachdruck zu verleihen. Vielleicht muss er das machen, um glaubhaft zu zeigen, nicht jugendlich-ungestüm zu sein. Im Resultat wirkt das aber ziemlich aufgesetzt und umso schlimmer, dass viele Politiker glauben, diesen Stil imitieren zu müssen.
Zwischenfazit:  Politiker sind wenig authentisch. Vermeintliche Rhetoriktrends verprellen weite Teile der Bevölkerung, die zudem häufig eine ganz andere Sprache spricht.

2. Die digitale Diaspora
Politiker sind schon eine putzige Spezies. Melden sich bei Twitter an und glauben, dass nun jeder denkt, sie seien auch digital unterwegs. Dabei ist das genauso Nepp wie weiland Norbert Blüms „Die Renten sind sicher“. So kommentieren Doro Bär, Peter Altmaier und Sigmar Gabriel bei Twitter was die Schwarte kracht und gelten damit schon als dynamische Netzpolitiker. Und auch sonst tummeln sich viele Piraten- und Provinzpoltiker im Netz, um ihre mehr oder weniger wichtigen Meinungen kund zu tun. Was aber fehlt, ist die große Erzählung. Wo sind also die digitalen Kampagnen, die versuchen, programmatische Inhalte ans (Netz-) Volk zu bringen? Die SPD-Bundestagsfraktion versuchte sich schon vor einigen Monaten daran, ihre Ansätze zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf digital zu vermitteln. Herausgekommen ist eine zeitgenössisch hübsche Website mit immer noch zu viel Text und immerhin ein paar Infografiken, die aber wiederum nicht in soziale Netzwerke weitergeteilt werden können.
Zwischenfazit: Bevor deutsche Politiker und Parteien von einem Datenwahlkampf a la Obama träumen, müssen erst einmal die Hausaufgaben erledigt werden. Es würde schon reichen, wenn Straßenplakate mit Politiker-Konterfeis nicht als hippes Internet-Mem verkauft werden…

3. Die große Erzählung
Wer in Journalisten-Erinnerungen blättert, findet erstaunlich oft Berichte von der Bundestagswahl 1972. Schon als Jungen haben die Diekmänner der Republik entweder für oder gegen Willy Brandts Ostpolitik Wahlkampf gemacht und sind von Haustür zu Haustür gezogen, um Buttons zu verteilen. Davon ist heutzutage nichts mehr zu sehen, denn die große Erzählung wie die Wiedervereinigung oder die Westbindung fehlen einfach. Das neue Denken hat vermutlich mit Gerhard Schröder Einzug ins Kanzleramt gehalten und seitdem wird mit einem Auge auf die aktuellen Umfragewerte geschielt und mit einem anderen auf die Schlagzeilen der Bild-Zeitung. Natürlich ist es in unserer entertainment-geschwängerten Welt schwer, mit politischen Inhalten zu punkten, doch irgendwie versucht es auch niemand mehr.
Zwischenfazit: Politiker setzen auf das sichere Pferd (Umfragen) oder sitzen unangenehme Themen einfach aus. Aber warum noch nie ein Hinterbänkler mit einem Vierjahresplan (ok, historisch betrachtet nicht unbedingt der beste Name) in die neue Legislaturperiode startet und Woche um Woche auf allen Kanälen transmedial Auskunft über die Fortschritte und Entwicklungen in den drei wichtigsten Politikfeldern gibt, bleibt rätselhaft.

Fazit: Die politische Kommunikation muss weiter professionalisiert und dringend digitalisiert werden. Wichtige Potenziale werden liegengelassen und somit potenziell steigende Nichtwählerzahlen und Politikverdrossenheit in Kauf genommen. Dabei bieten gerade digitale Tools gute Möglichkeiten, kostengünstig Agenda-Setting zu betreiben und neben Fans und Followern auch parteiinterne Fürsprecher für die eigene Politik zu gewinnen.

Ist der Wahlkampf 2013 schon digital? Müssen auch Digitalthemen eine Rolle spielen? Lassen Sie uns diskutieren – hier oder bei Twitter, Facebook und Google+.

Betahaus 2.0

15th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  4 comments

Für viele Selbständige und Freelancer war es ein Schock: Vor knapp einem Monat meldete das Betahaus Hamburg Insolvenz an und schien damit einen Trend zu verstärken, der sich schon seit längerem in der Coworking-Szene abzeichnete. Doch nach dem ersten Schock sammelte sich die Szene schnell und verfasste einen offenen Brief an den Insolvenzverwalter, der nach knapp einer Woche schon 345 Unterstützer fand. Und in einem weiteren – von mir angestoßenen – Google Doc wurde und wird konkret an Ideen zur Zukunft des Betahauses gearbeitet. 

Nun – nach dem fabulösen dritten Geburtstag – und dem Aufruf der Digital Media Women an die Hamburger Unternehmer und Kreativen, den Space in der Schanze zu erhalten, ist es nun an der Zeit, die locker angestoßenen Gedanken in einer Blogparade zum Betahaus 2.0 zusammenzufassen. Darum geht es: Was liegt euch ganz persönlich am Betahaus? Warum braucht Hamburg einen derartigen Raum? Was können Gesellschafter und Geschäftsführer in Zukunft besser machen? Welche Weichen sollte der Insolvenzverwalter unbedingt für die Zukunft noch stellen?

Und so funktioniert die Blogparade: Alle aus dem Betahaus-Umfeld, alle Ironblogger und alle Coworker sind aufgerufen, bis zum 2. August auf ihrem Blog einen Beitrag zur Zukunft des Betahaus/Betahaus 2.0 zu verfassen. Bitte verlinkt eure Beiträge unter diesem Artikel als Comment und gerne auch in der Betahaus-Facebook-Community. Wir können so der Stadt, den Unternehmen und nicht zuletzt dem Insolvenzverwalter die Agilität und Kreativität unserer Szene neuerlich unter Beweis stellen und vielleicht schon Saatkörner für ein neues Betahaus ausbringen.

Natürlich möchte ich als Medienlotse euch meine Gedanken auch nicht vorenthalten. Nun beginnt mein Beitrag, der hoffentlich eine gute Anregung für eure Artikel wird:

Was liegt dir am Betahaus?
Das Betahaus hat einen sehr großen Platz in meinem Herzen. Hier habe ich meine ersten Schritte als Freelancer gemacht und meine ersten Aufträge gewonnen. Hier habe ich spannende Menschen kennengelernt und aufgrund der Anziehungskraft des Betahauses auch immer mal wieder getroffen (ansonsten hilft ja Neuland ganz gut weiter). Aber der Space ist nicht nur ein Anziehungspunkt für Menschen (auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen – vom Ebook-Camp bis hin zum 4sq-User-Day), sondern auch für Wissen. Mit anderen Coworkern habe ich so meinen Claim entwickelt oder mehr über die verschiedenen Steuermodelle erfahren. Und nicht zuletzt: Im Betahaus schaffe ich einfach viel mehr Arbeit als im Home-Office.

Warum braucht Hamburg das Betahaus?
Einer Kreativ- und Medienmetropole steht es vermutlich gut zu Gesicht, in attraktiver Lage alternativen Beschäftigungsmodellen einen Raum zu geben. Da die Stadt vermutlich nicht das Geldsäckel aufmachen oder so mir-nichts-dir-nichts eine neue Immobilie vermitteln wird, sind andere gefordert. Sarah Pust hat in ihrem Beitrag für die Digital Media Women schon sehr gut beschrieben, wie das funktionieren kann. Ich als Coworker hätte nichts dagegen, wenn sich ein Sponsor fände, der dann im Space auch prominent vertreten ist, bsp. durch Mitarbeiterdelegationen oder Branding.

Was kann besser laufen?
Da müssen sich eigentlich viele an die eigene Nase fassen. Ich sehe es als mein Versäumnis als Coworker an, nicht vielen weiteren Menschen die Vorzüge des Betahauses schmackhaft gemacht zu haben. In Zukunft sollte der Service-Gedanke weiter ausgebaut werden. Warum kann ich im Betahaus nicht mein Business gründen? Warum bieten nicht mehr Rechtsanwälte und Steuerberater kostenlose Workshops an (und gewinnen damit neue Kunden, für das Betahaus dann Provision bekommt)? Und warum wird nicht eigentlich aggressiver geworben? Ich bin mir sicher, dass nicht alle in ihren kargen Konferenzräumen in der City Nord oder in Wandsbek hocken bleiben wollen. Daran schließt sich aber die große Frage an, ob das Betahaus 2.0 eher größer oder doch kleiner wird. Mit mehr Raum lassen sich auch mehr Ideen verwirklichen – aber das klappt nur, wenn wir alle noch regelmäßiger zum Coworken und nicht nur zum Feiern vorbeikommen.

Was sollte der Insolvenzverwalter tun?
Bisher hört man ja nichts Negatives – und das macht Hoffnung, dass es doch noch zum Betahaus 2.0 kommen kann. Ich denke, es ist nicht von Nachteil – wie oben beschrieben – dem Insolvenzverwalter nachhaltig die Größe der Coworking-Community und Betahaus-Fans immer wieder zu verdeutlichen. Durch diese Blogparade und das Ideendokument können schließlich Ideen oder ein Konzept entstehen, die die Zukunft des Betahauses sichern. Und das liegt doch in unser aller Interesse, oder?

Medienlotse liest: Erfolgreich als Solo-Unternehmer

9th Dienstag, 2013  |  Wissen  |  1 comment

Gründer werden zunehmend mit Literatur überflutet. Da gibt es Leitfäden der Arbeitsagentur, Merkblätter der Handelskammer, Downloads beim Ministerium oder Bücher von Coaches und anderen Freelancern. Monika Birkner hat sich in ihrem Buch “Erfolgreich als Solo-Unternehmer” ganz auf die Solo-Selbstständigen fokussiert und erklärt, wie das eigene Business zum Wachsen gebracht werden kann. Der Medienlotse hat sich eingelesen, um mehr über Markenpositionierung, Marketingstrategien, Kundengewinnung und Geschäftsmodelle für Freelancer zu erfahren.

Mittlerweile ist es eine Binsenweisheit, dass Solo-Selbstständige nur dann erfolgreich sein können, wenn sie mit dem Lebensstil konform gehen (Arbeit im Home-Office, wenig Kontakt zu Kollegen; dafür große Freiheit bei der Tagesgestaltung und Auftragsbearbeitung) und diesen auch wirklich leben wollen. Diese wichtigen Fragen klärt Birkner gleich zu Beginn ihres gut lesbaren Leitfadens. In diesem Stil geht es durch insgesamt neun Kapitel, stets ergänzt um Kontrollfragen sowie Interviews und Beispielen aus der Praxis.

Der gute Lesefluss wird leider immer wieder gehemmt durch die Verwendung von Abkürzungen wie AIDA (Attention – Interest – Desire –Action), nur dass diese bei Birkner abwechselnd CREATE, WERT oder APFEL heißen. Zwar werden diese in seitenlangen Erklärungen gut aufgefächert, erklärt und fit für die Praxis gemacht, dennoch erschließt sich nicht für alle Leser der wirkliche Nutzen. Besser sind da schon die Grafiken, bsp. zu den 4G: Gut können, Gerne tun, Gewinn für Kunden, Gewinn für Freelancer – die Schnittmenge beschreibt die strategischen Stärken, auf denen idealerweise auch das eigene Geschäftsmodell fußt.

Fazit: Birkner richtet sich eher an Solo-Selbständige, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen. Das mit großem Brimborium im Buch immer wieder angekündigte Kapitel über Social Media bietet dann leider auch nicht mehr als Altbekanntes. Gute Impulse liefert “Erfolgreich als Solo-Unternehmer”  jedoch bei der strategischen Positionierung und der langfristigen Gestaltung von Kundenbeziehungen. Wer also darüber nachdenkt, sein Glück als Solo-Selbstständiger zu versuchen, sollte vorher unbedingt Birkners Leitfaden lesen.

Die Geschichte meines Blogs

1st Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  6 comments

Ich weiß nicht, woran es liegt. Ob nun an den Ironbloggern oder den vielen Blogparaden, doch Bloggen hat wie von vielen gewünscht ein echtes Revival erfahren. Ich persönlich habe es mir sehr schwerer vorgestellt, jede Woche einen neuen Beitrag veröffentlichen zu können, aber noch ist ja erst ein halbes Jahr seit dem Start vergangen. In dieser neuen Blogparade von Alexandra Steiner aus Wien gehe ich der Frage nach, was mich zum Bloggen motiviert, wie sich der Medienlotse-Blog entwickelt hat und um welche Themen es geht. 

Die Idee
Einer meiner ersten Jobs führte mich 2008 nach Nürnberg. Dort kümmerte ich mich um den Aufbau der dortigen Business On-Plattform und merkte als verantwortlicher Redakteur, wie sinnvoll die Einbindung von Twitter und Facebook in den täglichen Kommunikationsmix war und welche Traffic-Erfolge sich damit erzielen ließen. Umso erfreulicher, dass meine Texte zur Quelle-Insolvenz und Schäffler-Conti-Übernahmeschlacht bei Google News täglich vor den „Big 3“ Spiegel, FT und Süddeutsche gelistet wurden. Obwohl die Arbeit viel Spaß machte und ich nun auch privat „Social Media“ entdeckte, zog es mich zurück in den Norden. Und es war klar: In der Medienhauptstadt Hamburg musste ein eigener Blog her, wenn ich mich auf eigene Füße stellen wollte.

Der Start
Nach der Namensfindung begann ich unter medienlotse.wordpress.com, täglich neue Artikel zu publizieren und eigene Rubriken zu entwickeln. Damit schärfte ich nicht nur mein Wissen über Themen wie Social Media, Marketing und Digital, sondern kam auch nach und nach mit anderen Bloggern in Kontakt. Einer meiner Blogposts führte zu einer Veranstaltung des Social Media Clubs Hamburg unter meiner Führung an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, wo ich heute immer noch die Fächer Sportmarketing und Sportmanagement unterrichte. Mit dem endgültigen Start in die Selbständigkeit zog der Blog Mitte 2011 auf eine eigene Domain um.

Die Gegenwart
Aktuell veröffentliche im Rahmen der Ironblogger einen Artikel pro Woche zu den Themen Sport, Wissen und Marketing. Der Blog dient nicht zuletzt als Visitenkarte, in der ich Projekte wie mein Buch „Vorwärts nach weit. 10 Jahre Hannover 96 1. Bundesliga“ vorstelle und promote oder über meine Digisport-Session auf der Social Media Week in Hamburg informiere. Im Vergleich zur Urversion hat sich viel auf den Seiten getan. Neben einer Begrüßung zum Start finden sich noch Themen (Leistungen die ich anbiete) und ein „Über mich“-Bereich, der Auskunft zu meinem Werdegang und bisherigen Projekten gibt.

Die Zukunft
Irgendwann wird es ein Redesign geben, das ist schon mal sicher. Auch wenn die Zahl der Blogposts und Aktionen rund um Blogs wieder deutlich zugenommen hat, fehlt die Vernetzung untereinander. Das ist deutlich an der doch recht geringen Anzahl an Kommentaren hier im Blog zu sehen. Kaum ein Artikel, bei dem sich im Nachgang eine Diskussion entwickelt. Das geht bei Twitter deutlich einfacher. Ab und zu spiele ich mit dem Gedanken, neben diesem professionellen Blog noch eine zweite Plattform hochzuziehen, bei der es dann deutlich persönlicher und politischer zugehen könnte.

Big Data + Wissen: Rettung für den Journalismus?

25th Dienstag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Hach, früher war alles noch einfach. Science Fiction war Science Fiction und man konnte sicher sein, dass es noch lange dauern würde, bis der Warp-Antrieb tatsächlich erfunden wird. Das ist auch jetzt noch nicht der Fall, aber der aus Star Trek bekannte Tricorder dürfte schon bald beim Medienkonsum zum Einsatz kommen. Schon jetzt bietet beispielsweise You Tube automatisierte Playlisten auf Basis der vorherigen Klicks und Favoriten und Algorithmen arbeiten bereits daran, simple Texte automatisch zu erstellen. Doch wie geht es mit Medien und Journalismus im Zeitalter von Big Data weiter?

Nicht Daten, sondern Wissen
Der derzeitige Hype um das Schlagwort „Big Data“ und dazu gehörende Diskussionen über „Open Data“ erinnert doch stark an die Planungseuphorie der frühen 1960er Jahre. Auch damals sorgte die technische Entwicklung für einen wahren Schub und anders als heute glaubten Politik und Verwaltung, mit neuen Rechenmaschinen bessere Planungen für Autobahnen, Städte oder Ausgaben realisieren zu können. Doch spätestens mit den Ölkrisen der 1970er war klar, dass das Wachstum an ein Ende gekommen und die schönen Datenmodelle nichts mehr wert waren.

Zwar sind die heutigen Datenquellen umfangreicher und viel genauer und auch gibt es schon tolle Beispiele für gelungenen Datenjournalismus, dennoch wird sich Datengläubigkeit jenseits von Geschäftsmodellen auch diesmal nicht durchsetzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Solange noch  nicht jedes Kind programmieren kann und ein Großteil der Deutschen Offline ist, werden Journalisten und Medienmarken gebraucht, die die Welt erklären können und aus Wissen und Erfahrung schöpfen. Dennoch wird es sich nicht vermeiden lassen, dass sich ein Großteil unserer Medienlandschaft transformiert und mit Angeboten sie SZ-Die Recherche neue Relevanz schafft.

Nicht Wissen, sondern Daten
Doch bevor die Maschinenstürmer in den deutschen Vorstandsetagen frohlocken, ganz so weit ist es dann doch nicht. Wollen journalistische Angebote auch in Zukunft überleben, müssen sie mehr als bisher auf Big Data setzen. Nur wer seine Zielgruppen in- und auswendig kennt, wird den richtigen Content zum richtigen Zeitpunkt / im passenden Kontext anbieten können und die User begeistern. Dabei dürfte dieser Schritt den meisten Verlagshäusern nicht allzu schwer fallen, denn schon seit jeher gehörten sie zu den größten Datenhändlern im Direktmarketing.

Derart betrachtet erscheint die Transformation eine einfache IT-Herausforderung zu sein, die vom Standort Deutschland locker bewältigt werden könnte, wenn nicht die Vorbehalte gegen Big Data und Co. nicht so groß wären. Anstatt in die USA zu schauen und die dort herrschende andere Auffassung von Privatsphäre und Datenschutz zu beklagen, könnten gerade Big Data-Lösungen „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt und in der journalistischen Szene positiven Widerhall finden. Derzeit scheinen nur Unternehmen wie Springer erkannt zu haben, dass Investitionen in digitale Themen das journalistische Angebot mittelfristig am Leben erhalten. Mithilfe von Big Data können Contentproduzenten aber endlich wieder zu den Gewinnern zählen und deutlich sicher auf eigenen Beinen stehen.

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Sport Marketing Future

17th Montag, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

As you know, I am very interested about the future of sport and sport marketing. So there couldn’t have been a better fit, when I was invited by Alan Seymour to chair the panel on “Fan Engagement and New Media” during the “Future of Sports” conference at the University of Northampton. In this blogpost I want to share what I’ve learned about the sport marketing future during my days in the UK.

Gamification
Being a trending topic for almost two years now, gamification seems to have gripped marketers on a global level. Roughly said, during gamification fans interact with brands and get rewards in forms of virtual points, which can later be used in stores or signed merchandise. A good example is Fanpower, where football fans are engaged on a 24/7 basis and not just only on matchdays. I expect more and more sponsors to realize the gamification opportunities for their brands. Even more so of the official DFL license Fanpower now holds.

Augmented Reality
Demand and prices for advertising panels are high and new solutions desperately needed. AR offers an interesting solution. The likes of “Mixed Reality Marketing AG” are capable of using a ticket or stadium magazine to offer additional content and thus are creating new potential for sponsors. Imagine sitting in the ground and using the AR technology on your smartphone, when suddenly Lionel Messi or Mesut Özil would appear on your screen with a personal message. Check it out, but be fast about it!

Jersey 2.0
As Bill Sutton described in his tremendous keynote at the conference, team jerseys or kits are in high demand by fans. So why not linking their emotional relation to the clothing with sponsor content? Fans of Tampa Bay Lightning can already use their jersey for discounts in selected shops. Equipped with an RFID chip (which became infamous in Germany pre-WC 2006) the shirts can help sponsors to play a more important role in the fan’s every-day-life. At the moment, the technology seems to be too costly to be implemented on a wider scale, though.

Death of Season Tickets?
What do you do, when you invest time, money and emotion on your team but get almost nothing in return due to bad performances? You might reconsider your decision to renew the season ticket. Bill Sutton thinks that time share models like Hilton Honors will become more popular in the US leagues. More people think twice, before spending three hours at an NFL match and seeing the ball in play for approx. 15 mins only. “Venues, TV operators and the content has to change a lot, if they want to survive” says Sutton. The alternative is to buy a seat location, based on points system to up and downgrade.

Conclusion
The US sport market remains far ahead of other markets in the world, but has created certain individual problems which do not apply to other sports or countries. Emerging sports and young clubs often have no other choice than embracing social in media in order to attract fans, sponsors, money and media. But established clubs and sports need to think more about new sport marketing strategies, including gamification and augmented reality.

I’m happy to help, so do contact me now for new ideas on sport marketing!

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Neue Wege der DFL

10th Montag, 2013  |  Blog, Sport  |  no comments

Es hat lange gedauert, nun wird es aber besonders gründlich. Die Rede ist von der Auslandsvermarktung der DFL. Nachdem die Liga bis noch vor wenigen Jahren ihre TV-Rechte überhaupt nicht vermarket hat, startet der Verband nun im Rahmen einer internationalen Markenstrategie auch im Digital-Bereich endlich durch, wie auf dem Sports Media Summit in Köln deutlich wurde. 

Das Team um Dr. Jan Lehmann, Direktor Strategisches Marketing und Produktmanagement  bei der DFL, ging dabei streng nach Lehrbuch vor. Zunächst wurden im Rahmen der globalen Ausrichtung fünf Handlungsfelder identifiziert: Produkte (wie Highlightclips), B2B-Marketing, B2C-Kommunikation, Digital und lokale Events, beispielsweise Freundschaftsspiele von Bundesligisten im Ausland. In einem weiteren Schritt kam es zur Analyse von Medien, Sponsoren, Clubs und Volkswirtschaften in knapp 30 Ländern. Am Ende blieben zehn Zielmärkte übrig; dazu zählen laut Lehman nun Brasilien, USA, Polen, Russland, Türkei, China, Japan, Indien, Malaysia und Afrika (hier: Kenia, Nigeria, Ghana und Südafrika).

Nun gibt es in einer Matrix für jedes Land und Handlungsfeld konkrete Maßnahmen, die allerdings von der DFL noch wie die Kronjuwelen gehütet werden. Lehmann verriet nur, dass die Verhandlungen mit You Tube bereits zu einem Erfolg geführt hätten. So sollen aber der kommenden Saison etwas andere Highlights, BestOfs und Hintergründe im Videonetzwerk laufen. Die DFL sieht hier nur wenig Monetarisierungschancen, sondern setzt bei der weltweit zweitgrößten Suchmaschine auf Fanbindung. Deutsche Zuschauer werden allerdings in die Röhre blicken – oder wissen müssen, wie das Geoblocking umgangen werden kann.

Weitaus schwieriger scheint jedoch eine Einigung mit Twitter. Interessant: Lehman verwies bei den Möglichkeiten hier auf den Abschluss der NBA mit dem Microbloggingdienst. Während der Playoffs postet der Verband Content, der von Twitter um Videos ergänzt wird. So könnte bald Standard werden, was auf dem Sport Media Summit noch als Innovationspreis ausgezeichnet wurde: Sky bekam für seine Live-Werbung während einer Champions League-Begegnung den begehrten Branchenpreis. Sicher ist jedoch eine neue neue DFL-Präsenz bei Instagram. Ein mutiger und richtiger Schritt, denn die Clubs lassen hier noch viel brach liegen.

 

This is how I tweet

3rd Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  1 comment

Schon wieder eine Blogparade beim Medienlotsen? Ja! Denn gleich zwei Gründe sprechen dafür: Erstens sind diese Paraden immer wieder abwechslungsreich und helfen, mehr über andere Webworker herauszufinden (siehe hier und hier). Darüber hinaus helfen sie auch bei der für Freelancer so wichtigen Selbstreflexion. Und zweitens geht es bei dieser Blogparade um mein Lieblingsthema Twitter. Wer noch nicht dabei ist, sollte sich unbedingt einen Account zulegen und aktives Reputationsmangement beginnen. Achso: Aufgeschnappt habe ich das Blogstöckchen bei Carolin Neumman, die es wiederum bei Ulrike Langer gefunden hat. 

 Wer bist Du auf Twitter?
Auf Twitter bin ich zunächst @jancrode. Diesen Account habe ich seit fast vier Jahren. Damit gehöre ich aber noch längst nicht zu den First Movern. Zwar hatte ich vor meiner Anmeldung schon viel vom Dienst gehört, doch ehrlich gesagt konnte ich mir unter einer „SMS an alle“ gar nichts richtig vorstellen. Das änderte sich schlagartig, als ich Klaus Eck für einen Kunden interviewte und wir im Nachgang noch ein wenig über Twitter plauderten. Da war mir klar: Du musst dich sofort anmelden; auch, um das eigene Reputationsmangement zu forcieren. Seitdem hat sich meine Twitternutzung vervielfacht und ich habe neben meinem privaten Account auch noch @medienlotse für mein Freelancer-Label und @96notbremse96 für das weltbeste Hannover 96-Fanzine. Darüber hinaus betreue ich auch immer wieder Accounts für Kunden oder mache bei Location-Curation mit, zuletzt bei @WeareHH.

Nutzt Du Twitter vorwiegend privat oder beruflich?
Privat. Ich habe festgestellt, dass es keinen Sinn macht, auf Krampf ein Online-Ich zu kreieren.  Seitdem ich auch auf @jancrode zu Fußball, TV und allem anderen möglichen twittere, steigen meine Followerzahlen. Für Business-Content nutze ich nun verstärkt @medienlotse.

Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?
Das kann ich gar nicht genau beziffern. Der erste Griff nach dem morgendlichen Gähnen geht immer zum Smartphone und dann zu Twitter. Während der Arbeit ist Tweetdeck immer offen. In den kleinen Prokrastinierpausen lese ich dann immer nach, was meine Timeline so treibt. Und abends auf dem Sofa ist Twitter auch immer dabei, wenn über TV-Moderatoren oder den neuen Tatort gelästert wird.

Auf welchen Social Media-Kanälen bist Du aktiv?
Auf vielen. Gestartet bin ich mit XING, danach folgten Facebook, Foursquare, Google+ und LinkedIn. Alles sind mir wichtig und ich versuche, meine Follower, Fans und Kontakte auf jedem Kanal anders anzusprechen. Mir ist es ein Graus, wenn selbsternannte Social Media-Experten von Facebook zu Twitter crossposten oder nur ihre Check-Ins egomäßig unters Volk bringen…

Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?
Twitter ist die klare Nummer eins. Hierüber habe ich mich schon spontan zum Mittagessen verabredet, interessante Menschen und Meinungen kennengelernt und sehr, sehr oft auch schon herzlich gelacht. Und in globalen Krisenlagen wie dem Attentat beim Boston Marathon kommen Infos über Twitter oft schneller rein als bei den herkömmlichen Massenmedien.

Organisierst Du Tweet-ups bzw. nimmst Du daran teil?
Organisiert habe ich wohl noch keins, aber ich habe schon an vielen teilgenommen, darunter #twittgluehn, Twocktail und natürlich der legendären Twittnite.

Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?
Als permanentes Sonderkorrespondentennetzwerk ist Twitter für mich Inspirationsquelle Nr.1. Durch die segensreiche Retweet-Funktion dringt meine Timeline jeden Morgen in Sphären vor, in denen sie selten zuvor gewesen ist. Darüber habe ich schon so viele Texte und Artikel gelesen, die mir sonst durch die Lappen gegangen wären und alle auf ihre Art nun für mich sehr, sehr wichtig geworden sind. Das reicht vom republica-Nachbericht über Livereportagen aus Istanbul bis hin zu Ausblicken ins digitale Sportbusiness.

Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?
Ein „Sehr gut“ mit Sternchen und Auszeichnung am langen Band. Twitter ist das Internet, Inspiration und einfach nur Freude.

Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?
Ich bin recht anspruchslos und nutze den Dienst meistens pur. Deshalb auf dem Desktop Tweetdeck, unterwegs/mobil die offizielle App.

Die Nächsten, bitte!
Das #BTStöckchen gebe ich weiter an @dogfood @benjsto und @pburmester.

 

Bildnachweis: Stefan Groenveld für klarmobil.de

Braucht Hamburg eine/n Digital-Senator/in?

27th Montag, 2013  |  Blog, Marketingtrends, Wissen  |  2 comments

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass sich Städte vergleichbarer Größe in einem globalen Wettbewerb befinden. Viele versuchen, mit exklusiven Events wie Olympischen Spielen oder spektakulären Bauwerken international bekannt zu werden. Inzwischen gehört es ebenfalls zum guten Ton, innerhalb der eigenen Mauern eine lebhafte Digital- und Startupszene vorzuweisen. Während Berlin, Amsterdam und San Francisco dafür ordentlich PR in eigener Sache machen, hält sich Hamburg (noch?) vornehm zurück.

Dabei ist der Wille zur Veränderung durchaus vorhanden, wie Uwe Jens Neumann, Vorsitzender von Hamburg@work etwa anlässlich der Verleihung des Webfuture Awards 2013 sagte: „Wir haben in den vergangenen Jahren ein wenig den Kontakt zu Basis verloren; dass soll sich wieder ändern“. Zudem tagt unter Leitung der Senatskanzlei regelmäßig einThink Tank bei dem der Schreiber dieser Zeilen ebenfalls von Beginn an dabei ist. Vermutlich ist der Abstand zu den vorgenannten Städten aber bereits zu groß und es wäre eine Verschwendung von Zeit, Ressourcen, Kraft, Kreativität und Energie, um dieses Delta wieder zu schließen.

Warum also der ersten Welle angestrengt hinterherlaufen? Warum dann nicht lieber auf die zweite Welle warten, um ganz oben auf dem Kamm zu surfen? Nun, auch ich muss zugeben, dass ich es zunächst befremdlich fand, dass sich Hamburg – anstatt sexy zu sein – lieber reich und profitabel gibt. Aber nun soll es so sein und dann muss dieses Pfund auch entsprechend genutzt werden. Ob nun am Ende eine Digital Revenue Academy herauskommt, wie von Meinolf Ellers, Geschäftsführer von dpa-infocom gefordert oder doch die Internet-Insel ist noch nicht entschieden.

Eines kann nach einem Jahr Think Tank und Hamburg@work-Renovierung aber schon festgehalten werden: Es ist gut, dass relevante Entscheider zusammenkommen, nur fehlt eben noch die zündende Idee oder der letzte Drive, um eine nachhaltige Kursänderung herbeizuführen. Erschwerend kommt hinzu, dass es in Hamburg niemanden gibt, der die neuen digitalen Strömungen glaubhaft verkörpert. Der Datenschutzbeauftragte Caspar kommt eher zerknittert rüber, Otto kämpft selbst mit dem Umbau zum E-Commerce-Konzern und Google und AirBnB vertreten zunächst die eigenen Interessen.

Warum also in der kommenden Legislaturperiode nicht eine/n Digital-Senator/in berufen? Personen wie Nico Lumma (SPD) oder Katharina Wolff (CDU) sind nicht nur beruflich eng mit der Szene verbandelt, sondern schaffen es durch ihre Sichtbarkeit auf Events und innerhalb der sozialen Netzwerke auch immer wieder, wichtige Brücken zu schlagen. Alleine durch die Berufung würde Hamburg national und international wieder auf die digitale Landkarte kommen. Damit das Amt aber auch mehr als nur Eröffnungsreden von Computerräumen oder Spatenstichen für Breitbandkabel besteht, muss die Amtszeit mit einem konkreten Projekt verknüpft werden.

Zur Inspiration sollte Hamburg nicht in andere Hafenstädte schauen, sondern sich eher an europäischen Staaten wie Estland, Lettland, Litauen oder Slowenien orientieren, die eine ähnliche Bevölkerungszahl und administrative Struktur haben. So könnten das flächendeckende freie W-Lan oder die Einführung von Code an Grundschulen zu Leuchtturmprojekten des/der Digital-Senator/in werden. Die Ausgaben dafür können gut und gerne aus dem Marketing-Etat genommen werden; rechnen dürfte sich das allemal.

This is how I work

20th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  2 comments

Wenige Tage vor der re:publica erfuhr die deutsche Blogosphäre einen neuen Schub. Nach Impulsen aus Österreich machten sich nämlich der geschätze Daniel Rehn und Luca Hammer daran, die hiesigen Blogs in einer riesigen, datengefüllten Grafik zu verorten, um die vielfach noch überschaubaren Verknüpfungen der Bloggerinnen und Blogger untereinander zu visualisieren. In der dazugehörigen Facebook-Gruppe startete Luca nun eine Blogparade, die sich dem Thema “This is how I work” widmet und – na klar – auf das Bloggen gemünzt ist. Der Medienlotse lässt es sich natürlich nicht nehmen, daran teilzunehmen.

Blogger-Typ
Zum Start bloggte ich noch täglich, nicht zuletzt, um mir einen Namen zu schaffen und innerhalb der Hamburger Kreativszene sichtbar zu werden. Mit dem immer größeren Projektvolumen, was ich als Medienlots stemme, stellte ich schließlich auf eine wöchentliche Veröffentlichung um. Zugegeben, dass hat im vergangenen Jahr nicht immer geklappt, aber mit den Iron Blogger Hamburg kam die Motivation auch wieder. Seitdem fällt es mir umso leichter, neue Themen zu finden und meine Postings zu planen. Das hatte ich vorher eigentlich nie gemacht, weil ich das Gefühl hatte, von einer zu engstirnigen Themenplanung eingeengt zu werden. Mein Blog soll zwar zuallerst meiner beruflichen Reputation dienen, aber darüber hinaus auch immer etwas Spielwiese bleiben und den einen oder anderen Seitenblick ermöglichen.

Gerätschaften digital
Ein klassischer Dreiklang: Laptop, iPhone, iPad. Wobei das Laptop (angeschafft mit Aufnahme meiner Freiberuflichkeit 2011) mein Hauptblogtool ist. Sobald mir eine Idee kommt, wird der Artikel runtergeschrieben, gegengelesen, ein Foto gesucht und veröffentlicht. Das geht am Laptop einfach am Besten, zumal wenn man die eigene Tastatur wie auf dem Effeff kennt.

Gerätschaften analog
Auf der re:publica habe ich mich erstmal bei simyo eingedeckt. Am Stand konnte man sich nicht nur einen Akku leihen, sondern auch ein tolles, ringgeheftetes Notizbuch mitnehmen, welches mich seitdem auf allen Terminen begleitet. Wer mich unterwegs trifft, wird mich meist auch analog arbeiten sehen. Bei mir geht es einfach am schnellsten, die Notizen aufzuschreiben und dann in einem weiteren Schritt am Laptop in einen Artikel zu gießen.

Arbeitsweise
Ich mag es absolut nicht, direkt im WordPress-Editor zu arbeiten. Hier fühle ich mich eingeengt und deshalb greife ich immer noch auf das gute, alte Word zurück. Dort werden mir nicht nur Tippfehler angezeigt, sondern ich kann auch überprüfen, wie lang meine Artikel sind. Mein Ziel ist es, nicht nur kleinere Scherzbeiträge zu veröffentlichen, damit ich mein Soll für die Iron Blogger erfülle, sondern guten Content zu produzieren, der zum Kommentieren und Diskutieren anregt.

Wel­che Tools nutzt du zum Blog­gen, Recher­chie­ren und Bookmark-Verwaltung?
Ich bin ganz offen: Twitter und neuerdings mein eigenes Magazin auf Flipboard nutze ich für die Inspiration. Die meisten Ideen für neue Artikel kommen mir aber wirklich, wenn ich mich mit anderen Menschen unterhalte, ihnen auf Konferenzen begegne oder in einem Vortrag sitze.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Mit dem einfachsten und leistungsfähigsten System der Welt: Meinen Kopf. Momentan habe ich nur eine neue Idee für einen Post, der mir in einem Gespräch mit Peter Kabel von der HAW Hamburg auf der re:publica kam. Ansonsten entscheide ich häufig spontan, worüber ich bloggen möchte. Meist dreht es sich aber immer um den Kontext Sport, Digitales und Wissen.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen im Internet?
Bloggen macht Spaß und ist auch mehr als ein Hobby, deswegen ist Zeitsparen in diesem Kontext schonmal falsch. Für mich funktioniert es wie gesagt am besten, die Artikelidee in Word zu hämmern und danach dann den Text zu WordPress zu transferieren, ehe ich mich um die Bebilderung kümmere. Da setze ich mittlerweile fast ausschließlich auf CC-Grafiken von flickr. Spart ungemein viel Zeit, denn manchmal dauert die Bildersuche fast genauso lang wie das Texten. Und das muss nun wirklich nicht sein.

Benutzt du eine To-Do-List-App?
Nein, ich schreibe mir die kommenden Aufgaben immer schön brav in mein Notizbüchlein. Das ist groß und besonders auffällig, also komme ich nicht umhin, täglich hineinzuschauen und meine Tasks zu überprüfen und neue hinzuzufügen. Dann muss man sich auch nicht mit ständig neuen Apps herumquälen.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Seit einiger Zeit möchte ich meinen Kindle nicht mehr missen. Es verlang immer noch sehr viel Disziplin von mir, nicht sofort im Buchladen ständig ein neues Buch zu kaufen, wenn mir Titel und Inhalt gefallen. Ansonsten wäre ich schon längst an Tonnen von Büchern zu Hause erstickt. Auch wenn Giganten wie Amazon nicht gut für den Einzelhandel sind, ist der Kindle doch die richtige Lösung für die Digitalisierung.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Jetzt wäre eigentlich Zeit für den Werbeblock, aber ich will mal ein wenig Dampf rausnehmen. Ich behaupte aber gerne von mir, eine fixe Auffassungsgabe zu haben und komplexe Sachverhalte zielgruppengerecht zu verpacken. Ich denke, das stimmt auch. Meine Kunden scheinen das nämlich zu mögen :-)

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Da ist die Bandbreite doch recht groß: Entweder, ich lausche MTH House oder greife auf meine eigene MP3-Sammlung zurück. Dann höre ich am liebsten Live-Sets aus dem Electro-Bereich oder schaue, was meine Lieblingsartists in der Zwischenzeit auf Soundcloud veröffentlicht haben. Manchmal schwenke ich aber komplett um und höre NDR Kultur – herrlich beruhigend und irgendwie auch erhebend.

Wie ist dein Schlafrhythmus?
Wie bei den meisten auch: Morgens hoch und irgendwann nach heute-journal und tagesthemen ins Bett. Aber nie ohne Buch!

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Extrovertiert. Muss man als Freelancer irgendwie auch sein, sonst kommt man an keine Jobs oder Projekte ran. Und da Menschen meine Hauptinspirationsquelle für neue Blogideen sind, fällt es mir leicht, auf sie zuzugehen.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Maybe I should try this again in English, eh? Und natürlich alle anderen Iron Blogger aus Hamburg.

Der beste Rat, den du je bekommen hast?
Mich bei Twitter anzumelden und darin nicht eine “SMS an alle” zu sehen, sondern eher ein permanentes Sonderkorrespondentennetzwerk.

Bild von hgjohn auf flickr.

rp13 – So war’s

13th Montag, 2013  |  Blog, Wissen  |  no comments

Eigentlich passte mir meine erste re:publica so gar nicht in den Kram. Als Freelancer bedarf es schon einiger Vorplanungen, um mal drei Tage komplett abzuschalten und Kunden Kunden sein lassen. Obwohl mich das Programm nicht vom Hocker riss, freute ich mich auf die Tage in der Hauptstadt, denn ich war mir sicher, viele bekannte Gesichter aus Hamburg wiederzusehen. Ich war aber auch ziemlich gespannt, wieviele neue spannende Personen ich kennenlernen würde. Anstelle eines globalen Rückblicks präsentiert der Medienlotse noch einmal die Sessions die er besuchte, nun ergänzt um seine Eindrücke. (Sofern Videos zu den Sessions vorliegen, sind diese verlinkt).

Montag, 6.5

12.15-13.15, Aufruf zum metakulturellen Diskurs
Dueck konnte meinen Erwartungen leider nicht gerecht werden. Erst fühlte ich mich in eine Comedy-Sendung versetzt, als das kleine nuschelnde Männchen auf die Bühne tapste und mit der Technik kämpfte. Natürlich macht es immer Sinn, über den Tellerrand zu blicken, doch dafür gehe ich nicht auf die re:publica, um mich von einem unterhaltsamen Ex-Manager belehren zu lassen. Immerhin lernte ich ein neues Wort: Ethnozentrismus. Damit ist eine Sicht der Dinge gemeint, in welche die eigene Gruppe der Mittelpunkt von allem ist und alle anderen Meinungsäußerungen mit Bezug darauf gewertet werden. Als Dueck schließlich zum Hauptteil kam, ging ich schon wieder: Um den Übergang in die Wissensgesellschaft zu illustrieren und die Notwendigkeit für ein neues Menschenbild herauszukehren, nutzte er Spiral Dynamics – ein Konzept welches mir schon seit längerem bekannt ist.

13.30-14.30, Code Literacy – Verstehen, was uns online lenkt
Hier wurde es schnell sehr voll, doch der Raum leerte sich, als klar wurde, das hier der Versuch eines Workshops unternommen wurde. So fanden sich auch nur eine Handvoll Teilnehmer, die jeweils über die notwendigen Code-Kenntnisse von Politikern, Müttern, Netzaktivisten und Jugendlichen reden wollten. Leider war die Qualität der Arbeitsergebnisse sehr unterschiedliche und einige Teilnehmer hörten sich bei der Abschlusspräsentation wohl auch sehr gerne reden, sodass die Session in Zeitnöte geriet. Trotzdem wurde deutlich, dass mit der Digitalisierung mehr gemeint ist als “nur” Technik und IT, denn erstere betrifft zunehmend alle gesellschaftlichen Bereiche. Erfreulicherweise wurde noch festgestellt, dass Medienkompetenz insbesondere für Jugendliche wichtiger sei als Programmierkenntnisse.

14.45-15.45, YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube
Definitiv eines der Highlights des ersten Tages. Die Session von Bertram Gugel und Markus Hündgen strotzte nur so vor Informationen. Sicherlich wussten nur die wenigsten, dass YouTube in Deutschland bei den Mitgliederzahlen mittlerweile vor Facebook liegt und die 12-18-jährigen innerhalb einer Woche zu 95% das Videoportal nutzen, nur 68% jedoch Facebook. Mittlerweile haben auch TV-Sender und andere Mediennetzwerke die Potenziale erkannt, doch es braucht Zeit, sich eine Community aufzubauen. So wurde nur einer der Topkanäle nach 2008 ins Leben gerufen. Spannend wird auch die Einführung von Paid Content bei You Tube. Schon jetzt Helfen Fans ihren Stars, indem sie die vorgeschaltete Werbung bewusst anschauen, um Umsätze zu generieren.

16.00-17.00, Finanzblogs: Intellektuelle Elite oder verständliches Massenmedium?
Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten: Thomas Knüwer interviewte ich kürzlich für den Next Media-Blog; Ulli Hegge war vor einiger Zeit mal mein Gast im Social Media Club Hamburg. Doch mehr Neues lernte ich nicht. Zwar bemühte sich Jeannine Michaelsen, vielen vielleicht noch bekannt als EM-Twittermädchen vom ZDF, Wissen zu transportieren, doch schnell driftete die Session in eine Werbeveranstaltung von comdirect ab. Natürlich muss die re:publica auch Geld verdienen und Sponsoren Raum geben, jedoch nicht indem man sie sich selbst überlässt.

17.15-17.30, Zivilkapitalismus. Wir sind die Wirtschaft
Auch wenn Wolf Lotter die meiste Zeit seines Vortrages nur vom Blatt ablas und weite Teile seines Buch-Manuskriptes vortrug, wusste der Brand Eins-Mitgründer zu fesseln. Sein Konzept vom Zivilkapitalismus scheint eine echte Alternative zu sein. Kurios: Noch während Lotter vortrugt, retweetete sein Account Meinungsäußerungen der Anwesenden. Das im Herbst erscheinende Buch kommt definitiv auf meine Shortlist.

17.30-18.45, Immer dieses Internet
An diesem Punkt griff meine erste spontane Programmänderung. Die Ankündigung dieser Session war so interessant, dass ich nach Lotter gleich sitzenblieb, um den alten SPEX-Philosophen Diedrich Diederichsen und Digitalikone Mercedes Bunz zu lauschen. In einem kurzweiligen Gespräch umkreisten beide den Status Quo des Internets. Einziger Wehmutstropfen war die als Frage getartne Anklage, dass es sich bei dieser Session nicht wie angekündigt um ein Gespräch, sondern eher um ein Interview gehandelt hätte. Als ob das einen Unterschied macht…


Dienstag, 7.5

10.30-11.00, 10 tips to grow your Positive Entrepreneurial Energy
Schon als Catherine Barba in den vollen Raum kam, strahlte ihre positive Präsenz auf viele Besucher aus. Obwohl sich ihre 10 Tipps vornehmlich an Entrepreneure richten, können viel mehr Menschen damit etwas anfangen. Zu den wichtigsten Ratschlägen der Unternehmerin zählt, bereit zu sein, Risiken einzugehen, sich mit positiven Menschen zu umgeben und den richtigen Mentor auszuwählen. Triebfeder hinter all dessen sollen nicht etwa Geld, Erfolg oder Ruhm sein, sondern: “Life is short”, verkündete die Französin. Schade, dass die Sessions auf Stage 6 und 7 nicht aufgezeichnet oder bisher noch nicht hochgeladen wurden.

11.45-13.00, Das Ende der Arbeit – Wenn Maschine uns ersetzen
Wieder eine Änderung im Programmablauf, die sich aber ordentlich gelohnt hat. In seinem Vortrag stellte Johannes Kleske von Third Wave Berlin zunächst sein Gedankenmodell vor (Observe – Orient – Decide – Action), ehe es näher in die Thematik ging. Schon jetzt sorgt der maschinenbasierte Aktienhandel immer wieder für große Aufregung, wenn es zu Minicrashes kommt  und die Maschinenproduktivität wird weiter exponentiell wachsen. So scheinen sich zwei Richtungen ausmachen zu lassen: Auf der einen Seite die Maschinenstürmer, denen die Borg gegenüberstehen, die jedweden technischen Fortschritt unüberlegt bejubeln. Kleske forderte zudem ein Vokabular für das 21. Jahrhunderts und stimmte seine Zuhörer darauf ein, dass die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sicher kommen. Falls ThirdWave noch Freie sucht: Ich habe Interesse!

13.45-14.45, Browser Fingerprinting: Tracking ohne Spuren zu hinterlassen
Henning Tillmann stellte hier seine Abschlussarbeit vor, deren Ergebnisse er im Sommer auch der breiten Internetöffentlichkeit zugänglich machen will. Browser Fingerprinting ist ein weiterer Weg neben Cookies, um User und deren Transaktionen im Netz zu tracken. Daneben gibt es aber auch Flashcookies und Cahcegrafiken, die derlei Profile erstellen können. Tillmann wies nach, dass sich User zu 93% schon anhand ihrer installierten Plugins einwandfrei identifizieren ließen. Bester Schutz gegen Browser Fingerprinting soll eine Virtuelle Maschine mit einer Standardkonfiguration sein, doch es gibt auch positive Einsatzmöglichkeiten, etwa im Banking.

15.00-16.00, Life with extra Senses – How to become a Cyborg
Ja, scary war es schon, als Harbinson seine Pläne für die kommenden Jahre vorstellte: Erst will er sich seinen Farbumwandler in den Körper tranplantieren lassen, ehe dann im kommenden Jahr eine Aufladung der Batterie durch den eigenen Körper erfolgen soll. Schnell wurde jedoch deutlich, dass Harbinson mit seiner Partnerin vorallem künstlerische Einsatzmöglichkeiten ihrer Entwicklungen suchen. So vermag der Cyborg zu jeder Person eine individuelle Melodie zu erstellen, in dem er Augen, Mund und Gesicht abscannt.

16.15-17.15, Debunking Conspiracy Theories
Zu dieser Session kam ich leider erst, als ich auf Twitter davon las, während ich mich bei den Robot Ethics langweilte. Zunächst für etwas Verwirrung sorgte die Tatsache, dass die Session auf Englisch angekündigt, dann aber auf Deutsch gehalten wurde. Inhaltlich ging es u.a um die Bilderberger und Chemtrails. Trotz mehrerer Nachfragen aus dem Publikum konnten Anna Groß und Johannes Baldauf keine Blaupause im Umgang mit Verschwörungstheorien bieten. Stattdessen empfehlen sie die mühsame Kärrnerarbeit, jeden Fakt einzeln zu entkräften.

 

Mittwoch, 8.5

10.00-11.00 3D Printing: (How) can we make it a third industrial revolution?
Zunächst ging es im Eingangsvortrag von Pete Troxler gar nicht um 3D-Printing, sondern um industriellen Wandel. Troxler zeigte, dass bei einem Zusammenspiel von Wandlungen im Energie- und Kommunikationssektor fast zwangsläufig eine neue industrielle Revolution bevorsteht. Im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängern wird die kommende dritte Revolution aber nicht von oben herab, sondern vor allem vertikal und regional verlaufen. Noch ist nicht klar, was die nächsten Key-Icons des Wandels für Verkehr, Städte und Gesellschaft werden, sicher ist jedoch, dass sich mittlerweile der Prosumer herausbildet, der neben dem Konsum auch Dinge erschafft, bsp. in 3D-Werkstätten. Die folgende Diskussion sparte ich mir, denn hier dominierten schlechtestes Englisch und wieder mal viel zu viel Eigenwerbung einer Panelteilnehmerin.

11.15-11.45, Lernen Lernen lernen im persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird
Leider nicht wie erwartet ein Highlight, sondern eine Enttäuschung. Zwar war es beachtlich, dass sich mit Lisa Rosa eine Praktikerin (Lehrerin) dem kritischen Publikum stellte, aber was sie vortrug, erinnerte eher an ein Uni-Seminar. Noch bevor der kurze Abriss der Pädagogikgeschichte abgeschlossen war, hatte ich schon das Weite gesucht. Wieder also mal ein klassischer Fall, wo die Verpackung anders war als der Inhalt.

13.45-14.45, Wie das Internet literarisches Schreiben verändert
Noch wirrer wurde es bei diesem Vortrag, den weder Frederic Valin noch der auf Twitter als Vergrämer bekannte Jan-Uwe Fitz sonderlich vorbereitet zu hatten schienen. Während ersterer noch mit den Spätfolgen seiner Erwerbstätigkeit zu kämpfen hatte und mehr mit seinen vielen Zetteln herumraschelte, denn dem Sessiontitel gerecht zu werden, kommentierte der Vergrämer seinen Aufstieg vom Twitterer zum Buchautoren mehrfach mit Äußerungen wie “Das hat sich einfach so entwickelt”. Und da ich die Vergrämer-Sprüche auch wirklich nicht lustig fand, war das die dritte Session an diesem Tag, die ich vorzeitig verließ.

15.00-16.00 It’s not a fax machine connect to a waffle iron
Zum Glück hielt Cory Doctorow, was ich mir versprochen hatte: Ein kraftvolles, intelektuell anregendes Plädoyer für ein freies Internet. Wahre Jubelstürme durchfegten Stage 1, als der BoingBoing-Autor dazu aufrief, von der Telekom einen Gewinnanteil für die Kabel einzufordern, die vor der eigenen Haustür lägen. Sollte der Konzern dieser Forderung nicht nachkommen, blieben ihm 90 Tage, um den Kupfer aus der Erde zu entfernen. Bis dahin empfahl Doctorow der Netzgemeinde jedoch, die Mittel von Information und Kommunikation zu erobern, um den Planeten zu befreien. Das klingt nicht nur revolutionär, sondern war auch genau so gemeint.

 

Fazit

Die re:publica 2013 war nicht zuletzt durch die große Bandbreite an Themen (und damit auch Alternativen zu enttäuschenden Sessions) interessant. Dennoch stellte sich bei mir am dritten Tag so etwas wie Lagerkoller ein. Andere Konferenzen – beispielsweise MLOVE (Disclaimer: Kunde von mir) – machen das deutlich besser, indem sie vorallem bei der Abendgestaltung kreativer sind. Dass ist für 5.000 TeilnehmerInnen auch gar nicht möglich, aber eventuell sollte die Konferenz wieder ein wenig kleiner werden, anstatt nach neuen Rekorden zu schielen. Auch beim Networking verliert die re:publica und verzichtet auf Tools wie Bizzaboo oder PeopleHunt, um Leben in die Bude zu bringen.

 

Bildnachwis: klisch

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